12.10.2017| Von: Astrid Schuch |

"Es ist ein anhaltender Trend, der immer mehr Einzug in unser Leben finden wird. Wer glaubt, dass wir hier von der Zukunft sprechen, liegt weit daneben. Wir sind mittendrin! Oder haben Sie etwa noch nichts von der Kaffeemaschine gehört, die ihre Filter selbst nachbestellt?" Wenn wikifolio-Trader Marius Rimmelin über das Internet der Dinge spricht, dann schwingt eine gewisse Euphorie in seinen Worten mit. Verwunderlich ist das nicht, denn was wie Zukunft klingt wird in der Tat langsam aber sicher Realität. Selbst wer von der superschlauen Kaffeemaschine noch nichts gehört hat, ist bestimmt schon über Alexa, Siri, Cortana oder den namenlosen Google Assistant gestolpert.

Konversation mit einem Lautsprecher

Apple war der erste große Player, der 2011 mit Siri einen Sprachassistenten in ein Smartphone gesteckt hat. Mittlerweile werden sie zunehmend zum Begleiter im Alltag und verstehen die Menschen dabei immer besser – in Lautsprecher-Form: Im August erschien die deutsche Version von Google Home. Der Gegenspieler von Amazon Echo kann in etwa so viel wie dessen künstliche Intelligenz Alexa.

Beide erkennen Stimmen, analysieren sie in der Cloud und antworten auf die eine oder andere Art. Sie wissen, wie das Wetter wird, spielen Musik oder bestellen ein Taxi – sofern die entsprechende App, Skill (Alexa) oder Action (Google Home) genannt, installiert ist. Die Taxifahrten werden schließlich nicht von Google oder Amazon selbst angeboten, sondern von einem Partner. So hat zum Beispiel Comdirect eine App entwickelt, über die Finanzdaten wie Börsenkurse einfach mündlich abgefragt oder angezeigt werden können. Letzteres ist mit dem Upgrade, dem Echo Show, möglich. Amazon liefert hier gleich den Bildschirm mit: "Now Alexa can show you things."

Das schlaue Heim hört aufs Wort

In Summe verfügt Alexa in den USA bereits über 15.000 solcher Skills. In Deutschland sind es mehr als 2.500. Immerhin. Einer der bekanntesten: Philips Hue. Dahinter steckt das umfangreiche Beleuchtungssystem der Niederländer – mit dem Alexa-Skill kann nun bequem wie nie das Licht an-, ausgeschaltet oder gedimmt werden. All das funktioniert durch die Anbindung an Amazon Echo mittels Sprachbefehl und ganz ohne Lichtschalter oder Smartphone.

"Das Potenzial ist groß, auch wenn sich vollumfängliche
Smart Home-Umgebungen aktuell noch in einem Nischenmarkt befinden"
wikifolio-Trader Marius Rimmelin aka audiophile

Auch einige andere Unternehmen öffnen ihr System für Echo, darunter etwa Innogy oder Osram. Von den Jalousien bis zur Musikanlage – alles wird vernetzt und kann per Spracherkennung gesteuert werden. Auch Sonos bietet smarte Lautsprecher inklusive digitaler Assistenten an. Den Anfang macht "One", ein Lautsprecher, der Alexa gleich integriert hat. Im nächsten Jahr soll "One" dann auch auf den Google Assistant zugreifen können. So bleibt es dem Kunden überlassen, welchen Sprachassistenten er nutzen möchte.

Warten auf den 22. Oktober 

Die US-Tech-Giganten Amazon und Alphabet profitieren in jedem Fall, weil sämtliche Informationen darüber, was im Haus gedimmt, geschaltet und gesprochen wird, letzten Endes über ihre Server laufen. Ein Stück dieses Daten-Kuchens will natürlich auch die Konkurrenz. Apples HomePod mit Siri wird ab Dezember erhältlich sein. Und Gerüchten zufolge soll Microsoft am 22. Oktober seine Antwort vorstellen: Invoke mit der Stimme von Cortana. 

