19.04.2017| Von: Anja Branz |

Im aktuellen TradersTalk haben wir den Molekularbiologen Stefan Mangger zum Gespräch gebeten. Er hat mit uns über das Internet als Informationsquelle, wikifolio.com als Zukunft der Finanzanlage und das Gefühl für den Markt gesprochen. 

wikifolio-Trader Stefan Mangger

wikifolio-Trader: ThroughTheWall

Erfolgreichstes wikifolio*: Tanz zum Himmel

  • Performance seit Beginn: +70,8%
  • Maximaler Verlust (bisher): -17,4%
  • Aktuell investiertes Kapital: € 87.654

*) nach investiertem Kapital, Stand: 20.04.2017

 

 

 

Verraten Sie uns Ihren Namen?
Stefan Mangger

Unter welchem Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
ThroughTheWall

Was sind Sie von Beruf?
Molekularbiologe, Trader.

Wie sind sie zum Trading gekommen?
Am Anfang meines Studiums der molekularen Zell- und Entwicklungsbiologie habe ich mich viel mit komplexen, nichtlinearen Systemen beschäftigt, die eine hohe Selbstähnlichkeit aufweisen. Der Finanzmarkt ist ein solches System. Ich habe mir alles selbst beigebracht. Relevante Informationen habe ich aus dem Internet bezogen, das Gefühl für den Markt nach und nach erarbeitet. Dazu muss man natürlich auch wissen nach welchen Parametern die computergestützten Marktteilnehmer hauptsächlich handeln.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Ich halte mich politisch und wirtschaftlich auf dem Laufenden, analysiere die wichtigsten Indices und die liquidesten Währungspaare und leite Handelsentscheidungen ab. Ich filtere Aktien nach spezifischen Kriterien und untersuche interessante Werte etwas genauer.  

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Ich führe derzeit zwei wikifolios. Das wikifolio „Quandt Invest“ und das wikifolio „Tanz zum Himmel“. 

Neben wikifolio handle ich privat vorwiegend Indices über einen kurzfristigen Handelsansatz, welcher auf wikifolio.com etwas schwierig umzusetzen ist. Da ich mit meinem kurzfristigen Ansatz bereits gute Konditionen bekomme, bin ich auf wikifolio derzeit kein „Real-Money“-Trader. Mein Interesse an einer erfolgreichen Entwicklung des wikifolios ist bereits an der Performancegebühr gekoppelt.

Was sind für Sie die Gründe Ihre Handelsentscheidung als wikifolio zu veröffentlichen?
Ich finde es erfüllend, mit wikifolio.com eine Möglichkeit gefunden zu haben, den eigenen Erfolg mit anderen teilen zu können. Die Transparenz bei wikifolio.com, finde ich überzeugend und sehe in dem Konzept die Zukunft der Finanzanlage. Deshalb bin ich auf den Zug aufgesprungen und stelle meine Erfahrung über einen soliden, mittelfristigen Ansatz zur Verfügung.  

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Mein Handelsstil besteht darin, das Risiko durch eine relativ geringe Markt-Exposition zu minimieren. Ich versuche möglichst effizient zu handeln und den Trade gut zu timen. Die Erfahrung im kurzfristigen Handel hilft mir, Korrekturen im Gesamtmarkt zu antizipieren und gewinnbringend zu nutzen. Mit Teilpositionen passe ich den Trade meistens etwas an.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Ich bin teilweise zufrieden. Das wikifolio „Quandt Invest“ handle ich nur mehr sporadisch, da kurzfristige Handelsansätze auf wikifolio schwer umzusetzen sind. Wenn „Quandt Invest“ neue Hochs erreicht agiere ich spekulativer und gehe höhere Risiken ein. Bei einem Drawdown versuche ich langsam wieder auf neue Hochs zu kommen.

Das wikifolio „Tanz zum Himmel“ hat den Gesamtmarkt ohne Verwendung von Hebelprodukten deutlich outperformt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, konnte das wikifolio keinen nennenswerten Drawdown mehr verzeichnen. Damit bin ich zufrieden da es zeigt, dass ich durch hohe Cashphasen Korrekturen des Gesamtmarkts antizipieren konnte. Die Einstiege in die einzelnen Werten habe ich gut getimed und durch Short-ETFs auf den Dax zudem noch gewinnbringend genutzt, ohne den Cashbestand übermäßig auszureizen. Nicht zufrieden bin ich mit der Entwicklung von „Tanz zum Himmel“ seit Beginn des Jahres. Ich war dem großen Impuls des Gesamtmarkts zu vorsichtig eingestellt und konnte so keine nennenswerten Gewinne erwirtschaften. Ich lasse mich von Phasen der Stagnation jedoch nicht aus dem Konzept bringen. Als Trader muss man weitsichtig denken und geduldig sein.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Das wikifolio „Tanz zum Himmel“ konnte durch Short-Attacken auf den Dax und hohe Cashphasen in den letzten 360 Tagen eine Performance um die 60% erreichen, bei einem maximalen Risiko um die 5%. Ein Highlight war die Investition in LinkedIn, wo ich zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen bin und bei einer prozentualen Gewichtung von 35% eine prozentuale Performance von 63% erzielen konnte.

Welche Entwicklungen erwarten Sie sich vom Börsenjahr 2017?
Der Dax wird am Jahresende höher stehen als 2016 im Mittel. Ich bin zuversichtlich, dass ich eine Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt hinbekomme.  

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Pharmawerte interessieren mich generell. Am meisten Sinn machen liquide Märkte. Ich versuche meine Performance allerdings nicht zu stark von der Entwicklung des Gesamtmarkts abhängig zu machen.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
Ich favorisiere Aktien wie Gilead Sciences. Der akutelle Kurs reflektiert nicht hinreichend die freien Mittel, die das Unternehmen zur Verfügung hat, um den Umsatz durch strategische Zukäufe von weiteren Pharmaunternehmen nachhaltig zu steigern und das Produktportfolio auszubauen. Der Chartverlauf spiegelt ehr die Frustration/Druck der Investoren auf das Unternehmen wider, in diese Richtung aktiv zu werden.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Die Auseinandersetzung mit dem Markt ist immer auch eine Reise zu sich selbst. Dabei lernt man sehr viel über sich und andere. Der Markt diszipliniert ungemein und es gibt keine Perfektion. Man kann eine negative Handelsentscheidung treffen, ohne einen Fehler gemacht zu haben. Das ist nicht einfach zu akzeptieren. Und nicht zuletzt muss man sich die Kunst der Klugheit hart erarbeiten.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Profunde Kenntnisse über den Finanzmarkt helfen nur bedingt weiter. Es gibt Marktteilnehmer mit ganz unterschiedlichen Interessen. Einen Vorteil verschafft man sich durch die konstante Auseinandersetzung mit dem System selbst und viel Gefühl für die Interpretation von systemtypischen Mustern und deren Änderungen. Ein kritischer Geist hilft sich von gesellschaftlichen Restriktionen zu befreien und differenzierter zu denken. Dadurch wird man ausgeglichener und vielschichtiger. Im Markt zu wachsen bedeutet im Leben zu wachsen, indem man mit offen Augen durch die Welt geht und einen kritischen Geist beibehält.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Ich kann kein Buch explizit empfehlen. Ich empfehle ganz allgemein Bücher an denen man selbst wächst. Bücher, die eine ungewöhnliche Sichtweise eröffnen und zum Denken anregen. „Siddharta“ von Hermann Hesse hat mir zum Beispiel gefallen und mich bereichert.

Hier finden Sie die Links zu allen publizierten wikifolios des Traders: