Makroökonomie und Börse – wie wichtig sind Konjunkturdaten?

Lohnt es sich für Anleger Immobilienpreise, Zinssätze, Bruttoinlandsprodukt und Co. im Blick zu behalten? - Die wichtigsten Konjunkturdaten und welche Bedeutung sie für die Börse haben.

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Quelle: Johannes Plenio, pexels.com

Konjunkturdaten sind Daten und Statistiken über wirtschaftliche Begebenheiten von Branchen, Regionen oder Ländern. Mit ihrer Hilfe kann der aktuelle und zukünftige Stand einer Volkswirtschaft eingeschätzt werden. Aufgeteilt werden können sie grob in Vor- und Nachlauf-Indikatoren.

Vorlaufindikatoren

Zu den Vorlauf- oder Frühindikatoren zählen jene Konjunkturdaten, die Vorhersagen über zukünftige wirtschaftliche Veränderungen ermöglichen. Zu den wichtigsten Vorlaufindikatoren zählen:

  • Auftragseingänge: Eingehende Aufträge einzelner Unternehmen oder ganzer Branchen werden erfasst und mit Vorperioden verglichen.
  • Geschäftsklimaindex: Manager werden nach ihrer Einschätzung der aktuellen und zukünftigen Geschäftslage gefragt. Für Deutschland besonders relevant ist der monatlich erhobene ifo-Geschäftsklimaindex.
  • Zinssätze: Zentralbanken beeinflussen durch Zinsentscheidungen die Kreditnachfrage und somit das Konsumverhalten. Sinken die Zinssätze, werden mehr Kredite aufgenommen. Steigen die Zinssätze, verhält es sich umgekehrt.
  • Aktienmarkt: Der Aktienmarkt selbst ist ein Frühlaufindikator. Aktienkurse sind stets zukunftsgerichtet und nehmen wirtschaftliche Veränderung vorweg. Kurszuwächse oder Verluste können dementsprechend Auskunft über das vom Markt erwartete Zukunftsszenario geben.

Nachlaufindikatoren

Nachlaufindikatoren geben zeitverzögert Auskünfte über wirtschaftliche Veränderung. Sie werden etwa am Ende eines Quartals oder Jahres erhoben. Zu den wichtigsten Nachlaufindikatoren zählen:

  • BIP: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stellt den Wert aller Güter, Waren und Dienstleistungen dar, die während eines Jahres hergestellt wurden. Aussagekraft erhält das BIP, wenn man es mit Werten aus den Vorjahren oder dem BIP anderer Volkswirtschaften vergleicht.
  • Inflation: Inflation bezeichnet die Steigerung des Preisniveaus von Gütern und Dienstleistungen. Höhere Inflationsraten können durch eine gesteigerte Geldmenge oder eine das Angebot übersteigende Nachfrage bedingt sein.
  • Rohstoffpreise: Rohstoffpreise lassen Rückschlüsse auf den Stand der Wirtschaft zu. Wird in einer Volkswirtschaft viel produziert, werden auch viele Rohstoffe benötigt – die Preise steigen. Wird hingegen wenig produziert und dementsprechend weniger Rohstoffe benötigt, sinken die Preise.
  • Arbeitsmarkstatistiken: Die Arbeitslosenquote gehört zu den meistbeachteten Konjunkturdaten. Sinkt sie, deutet das auf einen wirtschaftlichen Aufschwung hin. Unternehmen stellen schließlich nur Mitarbeiter ein, wenn sie optimistisch in die Zukunft blicken.

Wie wichtig sind Konjunkturdaten für Trader?

Da wir nun einen Überblick über die wichtigsten Konjunkturdaten haben, bleibt die Frage, welche Bedeutung diese für konkrete Anlageentscheidungen haben. Wir haben darum die Top-Trader Dennis Raute (DennisRaute) und Christoph Neemann (MinusSinus) nach ihrem Umgang mit makroökonomischen Daten gefragt.

