30.10.2015| Von: Anja Branz |

Für den aktuellen TradersTalk haben wir mit dem Fondsmanager Michael Peters gesprochen. Er erlaubt uns einen kleinen Einblick in die Welt der Behavioral Finance, die sich mit menschlichen Verhaltensweisen in Anlageentscheidungen auseinandersetzt. Viel Spaß beim Lesen!

Verraten Sie uns Ihren Namen?

Michael Peters

Ich heiße Michael Peters.

Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
Mein Benutzername auf wikifolio.com ist MPeters.

Was sind Sie von Beruf?
Ich bin seit Ende der 90er Jahre als Fondsmanager bei verschiedenen Investment Gesellschaften tätig und auf Aktienanlagen sowie derivative Overlay-Strategien spezialisiert.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
Bei der täglichen Beschäftigung als Fondsmanager nimmt man an den Aktienmärkten Muster wahr. Jedoch lassen sich im institutionellen Fondsmanagement diese Muster oft nicht nutzen, da in der Regel Trading als Widerspruch zum Gedanken der langfristigen Anlage gesehen wird. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen meine überwiegend kurzfristig agierenden Handelsstrategien, die auf der langjährigen Kenntnis der Kapitalmärkte beruhen, auf der Plattform Wikifolio umzusetzen und damit investierbar zu machen.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Den Schwerpunkt der in meinen Wikifolios eingesetzten Strategien bilden quantitative Modelle, bei denen einmal täglich auf der Basis von Eröffnungs- bzw. Schlusskurs die vorzunehmenden Transaktionen berechnet und dann umgesetzt werden.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Ich verwalte derzeit 6 investierbare Wikifolios und bin bei einigen „Real-Money“ Trader. Für mich ist es wichtig, Investmentstrategien unter möglichst realistischen Bedingungen zu testen. Viele Investmentstrategien sind auf dem Papier erfolgreich, bestehen jedoch den Live-Test aufgrund von Transaktionskosten, mangelnder Liquidität oder nicht ausführbaren Preisen nicht. 2 weitere Wikifolios befinden sich aktuell im Status publiziert und sind auch als „Real-Money“ – Wikifolios geplant.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?
Auf Wikifolio wird sowohl den Tradern als auch Investoren die Möglichkeit gegeben, neue innovative Strategien zu testen bzw. in diese zu investieren. Der Investitionshorizont, das Kundeninteresse oder regulatorische Richtlinien spielen dabei vorerst eine untergeordnete Rolle, was viele Freiheiten in der Entwicklung und Anwendung von Handelsstrategien ermöglicht.
Daneben besteht die Möglichkeit, die Entwicklung eines Wikifolios als Track Record für ein Anlagekonzept zu nutzen.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Der Großteil der von mir eingesetzten Strategien ist aus der Behavioral Finance abgeleitet. Die Behavioral Finance beschäftigt sich mit menschlichen Verhaltensweisen, unter anderem in Anlageentscheidungen. Der „Trugschluss des Spielers“ ist dafür ein typisches Beispiel, dass ein zufälliges Ereignis wahrscheinlicher erscheint, wenn es längere Zeit nicht eingetreten ist. Ein anderes Beispiel ist das Herdenverhalten. Es beschreibt den Vorgang, dass Zeit- und Erfolgsdruck sowie subjektive Wissenslücken zu Unsicherheit führen, welche durch Nachahmung anderer bewältigt wird. Diese Verhaltensweisen, denen wir allen in einem gewissen Rahmen unterliegen, spiegeln sich in Kursverläufen an den Märkten wider. Historisch führte dies dazu, dass Chartanalysten durch z.B. das Einzeichnen von Linien Kursverläufe zu prognostizieren versuchten. In meinen Strategien wird dieser Vorgang automatisiert. Während Chartanalysten den gleichen Verhaltensweisen unterliegen wie andere Investoren, werden in den Strategien die Kursverläufe systematisch und regelbasiert analysiert, so dass menschliches, irrationales Entscheidungsverhalten keinen Einfluss auf die Positionierung der Strategie hat und somit emotionales Verhalten reduziert werden kann. Denn wer hat nicht schon einmal auf dem Tiefstkurs seine Aktien aus Angst vor weiter fallenden Kursen verkauft.

