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Hausse oder Baisse nach US-Midterms? Das sind die Szenarien der wikifolio Trader

Die USA wählen ihren Kongress. Den Republikanern um US-Präsident Donald Trump droht eine herbe Niederlage. Umfragen sehen die Demokraten im Repräsentantenhaus deutlich vorne, das Rennen im Senat dürfte enger werden. Prognosemärkte indes gehen klar von einem Sieg der Demokraten in beiden Kammern aus. Wir schauen uns an, mit welchen Auswirkungen der Midterms auf die Börsen zu rechnen ist.

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Quelle: wikifolio, artlist

Gewählt wird am 3. November – dabei werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie ein Drittel der 100 Sitze im Senat neu vergeben. Laut Polymarket ist die Lage klar – zumindest im Repräsentantenhaus. Die Chance, dass die Demokraten die Mehrheit mit 236 Sitzen stellen, liegt demnach bei 92 %. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Demokraten nach der Wahl auch im Senat die Mehrheit haben werden (mit 52:48 Sitzen), ist geringer, liegt aber immer noch bei 67 %.Derzeit halten die Republikaner 53 Sitze, die Demokraten 45. Die wikifolio Community schätzt die Wahrscheinlichkeit für den Wahlausgang übrigens ähnlich ein. 60 % sagen laut aktuellem Voting, die Demokraten holen beide Kammern. 

Die Statistik sagt: Kein Grund zur Sorge

Midterm-Jahre sind statistisch sehr volatil. Laut Carson Investment Research fiel der S&P 500 im jeweiligen Wahljahr seit 1950 zwischenzeitlich im Schnitt um 17,5 %. Danach folgte regelmäßig die Erholung: Zwölf Monate nach der Wahl lag der Index im Schnitt 16,6 % höher, egal welche Partei gewonnen hatte. 2026 tanzt diesbezüglich aber aus der Reihe. Der S&P 500 liegt seit Jahresanfang nämlich 12,8 % im Plus. Aufholpotenzial nach der Wahl wird es nach dieser simplen Rechnung also nicht geben. Die gute Nachricht: Ein Minus gab’s selbst in den Jahren, in denen der Markt zum Wahlzeitpunkt nahe dem Hoch stand, in den folgenden 12 Monaten nie. Statistisch betrachtet, besteht also grundsätzlich einmal kein Grund zur Sorge.

Wie ist die Lage aktuell? Die Volatilität hält sich im Rahmen – der CBOE Volatility Index (VIX), der die vom Optionsmarkt erwartete Schwankungsbreite des S&P 500 in den nächsten 30 Tagen ausdrückt, steht bei 17,5 Punkten. Er ist zwar zuletzt etwas angestiegen, aber keinesfalls auf ein Level, das auf hohe Unsicherheit hindeuten würde. Der von CNN veröffentlichte Fear & Greed Index indes steht auf Fear – gut möglich, dass neben den KI-Sorgen die anstehenden Midterms die Unsicherheit am Markt erhöhen.

Die wikifolio Trader gehen einstimmig davon aus, dass die Volatilität kurzfristig zunehmen könnte. Große Anpassungen wollen sie in den wikifolios aber nicht vornehmen – zumal der Ausgang trotz diverser Prognosen unsicher bleibt.

„Best Case“ für Börsen - der geteilte Kongress?

Michael Bichlmeier etwa führt das wikifolio AlphaStars . Er setzt aktuell auf nur 8 Aktien vorrangig aus dem Energie-Sektor. Der Trader hält stärkere Kursschwankungen aufgrund der Midterms kurzfristig für möglich, vor allem wenn der Wahlausgang von den Erwartungen der Marktteilnehmer abweicht. Aber: „Einen nachhaltig entscheidenden Einfluss auf die Börsen erwarte ich nicht. Mittel- und langfristig dürften Faktoren wie Zinsen, Inflation, Konjunktur und Unternehmensgewinne deutlich wichtiger bleiben.“

