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29.11.2017| Von: Nikolaos Nicoltsios |

Der richtige Umgang mit Hebelprodukten gilt als eine der Königsdisziplinen an der Börse. Die immensen Gewinnchancen wirken auf viele Anleger extrem reizvoll. Die ebenfalls überdurchschnittlich hohen Verlustrisiken werden aber gleichzeitig oft unterschätzt. Dabei ist es zumindest in der Theorie relativ einfach: Der Hebel wirkt fast immer in beide Richtungen, sodass die korrekte Prognose zur künftigen Kursentwicklung Grundvoraussetzung für erfolgreiches Handeln bleibt. Da aber kaum ein Trader auf Dauer eine 100-prozentige Trefferquote erreicht, ist ein durchdachtes Risikomanagement gerade beim Einsatz solcher Produkte enorm wichtig.

Eines der größten und leider auch sehr häufig auftretenden Probleme in der Praxis ist, dass mit viel zu hohen Hebeln und/oder zu großen Gewichtungen agiert wird. Schon wenige Fehltrades haben dann so hohe Verluste zur Folge, dass ein normaler Handel aufgrund der emotionalen und/oder finanziellen Folgen oft nicht mehr möglich ist. Viele Anleger schließen deshalb wikifolios mit Hebelprodukten kategorisch aus. Dabei gibt es auch bei wikifolio.com eine Reihe von Tradern, die sehr professionell und erfolgreich mit solchen Papieren handelt. Und über die richtigen Suchkriterien lassen sich solche wikifolios auch relativ leicht finden.

Hohe Verluste entstehen meistens durch Hebelprodukte – die Suche hilft

Zunächst einmal belegen aktuelle Auswertungen allerdings die erhöhten Risiken, die der Handel mit gehebelten Produkten mit sich bringt. Bei den insgesamt (nur) rund 490 investierbaren wikifolios mit einem maximalen Verlust zwischen 80 und 100 Prozent handeln vier von fünf Tradern mehr oder weniger regelmäßig mit Optionsscheinen oder Knock-out-Papieren. Erhöht man die Risikokennzahl auf "mindestens 99 Prozent Maximalverlust", steigt die Quote der "Hebel-Trader" sogar auf 94 Prozent.

Wer stattdessen nun nach den wirklich professionellen Akteuren in diesem speziellen Segment suchen und deshalb auch die lediglich kurzfristig erfolgreichen "Glücksritter" möglichst ausschließen möchte, der könnte zum Beispiel nach allen investierbaren wikifolios mit Hebelprodukten suchen, deren Trader die Auszeichnungen "Guter Money Manager" und "Kontinuierliches Wachstum" erlangt haben. Hier bleiben aktuell 37 wikifolios übrig, die man sich im Detail ansehen könnte. Oder die Zahl der Kandidaten wird über zusätzliche Suchkriterien (zum Beispiel bezüglich der bisherigen Performance) noch weiter eingegrenzt.

Gehebelte DAX-Optionsscheine als Depot-Absicherung

Der nach eigenen Angaben seit über 20 Jahren erfolgreich mit Wertpapieren handelnde Michael Kitschke ("ENess") liefert mit seinem wikifolio "Aktien- und Hebelwerte 80:20" seit fast zwei Jahren ein gutes Beispiel dafür, wie Hebelprodukte sinnvoll in ein Portfolio integriert werden können. Während bis zu 80 Prozent des Musterdepots in deutschen Qualitätsaktien aus dem Dax, MDax und TecDax stecken sollen, nutzt er die restlichen Mittel, um in trendlosen Märkten mit den passenden Hebelprodukten und Anlagezertifikaten eine zusätzliche Rendite zu erzielen oder das wikifolio in fallenden Märkten mit Short-Positionen abzusichern. Durch solche Strategien "soll versucht werden, auf Jahressicht Verluste (auch in einem fallenden Gesamtmarkt) zu vermeiden". Bei einer Performance von 39 Prozent und einem maximalen Verlust von lediglich 9 Prozent ist ihm das bislang gut gelungen. Aktuell besteht das Portfolio des Traders zu 57 Prozent aus Aktien und zu 40 Prozent aus Cash. Die beiden rund sechsfach gehebelten Put-Optionsscheine auf den DAX kommen zusammen nur auf ein Gewicht von 3 Prozent. Kitschke, der einen Lehrgang für Börsenhändler besucht hat, sich selbst aber als "reinen Hobbytrader" bezeichnet, setzt die Hebelprodukte also ganz bewusst und gut dosiert ein.

Selbst Hebel von 100 müssen kein Problem sein

Dasselbe kann man auch von Roman Kurevic ("DOGA") behaupten, der in seinem wikifolio "Turopoldi DOGAHILO" großen Wert auf Diversifikation legt. Neben der hauptsächlich verfolgten Trendfolgestrategie auf Aktien aus dem Dax, MDax, SDax und TecDax sollen freie Gelder "in verschiedene systematisierte Handelsmodelle investiert werden, deren Umsetzung über die angebotenen Hebelzertifikate angestrebt wird". Bei einer geplanten Haltedauer von 3 bis 10 Tagen handelt es sich dabei dann um eher kurzfristige Trades. Aktuell setzt der Trader neben einem sehr breit gestreuten Aktienportfolio (ca. 91 Prozent Depotanteil) auf einen Knock-out-Call auf den Bund Future. Dieser Schein ist mit einem aktuellen Hebel von 100 isoliert betrachtet zwar sehr riskant. Aufgrund der geringen Depotgewichtung von nur 1,3 Prozent sind die Auswirkungen auf das gesamte wikifolio aber überschaubar.

Da der Trader bei seinen Hebel-Aktivitäten durchweg mit solch geringen Summen agiert, lassen sich auch höhere Verluste bei einzelnen Trades locker verkraften. So ist das zuletzt erlittene Minus von gut 82 (!) Prozent bei einem Knock-out-Schein auf den DAX im Chart des wikifolios kaum zu erkennen. Auch bei diesem Schein wurde lediglich ein Prozent des Kapitals investiert. Wie sorgsam hier mit Hebelprodukten umgegangen wird, zeigt auch die Bilanz des bereits im August 2012 gestarteten wikifolios. Trotz eines Kursanstiegs von über 105 Prozent bzw. 47 Prozent beim im Februar 2014 emittierten wikifolio-Zertifikat konnte der Maximum Drawdown bis heute auf gerade mal 11 Prozent begrenzt werden. Das von Investoren so gut wie gar nicht beachtete wikifolio notiert aktuell nur knapp unter seinem Allzeithoch.

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