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Krieg im Iran: Was Top-Trader jetzt tun

Der israelisch-amerikanische Angriff auf den Iran hat an den Märkten im März zu hoher Volatilität und zu einer generellen Risk-Off-Stimmung geführt. Unter den stark gestiegenen Preisen für Öl und Gas litten bislang vor allem die asiatischen Aktienmärkte, aber auch der DAX hat seit Monatsbeginn gut 6 % an Wert verloren. Viele wikifolio Trader haben schnell reagiert – und ihre Portfolios an die neue Situation angepasst.

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Quelle: wikifolio.com

Andere Trader wiederum mussten erst gar nicht groß „reagieren“, weil sie etwa schon vor der Eskalation im Nahen Osten defensiv unterwegs waren. Philipp Struck zum Beispiel hält in seinem wikifolio Global Wealth Concentrated schon länger einen ETF auf kurzlaufende US-Staatsanleihen, der aktuell auf einen Depotanteil von 30 % kommt. Seit Beginn des Iran-Kriegs hat er sich sehr gut entwickelt, was vorrangig auf die neue Dollar-Stärke zurückzuführen ist. Bekam man am 27.02. noch 1,18 US-Dollar (USD) für einen Euro, sind es aktuell nur mehr rund 1,16.

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Kennzahlen

  • +543,5 %
    seit 27.09.2023
  • EUR 18.376.532
    Investiertes Kapital
  • +54,0 %
    Performance (1 J)
  • 39,3 %
    Volatilität (1 J)
Ø-Perf. pro Jahr: +113,9 %

1/3 long Dollar, 1/3 long Cash, 1/3 short Kryptos

Am 03.03. kommentierte Struck wie folgt: „Durch den Iran-Konflikt ist nun auch erstmals meine USD-Position (kurzlaufende USD-Anleihen) leicht in die Gewinnzone gekommen, da sich der EUR/USD-Kurs abschwächt. Fundamental wäre dies bei einem lange andauernden Iran-Krieg auf jeden Fall auch weiterhin gerechtfertigt.“ Der Trader verweist auf den Euro-Sturz im Zuge des Ukraine-Krieges: „Der Euro hat im Jahr 2022 über 15 % verloren, obwohl er schon im Vorjahr schwächer tendierte. Eine länger gestörte Energiezufuhr aus dem Mittleren Osten dürfte aber sogar stärkere Implikationen für die europäische Wirtschaft haben, als dies in 2022 der Fall war. Tritt dies ein, dann könnten die zuletzt ‚geliebten‘ DAX und Euro zu den klaren Verlierern zählen.“

2026 gilt bis auf Weiteres: Capital Preservation Modus!

Philipp Struck
Chartdesigner

In seiner Einschätzung, die schon vor dem Iran-Krieg galt, sieht er sich damit aktuell bestätigt: „2026 gilt bis auf Weiteres: Capital Preservation Modus!“ Kapitalerhalt ist also die Devise. Von Einzeltitel-Engagements nimmt er komplett Abstand, auf Aktien setzt er aktuell nur ab und zu und auch nur mit geringem Anteil auf Indexebene im Rahmen von kurzfristigen Long- oder Short-Spekulationen auf den Nasdaq 100 oder auch mal den DAX. Stattdessen hält er neben der USD-Position im Ausmaß von 30 % auch noch jede Menge Cash (36 %). Mit dem letzten Drittel im Portfolio setzt er schon lange und vorerst auch weiter auf fallende Kurse verschiedener Kryptowährungen.

Warum das alles? Am Dienstag vor dem Angriff auf den Iran erklärte Struck seine Ausrichtung einmal mehr im Detail: „Die Dynamik hat sich seit meinem letzten Post hier eigentlich nicht groß verändert. Der Bärenmarkt im Krypto-Bereich setzt sich fort. Gleichzeitig kämpfen die Aktienmärkte mit dem Übergang vom Seitwärts- in einen potenziellen Abwärtstrend.“ Vor allem das KI-Segment belastet demnach die Stimmung: Die Angst, KI könnte ganze Geschäftsmodelle ad absurdum führen, hatte zuvor bei Einzelaktien und ganzen Branchen zu teils massiven Kurseinbrüchen geführt. Darüber hinaus wird auch das Ausmaß der hohen KI-Investitionen von Big Tech von Anlegern nicht mehr einfach so hingenommen.

