Der Nasdaq Emerging Cloud Index hat laut aktien.guide binnen eines Monats ein Fünftel seines Wertes verloren. Manche Titel wie zum Beispiel jene von , eines israelischen Anbieters von CRM- und Projektmanagementsoftware, rasselten in nur wenigen Tagen gut 30 % südwärts – und haben sich damit alleine 2026 halbiert. Prominentere Opfer der Angst vor KI-Agenten waren zuletzt oder . Die Liste der Betroffenen ist lang: Auch die deutsche und selbst , oder konnten dem Druck nicht standhalten.
Und: Die Angst zog nach und nach weitere Kreise. In den Abwärtssog gerieten neben Softwarefirmen Datenanbieter wie oder Finanzdienstleister wie .
Wie KI-Agent Claude allen das Fürchten lehrt
Was löste den Kursrutsch aus? Im Prinzip ein DeepSeek-Moment wie schon Anfang 2025. Nur ohne Beteiligung des chinesischen KI-Startups DeepSeek. Dieses Mal sorgte das kalifornische Pendant Anthropic für Aufsehen. Das Unternehmen veröffentlichte eine neue Version des KI-Agenten „Claude“. Claude Cowork heißt der Wunderknabe, der eine Reihe an Geschäftsmodellen durch neue Features und Automatisierungsmöglichkeiten infrage stellt. Dabei positioniert sich Anthropic anders als OpenAI: Anstatt auf die breite Masse und Werbung zu setzen, wandelt sich Claude vom Chatbot mehr und mehr zum Arbeitstool, mit dem man Code schreiben, aber auch vielfältige Arbeitsaufgaben erledigen können soll. Spezialisierte Funktionen für Marketing, Recht und auch Finanzen stehen zur Verfügung. Selbst komplexe Arbeitsabläufe, die bisher teure Software und viel Personal erforderten, sollen so automatisiert werden können.
Evolution, aber nicht Zerstörung
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KI-Agenten zerstören die Software-Industrie nicht, sie erzwingen eine Evolution der Geschäftsmodelle.
Christoph Gum vom Vermögensverwalter Private Alpha Switzerland ( Alpha AI Leaders ) hält die Marktreaktion und die Angst vor den disruptiven Möglichkeiten von KI-Agenten wie Claude Cowork für übertrieben. KI-Agenten werden klassische SaaS (Software as a Service)-Geschäftsmodelle demnach nicht auslöschen. „Aber sie verändern die Wertschöpfungsketten massiv“, erklärt Gum. „KI-Agenten wie Claude machen Unternehmenssoftware nicht überflüssig – sie verschieben vielmehr, wo der Mehrwert entsteht. Der Trend geht weg von starren Oberflächen hin zu intelligenten Workflows, die bestehende Systeme orchestrieren.“ Demnach werden ERP-, CRM- oder Projektmanagement-Plattformen das „System of Record“ bleiben – also die Quelle aller essenziellen Daten und der Referenzpunkt für alle anderen Systeme. KI-Agenten, so Gum, werden zum Interface darüber.
Der Private Alpha-Experte summiert: „Wer seine Plattform erfolgreich mit KI-Agenten erweitert, gewinnt. Wer stehen bleibt, verliert. Genau deshalb sehen wir die aktuell massiven Abverkäufe bei vielen SaaS-Titeln eher als Bewertungs-Reset, nicht als strukturellen Todesstoß.“
Die „guten“ Software-Aktien
Wer Software baut, die – wie Gum es formuliert – tief in kritischen Geschäftsprozessen einer großen Kundenbasis verankert ist und ermöglicht, KI-Agenten in die Plattform zu integrieren, wird langfristig also profitieren. Vor diesem Hintergrund hatten die Private Alpha-Experten für ihr wikifolio Alpha AI Leaders zunächst eine erste Position in SAP aufgebaut. Allerdings mit engem Stop Loss Level, der auch rasch gerissen ist. Die Aktie wurde daher aus charttechnischen Gründen wieder verkauft. Grundsätzlich sei SAP aber interessant, so Gum: „Nach dem Abverkauf überzeugen uns Bewertung, Positionierung und der bestehende Burggraben als klarer ERP-Leader im globalen Softwaremarkt. SAP investiert auch massiv in ihre eigene KI-Software und Infrastruktur.“
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Für Gum ist klar: „Agentic AI steht ganz am Anfang – und wird die Nachfrage nach Cloud, Chips, Rechenzentren, Energie und integrierter Unternehmenssoftware weiter beschleunigen. Die aktuellen Rücksetzer sehen wir als antizyklische Nachkaufchance für Anleger, die im KI- Sektor unterinvestiert sind.“
Zu Big Tech: „Geben kein Stück aus der Hand“
Daraus ergibt sich auch seine Einschätzung für Big Tech, deren Aktien – trotz herausragender Quartalszahlen – zuletzt ebenfalls spürbare Verluste wegstecken mussten. Belastungsfaktor waren einmal mehr die hohen und 2026 weiter steigenden KI-Investitionsausgaben. Gum dazu: „Microsoft, Amazon, Alphabet und Oracle bauen die Infrastruktur, auf der Agentic-AI überhaupt erst möglich wird. Das bedeutet zwar kurzfristige Margenbelastung, aber langfristig einen massiven Cashflow-Hebel. Für uns sind die aktuellen Rücksetzer daher eher Einstiegs- als Ausstiegsgelegenheiten, daher halten wir jede einzelne Aktie und geben kein Stück aus der Hand.“
„Ausverkaufspreise“ bei Software
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Die Bewertungen von SaaS-Aktien sind inzwischen auf ein Niveau gefallen, das ich seit dem Aufkommen von Software-as-a-Service vor ca. 25 Jahren noch nicht erlebt habe.
Stefan Waldhauser ( High-Tech Stock Picking ) dürfte Gums Einschätzung zu Big Tech nicht teilen. Bei Software-Aktien sieht aber auch er teils eine massive Unterbewertung, wie er vor Kurzem in einem Blog-Post kommentierte: „Die Bewertungen von SaaS-Aktien sind inzwischen auf ein Niveau gefallen, das ich seit dem Aufkommen von Software-as-a-Service vor ca. 25 Jahren noch nicht erlebt habe. Etliche dieser Unternehmen sind zu einstelligen Cashflow-Multiplen zu haben, obwohl sie bislang zweistellig und hochprofitabel wachsen. Das sind Ausverkaufspreise. Ich bin davon überzeugt, dass die gegenwärtige Panik eine großartige Chance für besonnene Stock-Picker bietet, die den Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen.“ Im wikifolio vertreten sind zum Beispiel die monday.com-Aktie und auch PayPal. Seine ausführliche Einschätzung zu SaaS-Aktien gibt’s unter folgendem Link.
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