20.03.2017| Von: Anja Branz |

Im aktuellen TradersTalk haben wir "returninvestor" alias Matthias Thobaben zum Gespräch gebeten. Er betreibt zwei wikifolios auf unserer Plattform und hat mit uns über Risikoprofile seiner wikifolios, automatisiertes Ordermanagement und Tradingübungen "auf dem Trockenen"! gesprochen. Viel Spaß beim Lesen!

Verraten Sie uns Ihren Namen.
Matthias Thobaben

Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
returninvestor

Was sind Sie von Beruf?
IT-Angestellter

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
Ich bin seit ca. 16 Jahren an der Börse aktiv, jedoch bereits seit ca. 25 Jahren daran interessiert.

Begonnen habe ich, wie so viele, einmal mit den "Volksaktien" Deutsche Telekom, T-Online, etc. mit mehr oder weniger großem Erfolg. Durch Selbststudium, Bücher, Seminare und Webinare habe ich in den Jahren viele Handelsansätze, Strategien, Tradingmöglichkeiten und -produkte kennengelernt. Da ich merkte, dass trotz technischer Analyse die Märkte ein nicht vorhersehbares "Eigenleben" haben, kam ich immer mehr vom direktionalen Traden/Anlegen (Abhängigkeit von einer Marktrichtung) ab.

Seit ca. 7 Jahren beschäftige ich mich intensiver mit Optionen und den daraus abgeleiteten Derivaten wie z.B. Bonus- und Discount-Zertifikaten, um auch in verschiedenen Marktrichtungen erfolgreich sein zu können. Da ich berufstätig bin versuche ich das Trading/Anlegen möglichst einfach und wenn sinnvoll durch Automatismen (Ordertypen, Chart- und Produktpreissignale, etc.) unterstützt zu betreiben.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Einen typischen Handelstag gibt es eigentlich nicht, da ich mehr auf das Verhalten der Märkte reagiere. Zu Handelstagen gehören die technische Analyse des Marktes, die Meinungsbildung über das voraussichtliche Marktverhalten, die Auswahl von geeigneten Produkten, die Vorbereitung und das Anlegen von Orders, die Verwaltung der bestehenden Positionen und letztendlich die "Buchführung" über die durchgeführten Transaktionen. Durch den Einsatz von verschiedenen Ordertypen (Limit, StopBuy, OCO, Stopploss, TrailingStopp, etc.) wird das Ordermanagement weitgehend automatisiert, so dass ich auch nicht jeden Tag aktiv sein muss.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Zurzeit führe ich zwei wikifolios mit derselben Grundidee jedoch unterschiedlichem Risikoprofil. Beide wikifolios werden mit einer Optionsstrategie mittels Bonus- bzw. Discountzertifikate auf Indizes (DAX, EuroStoxx50) geführt. Das erste wikifolio ist seit März 2016 investierbar und hat sich bisher erfolgreich entsprechend der Handelsidee entwickelt. In das entsprechende wikifolio-Zertifikat bin ich auch selbst investiert.

Das zweite wikifolio mit einem defensiveren Risikoprofil befindet sich derzeit im Emissionsprozess und wird wahrscheinlich demnächst investierbar sein. Ich plane noch weitere wikifolios mit unterschiedlichen Strategien auf weitere Märkte.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?
Zum einen ist es die öffentliche Umsetzung der Strategie und damit zu zeigen, dass ein nichtdirektionaler Ansatz beständigen Erfolg an der Börse haben kann. Zum anderen ist es auch die Möglichkeit Freunde und Bekannte sowie andere Wikifolio-Interessierte mit ihren Investitionen in den Wikifolio-Zertifikaten an den Strategien teilhaben zu lassen.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Auf wikifolio.com möchte ich vorher erfolgreich getestete und durch Statistiken belegte Handelsideen umsetzen. Das Ziel ist das Erwirtschaften eines stetigen Einkommens unabhängig von den Marktsituationen. Daher würde ich meinen Handelsstil als einen erfolgsorientierten, auf möglichst sichere Erträge bedachten, durch verschiedene Handelsprodukte geprägten, in verschiedene Märkte investierenden und zielrendite-bestimmten Handelsstil bezeichnen. Durch das strikte Umsetzen der Ein- und Ausstiege ist es gegenüber einem diskretionären Handelsansatz ein recht einfacher und pragmatischer Handelsstil.