Der Ansatz der Strategien ist es, auf kurzfristigen Preissignalen eine Entscheidung für einen steigenden oder fallenden Aktienmarkt abzuleiten. Umgesetzt werden die Strategien meistens transaktionskostenschonend über Hebelprodukte, so dass durch häufiges Handeln die Performance wenig beeinträchtigt wird. Bei einigen Strategien werden auch Short-Positionierungen ausgenutzt, so dass Sie an steigenden und fallenden Märkten positiv partizipieren können und somit die aktuelle Bewertung der Aktienmärkte keine Rolle für die zukünftige Performance der Strategie spielt.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Mit der Entwicklung der „Real Money – Wikifolios“ bin ich sehr zufrieden. Insbesondere das Wikifolio „Euro Aktien mit Hebel“ wies in den letzten 12 Monaten eine Performance von mehr als 100% auf. Die Sharpe Ratio, die das Verhältnis von Performance zu Risiko beschreibt, liegt aktuell über 2.5, was ein exzellenter Wert ist. Es unterstreicht, dass die Performance nicht durch ein erhöhtes Risiko erreicht wurde. Insofern kann man mit der vergangenen Performance zufrieden sein. Wichtig ist jedoch, dass die Strategie nachhaltig eine positive Wertentwicklung vollzieht.

Auch mit der Entwicklung des „Absolut Return Konzept“ bin ich sehr zufrieden, obwohl die Performance seit Auflage leicht negativ ist. Diese entspricht aber genau dem Konzept, Chancen zu nutzen und gleichzeitig das Risiko des Aktienmarktes zu begrenzen.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
In den vergangen Jahren gab es bereits häufiger schwierige ökonomische Situationen. Bisher konnte jedoch die Liquidität in den Märkten dies auffangen. Die aktuelle Diskussion um eine Zinserhöhung in den USA sowie einer wirtschaftlichen Abkühlung in China, hat jedoch zu Turbulenzen an den Aktienmärkten geführt. Die Kurskorrektur im September war in dieser Höhe sicherlich trotz hoher Bewertung der Aktienmärkte nicht vorab zu erwarten. Die regelbasierte Strategie „EuroAktien Werte mit Hebel“, war jedoch zu diesem Zeitpunkt richtig positioniert, weil sich die Krise vorab schon indirekt in Kursverläufen widerspiegelte. Dies wurde von der Strategie systematisch ausgewertet.

Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2015?
Das aktuelle Börsenjahr ist vor allem von den Veränderungen bei den Währungen und der Zinsentwicklung in einem Umfeld von schwachem, globalem Wirtschaftswachstum bestimmt. Insbesondere zu nennen sind die Aufhebung der Kopplung des Schweizer Franken an den Euro, die Abwertung durch China und die Diskussion um die erste Zinserhöhung in den USA mit all ihren Rückkopplungseffekten z.B. auf die internationalen Kapitalflüsse. In diesem Umfeld liegen dieses Jahr für Investoren auch die Erträge ihrer Rentenanlage bisher deutlich unter dem, was in den vergangenen Jahren zu erzielen war. Auch die Aktienmärkte haben sich gerade in den letzten Monaten sehr volatil gezeigt und klar gemacht, dass es trotz des häufig zitierten Anlagenotstands sinnvoll sein kann, mit aktiven Handelsstrategien und Risikomanagement in die Aktienmärkte zu investieren.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Zurzeit sind aufgrund der zu Verfügung gestellten Liquidität durch die Zentralbanken, sowohl die Anleihemärkte als auch die Aktienmärkte überbewertet. Insofern sind Absolute Return Strategien bzw. Long/Short Strategien, die taktisch auf steigende und fallende Märkte setzen, zu bevorzugen.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

Auf mittelfristige Sicht sind derivative Strategien zu bevorzugen, mit denen man sich auch auf fallende Märkte positionieren kann, um von Kursrückgängen zu profitieren.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Man muss sich von eigenen Emotionen lösen, die an der Börse meist kein guter Ratgeber sind. So können z.B. grundsätzlich positive Wirtschaftsdaten negative Kursreaktionen auslösen und umgekehrt. Als Einsteiger oder Experte sollte man die Märkte gut beobachten und verstehen lernen, bevor man Geld investiert.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Einsteigern würde ich gerne auf den Weg geben, dass Sie zu Beginn eines Investments sich aufschreiben, was sie zu der Anlageentscheidung geführt hat, was sie erwarten, und wann Sie aussteigen wollen. Diese Regeln sollte man regelmäßig ernsthaft evaluieren und Konsequenzen ziehen. Denn nachher ist man immer schlauer.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Ang – A Systematic Approach to Factor Investing