Raute stellt zunächst klar: „Sicher ist es wichtig, makroökonomische Daten wie die Entwicklung der Konjunktur, der Arbeitslosenquote, des Konsumverhaltens und vieles mehr in seinen Investmententscheidungen zu berücksichtigen. Schließlich bewegt die Wirtschaft unter dem Strich auch die Börsenkurse.“ Zu viel Bedeutung misst Raute Konjunkturdaten bei seinen Kauf- und Verkauf-Entscheidungen in seinem wikifolio Trendfolge&Trading allerdings nicht bei: „Ich bin kein Volkswirt oder Analyst, sondern Investor und Trader, somit verbringe ich nicht wahnsinnig viel Zeit damit, einzelne Wirtschaftsdaten zu analysieren und deren Bedeutung für die Börse bestimmen zu wollen.“

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cde

Kennzahlen

  • +139,8 %
    seit 25.01.2013
  • +23,0 %
    1 Jahr
  • 0,48×
    Risiko-Faktor
  • EUR 5.663.504,86
    investiertes Kapital

Auch bei Neemanns Investitionen in seinem wikifolio Minus Sinus Value Select spielen Konjunkturdaten nur eine untergeordnete Rolle: „Makroökonomische Faktoren sind eigentlich nie Treiber für meine Investitionsentscheidungen - die Vorhersagen haben selbst bei Experten große Unsicherheiten, deshalb versuche ich mich davon nicht leiten zu lassen.“ Den Konjunkturzyklus lässt Neemann dennoch nie ganz aus dem Blick: „Mit Zinsen auf Allzeittiefs und der Verschuldung der Unternehmen und Staaten auf sehr hohem Niveau muss man bei der Bewertung berücksichtigen, dass eine Reversion-to-the-mean (Rückkehr zum langfristigen Mittelwert) einfach wahrscheinlicher ist, als dass diese Faktoren ewig so bleiben. Deshalb treffe ich hinsichtlich Zinssätzen aktuell eher konservative Annahmen, um eine ausreichende Margin-of-Safety sicherzustellen.“

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abc
cde

Kennzahlen

  • +232,2 %
    seit 14.09.2016
  • +16,8 %
    1 Jahr
  • 0,90×
    Risiko-Faktor
  • EUR 2.011.653,91
    investiertes Kapital

Auch Raute hat die Inflation im Blick: „Derzeit ist es so, dass der Markt sehr genau auf die Entwicklung der Inflation, vor allem in den USA, achtet. Schließlich geht es darum herauszubekommen, ob, wann und vor allem wie stark die US-Notenbank Fed die Zinszügel anzieht bzw. ihre ultralockere Geldpolitik zu straffen beginnt. Denn eines dürfen wir nicht vergessen: Liquidität und eben vor allem das ‚billige‘ Geld sind nun einmal die stärkste Triebfeder steigender Kurse.“

Welche Bedeutung die Inflation für konkrete Anlageentscheidungen haben kann, erklärt Raute mit einem Beispiel: „Es sind vor allem Wachstumsaktien aus dem Technologiebereich, die entsprechend zinssensibel reagieren. Viele Unternehmen finanzieren ihr Wachstum durch eine hohe Fremdverschuldung. Steigen nun die Zinsen, dann steigen auch die Kosten für diese Unternehmen, was sich in sinkenden Margen bemerkbar macht und schließlich eine Diskussion über zu hohe Bewertungen nach sich zieht.“

Fazit

Für die wikifolio-Top-Trader Raute und Neemann spielen Konjunkturdaten nur eine untergeordnete Rolle. Ganz aus den Augen lassen sie Inflation, Zinssätze und Co. dennoch nie. Für Trader kann es sich also lohnen, den ein oder anderen makroökonomischen Indikator bei Investitionen ergänzend zu betrachten. Als alleiniges Entscheidungskriterium taugen sie aufgrund ihrer Vorhersageungenauigkeit sowie der Schnelllebigkeit und Unberechenbarkeit der Aktienmärkte allerdings nicht.


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