Durch das kurz- bis mittelfristige Halten von Positionen kann flexibel auf die Marktverhältnisse reagiert werden. Bei der Bonus-Strategie werden letztendlich durch den möglichst günstigen Einstieg, mit großen Sicherheitspuffern bei hoher Volatilität und das nachfolgende Abwarten, die Erträge generiert. Hierdurch wird ein positiver Ertrag in mehr als zwei von drei möglichen Marktverläufen (steigend, seitwärts, fallend) möglich.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Bisher bin ich mit der Entwicklung sehr zufrieden. Die gesteckten jährlichen Zielvorgaben wurden bereits übertroffen. Den Ertragskurvenverlauf versuche ich noch etwas zu optimieren, so dass das strategiebedingte Auftreten von kleineren Drawdownphasen vermindert wird.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Ein einzelnes Highlight gab es durch meinen umgesetzten Handelsstil nicht. Vielmehr würde ich das erfolgreiche Überstehen bzw. Ausnutzen der politisch bedingten Unwägbarkeiten wie Brexit, US-Wahlen, Italien-Referendum in den vergangenen Monaten als Trading-Highlight sehen.

Welche Entwicklungen erwarten Sie sich vom Börsenjahr 2016?
Ich werde mich, wie in den vergangenen Jahren, auf die Entwicklungen in den Märkten einstellen und keine Erwartungen aufbauen. So können diese auch nicht enttäuscht werden.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Übergeordnet mit klarem Trend sind zurzeit sicher die Aktienmärkte besonders in den USA. Dies ist sicher auch der Saisonalität geschuldet.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
Da ich wegen der Risikostreuung meist in Indizes investiere, favorisiere ich keine einzelnen Wertpapiere. Einzig dividendenkräftige Aktien aus den USA (wegen der meist vierteljährlichen Ausschüttung) sowie europäische Dividendenaristokraten ziehe ich in die engere Wahl.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Lektionen gab es einige. Lehrreich sind alle gewesen und haben mein jetziges Handeln geprägt, seien es Stopploss-Marken, das Beachten von Positionsgrößen und Moneymanagement. Letztendlich ist es wahrscheinlich die Erkenntnis, dass das direktionale als auch das diskretionäre Traden für mich zu aufwendig und zu erfolglos sind.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Zum Anfang sollte man die Informationsmöglichkeiten im Internet (Youtube, Webinare, Lektüre, etc.) nutzen und die dort gefunden Handelsstile ausprobieren. Denn nicht jeder Handelsstil passt zu jedem Trader und kann erfolgreich von jedem gehandelt werden. Wenn sich das Interesse für einen Handelsstil herauskristallisiert, kann durch die Lektüre von Büchern das Wissen vertieft sowie die Praxis durch das Handeln auf Demokonten bzw. als Papertrading "im Trockenen" geübt werden.

Es empfiehlt sich der Kontakt zu einem Trader des jeweiligen Handelsstils, um nicht alle Fehler selber zu begehen und bereits mit einem gewissen "Rüstzeug" ans Werk zu gehen. Bei stetigem Erfolg kann neben den Demokonten auch begonnen werden auf einem Echtgeld-Konto mit sehr kleinen Positionsgrößen zu agieren.  Ganz am Ende dieses Prozesses – wenn man erfolgreich auf den Konten handeln kann – würde ich empfehlen mit "echtem" großem Geld zu handeln. Aufgrund der unterschiedlichen Gebühren empfiehlt es sich, einen für den jeweiligen Handel günstige Direktbank/-broker auszuwählen.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Ich kann einzelnes Buch empfehlen. Es gibt einige gute Bücher zu den Themen technische Chartanalyse, Dow-Theorie und Optionshandel.

Details zu den wikifolios von Matthias Thobaben finden Sie hier:

Zum wikifolio "Bonusertrag defensiv"

und hier:

Zum wikifolio "Bonusertrag"