Strucks Strategie ist klar und leicht nachvollziehbar: „Im schwierigen Umfeld soll das Kapital erstmal so gut es geht erhalten werden. Gleichzeitig gehen wir gezielte Shorts ein, mit dem Ziel Zusatzerträge zu generieren. Mittelfristig wollen wir uns für den nächsten Bullenmarkt positionieren und wieder in die Märkte einsteigen. Ich führe kontinuierlich eine Watchlist mit möglichen Kaufkandidaten. Für derartige Käufe ist es mir aber von Zeitpunkt und Niveau her aktuell noch deutlich zu früh. Also noch etwas Geduld!“

Kapitalerhalt und Flexibilität als wichtigstes Ziel

Mit möglichst wenig Verlusten durchzukommen, lautet die oberste Devise.

Christian Scheid
Scheid

Aber nicht nur Struck agiert defensiv. Viele Trader erhöhten in den letzten Tagen die Cash-Quote, um das Risiko in unsicheren Zeiten zu reduzieren und gleichzeitig „Pulver“ zur Verfügung zu haben, sobald sich interessante Einstiegsgelegenheiten ergeben.

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Cash is King

Aktuell beträgt die Cash-Quote in wikifolios 20 %. Das letzte Mal waren die wikifolio Trader derart vorsichtig unterwegs, als US-Präsident Donald Trump im April letzten Jahres seinen „Zoll-Hammer“ schwang und damit die Aktienmärkte zumindest kurzfristig im wahrsten Sinne des Wortes erschlug.

Christian Scheid sitzt in seinem wikifolio Special Situations long/short zurzeit auf ca. 20 % Cash-Anteil. Zu Wochenbeginn kommentierte er: „Brutale Bewegungen an den internationalen Finanzmärkten. Mit möglichst wenig Verlusten durchzukommen, lautet die oberste Devise. Dazu ausgewählte Aktien, bei denen es Übertreibungen gibt. Aus diesen Erwägungen heraus habe ich heute Morgen etwa eine kleine (Trading-)Positon in Nordex genommen und bei der Commerzbank aufgestockt.“ Getradet wurde im Wochenverlauf ganz der Ausrichtung auf Sondersituationen entsprechend dann zum Beispiel auch Rheinmetall: Die Aktie war am Mittwoch nach enttäuschenden Zahlen im Frühhandel unter Druck geraten und in der Folge sehr volatil. Alle Trades und mehr Einblicke in das wikifolio von Scheid gibt’s unter folgendem Link:

Chart

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Kennzahlen

  • +871,8 %
    seit 09.11.2013
  • EUR 15.316.477
    Investiertes Kapital
  • +3,8 %
    Performance (1 J)
  • 14,1 %
    Volatilität (1 J)
Ø-Perf. pro Jahr: +20,2 %

Auch Florian Riediger, der in seinem wikifolio TSI Strategie Nasdaq-Werte mit seinem Fokus auf US-Technologiewerte aus der zweiten oder dritten Reihe eigentlich sehr renditeorientiert unterwegs ist, hält sich aktuell relativ stark zurück. Er kommentierte am Sonntag die Lage wie folgt: „Die aktuelle Kombination aus konjunktureller Abkühlung, steigenden Energiekosten und einer Neubewertung der KI-Wachstumsstory erfordert eine vorsichtige Positionierung. Im wikifolio wird daher aktuell eine Cash-Quote von 20 % gehalten. Diese Liquidität dient als Puffer gegen kurzfristige Volatilität und ermöglicht es, bei weiteren Rücksetzern gezielt in High Conviction Positionen zu investieren, sobald sich eine Bodenbildung abzeichnet.“ Im Verlauf der Woche schlug er dann auch beim Medtechunternehmen Transmedics und den Verteidigungs- und Sicherheitstechnikanbietern Ondas und Viavi Solutions (verantwortlich z.B. für fäschungssichere Farben auf Banknoten) zu und baute seine Positionen in diesen Aktien aus.

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Kennzahlen

  • +919,0 %
    seit 13.01.2017
  • EUR 5.341.730
    Investiertes Kapital
  • +103,1 %
    Performance (1 J)
  • 64,1 %
    Volatilität (1 J)
Ø-Perf. pro Jahr: +28,9 %