"Das Potenzial ist definitiv groß, auch wenn sich vollumfängliche Smart Home-Umgebungen aktuell noch in einem Nischenmarkt befinden", weiß Rimmelin aka "audiophile". Das ist dem wikifolio-Trader zufolge der Tatsache geschuldet, dass sich einzelne Anbieter auf eine gewisse Funktion beschränken und somit eine Kombination aus mehreren Lösungen notwendig ist, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. "Meiner Meinung nach liegt der langfristige Erfolg in der Zusammenarbeit der Anbieter und einem gemeinsamen Standard", summiert Rimmelin, der in seinem wikifolio "Internet der Dinge | Technologie" unter anderem auf die "großen Player" Amazon und Alphabet setzt. "Ihre virtuellen Sprachassistenten lassen sich mit einer Vielzahl von Third-Party-Applikationen verbinden. Dazu gehören auch sämtliche Hardware-Schnittstellen wie zum Beispiel Heizungssteuerungen. Leider sind bisher nur wenige Anbieter solcher Systeme an der Börse gelistet. Eine Ausnahme bildet hier die Telekom, die mit 'Magenta SmartHome' am Markt mitmischt." 

Durchbruch für den 730 Milliarden Dollar-Smart Home-Markt

Dass die Aussichten vielversprechend sind, bestätigen auch diverse Studien: So beziffert das Beratungshaus Detecon den Markt für Connected Living auf 731 Milliarden Dollar für 2020 - Anwendungen am Arbeitsplatz und in der vernetzten Stadt inbegriffen. wikifolio-Trader Manuel Bauer ist überzeugt: "Im Smart Home-Bereich stehen wir meiner Meinung nach kurz vor dem Durchbruch in den Massenmarkt, vor allem getrieben durch einfachere Mensch-Maschinen-Schnittstellen wie Amazons Alexa, deren künstliche Intelligenz in Verbindung mit Spracherkennung in der neuen Generation sogar schon einen Smarthome-Hub mitbringt. Hier können dem Heimnetzwerk unkompliziert und teilweise vollautomatisch neue Komponenten hinzugefügt werden." In seinem wikifolio "Robotics, Automation, Smart Home" investiert "Klabauter64" in entsprechende Märkte. Nummer 1-Holding: Amazon.

"Google stärkt das Hardware-Geschäft durch die Übernahme von großen Teilen von HTC.
Sie meinen es also ernst mit den eigenen Devices – ich rede bewusst nicht nur vom Smartphone."
wikifolio-Trader Stefan Waldhauser aka "stwBoerse"

Die Ambitionen von Alphabet in Richtung Lautsprecher weiß indes Stefan Waldhauser aka "stwBoerse" zu schätzen, der den Google-Mutterkonzern im wikifolio "High-Tech Stock Picking" handelt: "Vor Kurzem kam die Nachricht von einer Stärkung des Hardware-Geschäftes durch die Übernahme von großen Teilen von HTC. Google meint es also ernst mit den eigenen Devices – ich rede bewusst nicht nur vom Smartphone."

Sagt der Wasserhahn zum Backofen...

Das Eigenheim schlauer machen, können aber, wie Rimmelin angedeutet hat, nicht nur US-Unternehmen – auch deutsche mischen in erster Reihe mit, sind aber oftmals nicht börsennotiert. Der Smart Home-Pionier digitalSTROM etwa setzt auf Spracherkennung, Gesten und Bots. Letztere verleihen elektrischen Geräten eine eigene Intelligenz. So weiß der Wasserkocher, auf welche Temperatur er das Wasser für Grünen Tee erhitzen soll. Backofen vorheizen? Ein Wort genügt – oder ein Foto von der Tiefkühlpizza. Und der Wasserhahn erkennt, wann das Wasser laufen soll und wann nicht. Wen wundert es also, dass auch die eingangs erwähnte, sich selbst mit Filtern versorgende, Kaffeemaschine schon Realität ist? Schlau macht sie allerdings, einmal mehr, Amazon. Bei welchem Anbieter die Intelligenzbestie wohl ihre Filter nachbestellt? 

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