04.09.2017| Von: Anja Branz |
Foto Patrick Möller

wikifolio-Trader: GermanAllCap

Erfolgreichstes wikifolio*:
GermanAllCap - Fokus Nebenwerte

  • Performance seit Beginn: +59%
  • Maximaler Verlust (bisher): -13,4%
  • Aktuell investiertes Kapital: 315.789 

*) nach investiertem Kapital, Stand: 04.09.2017

 

 

wikifolio-Trader GermanAllCap – auch bekannt unter dem Namen Patrick Möller – hat mit uns über die Transparenz des Social Trading, Spaß am Börsenhandel und langweilige Handelstage gesprochen. Viel Spaß beim Lesen!

 

Verraten Sie uns Ihren Namen.

Mein Name ist Patrick Möller.

Unter welchem Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?

Ich bin mit dem Usernamen GermanAllCap auf wikifolio.com zu finden.

Was sind Sie von Beruf?

Ich verantworte seit knapp 10 Jahren den Bereich Investor Relations bei der XING AG aus Hamburg. Darüber hinaus bin ich Mitglied des Aufsichtsrats der ebenfalls im Prime Standard notierten mybet Holding SE und seit fast 12 Jahren Mitglied des Sanktionsausschusses der Frankfurter Wertpapierbörse.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?

Ich mag das Wort "Trading" nicht so sehr. Das klingt sehr kurzfristig orientiert. Das passt nicht wirklich zu meiner "Buy and hold" Strategie. Die Faszination Börse ist während des dualen Studiums zum Zeitpunkt der Etablierung des "Neuen Marktes" 1997 entstanden, als mein damaliger Arbeitgeber (mobilcom AG – heute freenet AG) das erste Unternehmen war, dessen Aktien dort emittiert wurden.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?

Es gibt keinen typischen Handelstag. Da ich beruflich bedingt ohnehin die Märkte kontinuierlich beobachte und darüber hinaus auch keinen klassischen Kurzfrist-Trading-Ansatz habe, werde ich nur sporadisch aktiv, wenn einzelne Titel beispielsweise meine intern definierten Zielkurse erreichen oder die von mir definierten Stopp-Loss-Marken unterschritten haben.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits "Real-Money"-Trader?

Ich führe derzeit zwei wikifolios. Beide sind investierbar. Gestartet bin ich mit dem "GermanAllCap – Fokus Nebenwerte" im September 2015. Seit Auflage konnte ich eine Rendite von ca. 60 Prozent mit gezieltem Stock-Picking überwiegend im Bereich der Small- und Mid-Caps erzielen. Dieses wikifolio hat selbstverständlich den Real Money-Status, da es im Wesentlichen auch meine private Anlagestrategie abbildet. Das zweite wikifolio mit dem Namen "Dividend Select Stockpicker" habe ich etwa 1 Jahr später im November 2016 gestartet. Die Strategie bzw. das wikifolio befindet sich noch im Aufbau.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?

Ganz ehrlich. Der Hauptgrund ist eher ein psychologischer Aspekt. Ich wollte wissen, ob bzw. wie sich meine Anlagestrategie bzw. mein Verhalten ändert, wenn ich nicht nur Investmententscheidungen für mein eigenes Geld treffe, sondern auch für zahlreiche mir fremde Anleger. Ich kann ihnen sagen: Das ist nicht einfach. Aber es diszipliniert. Und mehr Disziplin rundet meinen bestehenden Ansatz durchaus ab. Früher war ich häufig zu emotional.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?

Kurz und knapp. Stockpicking in Verbindung mit Buy & Hold. Ich versuche Unternehmen zu identifizieren, die in strukturellen Wachstumsmärkten tätig sind, oder sich in aussichtsreichen Turnaround-Situationen befinden. Häufig bestehen bei kleineren Unternehmen "Informationsasymmetrien" durch geringe Wahrnehmung / Research Coverage. Das birgt die Chance, schneller / früher als der "Markt" zu sein.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?

Ich bin natürlich extrem zufrieden, dass sich mein Stock-Picking-Ansatz mit dem "GermanAllCap - Fokus Nebenwerte"-wikifolio so überdurchschnittlich gut entwickelt hat. Das Risiko ist bei diesem Ansatz natürlich deutlich größer als im zweiten wikifolio mit Schwerpunkt auf reinen Dividendenaktien. Auch mit diesem wikifolio (Dividend Select Stockpicker) bin ich bisher sehr zufrieden und konnte mit einem Maximalen Verlust von -3,87% seit Jahresanfang den DAX in den ersten Monaten schon leicht outperformen.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?

Da gab es in der Tat einige Highlights, zum Beispiel sehr frühe Investments in cliq digital, Lotto24, Vectron, Albis Leasing oder auch Washtec. Alle Aktien haben sich seit Investition mehr als verdoppelt. 

Welche Entwicklungen erwarten Sie sich vom Börsenjahr 2017?

Puh. Der Blick in die besagte Glaskugel... das können andere hochbezahlte Makroanalysten bzw. Volkswirte viel besser – ob sie am Ende richtig liegen weiß heute trotzdem niemand.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?

Meine Leidenschaft sind die kleineren Werte. Ob Investitionen hier am meisten Sinn machen, muss jeder für sich beantworten. Aber es macht deutlich mehr Spaß kleinere agile Unternehmen bei Turnarounds / Neuausrichtungen als Investor zu begleiten. Hier sehe ich Chancen, die Märkte durch Stockpicking zu schlagen. Bisher hat es funktioniert.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

Strukturelle Wachstumswerte. Ich möchte aktuell keine einzelnen Titel hier hervorheben.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?

Die Erfahrung als Börsenneuling zwischen 1997 und 2000 jeder Aktienneuemission wie ein Lemming hinterherzulaufen, ohne sich das Geschäftsmodell und die einzelnen Cases überhaupt anzuschauen.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Geht als Konsument mit offenen Augen durchs Leben. Ich wasche meine PKWs seit mehr als 10 Jahren in derselben Waschstraße und war als Kunde mit dem Ergebnis immer sehr zufrieden. Irgendwann habe ich mal nach dem Hersteller der Anlagen gegoogelt - Washtec. Ich habe mich weiter eingelesen und mich für ein Investment entschieden. Das Ergebnis sind über 140 Prozent Kursgewinn seit Aufnahme im wikifolio.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?

Ein guter Bekannter von mir hat kürzlich das Buch "ÜBERRENDITE - Einfach mehr verdienen" geschrieben und publiziert. Das Buch gibt erstmals eine Übersicht über die empirische Kapitalmarktforschung und -praxis und zeigt Wege auf, jährlich 2 bis 3 Prozent Überrendite zu erzielen.