Sein wikifolio umgekrempelt hat auch Richard Dobetsberger. In UMBRELLA liegt der Fokus aktuell auf Ölaktien und Cash. Er begründete seine Entscheidung mit dem deutlichen Anstieg der Ölpreise und der Risk-Off-Stimmung an den internationalen Aktienmärkten infolge der Eskalation im Nahen Osten: „In solchen Marktphasen verschiebt sich der Fokus institutioneller Investoren typischerweise hin zu Sektoren mit direkter Energieexponierung, während zyklische oder wachstumsorientierte Branchen erhöhte Volatilität aufweisen.“ Vor diesem Hintergrund kam es zu einer Reihe an Portfolioanpassungen: Im Verlauf der Woche wurden mehrere Positionen geschlossen, darunter DHL, Bayer, Micron Technology, BioNTech und Deckers Outdoor. Dobetsberger dazu: „Die Anpassungen dienten sowohl der Risikoreduktion als auch der Schaffung strategischer Liquidität, um Kapital gezielt in Sektoren mit aktuell attraktiverem Chance-Risiko-Profil umzuschichten.“ Umgeschichtet wurde in den Energiesektor. Neben dem Ölmulti Chevron sind nun auch ConocoPhillips, Halliburton und Occidental Petroleum Teil des wikifolios. Insgesamt kommen die 4 Aktien auf gut 45 % Depotanteil. Weitere 40 % stecken in Cash. Dobetsbergers Fazit: „Durch den verstärkten Fokus auf den Energiesektor sowie eine solide Liquiditätsposition bleibt die Strategie darauf ausgerichtet, auch in volatilen Marktphasen stabil und handlungsfähig zu bleiben.“

Chart

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cde

Kennzahlen

  • +3.740,0 %
    seit 16.09.2012
  • EUR 173.302.325
    Investiertes Kapital
  • +7,7 %
    Performance (1 J)
  • 25,5 %
    Volatilität (1 J)
Ø-Perf. pro Jahr: +30,9 %

Wenn’s mal wieder drunter und drüber geht…

Es ist schwer bis unmöglich vorherzusehen, wie lange der Iran-Krieg dauern wird. Je länger er dauert, umso wahrscheinlich werden sich allerdings die hohen Ölpreise auch in der Inflation niederschlagen, zu steigenden Zinserwartungen führen und letztlich die Wirtschaft und Börsen belasten. Genau so gut könnte in 2 Wochen aber auch alles vorbei sein.

Was wir im wikifolio angepasst haben? Genau nichts. Strategie schlägt Timing!

Andreas Stattrop
Oberbanscheidt

Nicht alle Trader passen sich daher kurzfristig an die Situation an, viele – wie zum Beispiel langfristig orientierte Value-Anleger – halten (richtigerweise) an ihrer Strategie fest und nehmen vorübergehende Rückschläge in Kauf. „Was wir im wikifolio angepasst haben? Genau nichts. Strategie schlägt Timing!“ sagte dazu etwa Andreas Stattrop von der Oberbanscheidt & Cie Vermögensverwaltung, verantwortlich für das wikifolio Weltweite Aktienauswahl .

Chart

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Kennzahlen

  • +85,8 %
    seit 09.03.2023
  • EUR 5.865.624
    Investiertes Kapital
  • +29,6 %
    Performance (1 J)
  • 21,9 %
    Volatilität (1 J)
Ø-Perf. pro Jahr: +22,6 %

Andere wiederum, wie die oben genannten, schichten das Kapital um, erhöhen die Cash-Quote und/oder nutzen kurzfristige Übertreibungen, um Renditechancen zu realisieren. Auch das sind valide Vorgehensweisen, die oft in kurzfristigen, flexiblen Trading-Strategien umgesetzt werden.

Was es jedenfalls immer braucht, ist ein Plan, um mit der Unsicherheit umzugehen. Gut zu wissen, dass die Top-Trader einen haben – unabhängig davon, wohin der geopolitische Wind im Nahen Osten oder sonst wo letztlich weht.

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Disclaimer: Jedes Investment in Wertpapiere und andere Anlageformen ist mit diversen Risiken behaftet. Es wird ausdrücklich auf die Risikofaktoren in den prospektrechtlichen Dokumenten der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft (Endgültige Bedingungen, Basisprospekt nebst Nachträgen bzw. den Vereinfachten Prospekten) auf wikifolio.com, ls-tc.de und ls-d.ch hingewiesen. Du solltest den Prospekt lesen, bevor du eine Anlageentscheidung triffst, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Prospekts von der zuständigen Behörde ist nicht als Befürwortung der angebotenen oder zum Handel an einem geregelten Markt zugelassenen Wertpapiere zu verstehen. Die Performance der wikifolios sowie der jeweiligen wikifolio-Zertifikate bezieht sich auf eine vergangene Wertentwicklung. Von dieser kann nicht auf die künftige Wertentwicklung geschlossen werden. Der Inhalt dieser Seite stellt keine Anlageberatung und auch keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.