Ein geteilter Kongress, also ein demokratisch kontrolliertes Repräsentantenhaus bei gleichzeitig republikanischer Mehrheit im Senat, wäre aus Börsianer-Sicht laut Bichlmeier wohl das günstigste Szenario: „Größere politische Veränderungen wären dadurch schwieriger durchzusetzen, was für eine gewisse Stabilität und Berechenbarkeit sorgen könnte.“

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cde

Kennzahlen

  • +374,8 %
    seit 29.04.2022
  • EUR 22.718.377
    Investiertes Kapital
  • +23,9 %
    Perf. (1 J)
  • 42,3 %
    Volatilität (1 J)
Ø-Perf. pro Jahr: +41,5 %

Ganz ähnlich sieht das Gerald Asamer, der für das wikifolio Global News and Trends verantwortlich ist. Es besteht aktuell aus 15 Aktien vorrangig aus der Tech-Branche. Um sich auf kurzfristige Schwankungen bei überraschendem Wahlausgang bestmöglich einstellen zu können, beobachtet Asamer die Wahrscheinlichkeiten auf Polymarket sehr genau. Mittelfristig bleiben aber auch für seine Strategie Unternehmens- und Branchennews sowie Zinsen und Inflation die entscheidenden Kurstreiber, erklärt er auf Nachfrage. Der „Best Case“ wäre ein geteilter Kongress, glaubt auch Asamer: „Das würde Trumps Macht begrenzen, ohne seinen politischen Handlungsspielraum zu stark einzuschränken.“

„Worst Case“ – Dems in beiden Kammern?

Bichlmeier sieht die größte Gefahr für die Börsen in einem überraschenden Ergebnis: „Das könnte zusätzliche politische Unsicherheit, regulatorische Risiken oder größere wirtschaftspolitische Konflikte auslösen.“ Für Asamer wäre der mittelfristige Worst Case eine demokratische Mehrheit in beiden Kammern: „Ich sehe dabei das Risiko, dass zentrale innenpolitische Vorhaben blockiert werden und Trump deshalb verstärkt auf außen- und handelspolitische Maßnahmen setzt. Das könnte die Unsicherheit für Unternehmen und Börsen erhöhen“, erklärt er. Geht es nach den aktuellen Wahrscheinlichkeiten auf Polymarket, dann könnten dieses Szenario tatsächlich eintreten. Asamers Fazit: Die Börse könnte das kurzfristig einpreisen und auch mittelfristig könnte dieser Ausgang zu Turbulenzen führen.

Chart

abc
cde

Kennzahlen

  • +227,2 %
    seit 20.03.2023
  • EUR 1.760.392
    Investiertes Kapital
  • +12,1 %
    Perf. (1 J)
  • 35,3 %
    Volatilität (1 J)
Ø-Perf. pro Jahr: +39,0 %

Keine Anpassungen in wikifolios

Weder Bichlmeier noch Asamer werden aufgrund der Midterms Anpassungen in den wikifolios vornehmen. Bichlmeier erklärt: „Meine Handelsentscheidungen basieren auf einer klar definierten, regelbasierten Strategie und nicht auf politischen Prognosen. Sollte der Wahlausgang tatsächlich zu nachhaltigen Veränderungen an den Aktienmärkten führen, werden sich diese Entwicklungen früher oder später auch in den entsprechenden Handelssignalen widerspiegeln.“ Asamer dazu: „Ich möchte nicht auf einen bestimmten Wahlausgang wetten. Entscheidend bleiben für mich die Investmentthese, der Newsflow und die technische Stärke der einzelnen Aktien. Statt pauschaler Umschichtungen möchte ich flexibel bleiben und mögliche Chancen nutzen.“

Risiko: Schuldenobergrenze als politische Waffe

Dominik Doster, der das wikifolio  Defensive Aktien und ETF-Werte führt, hält die US-Midterms aus politischer Sicht für sehr wichtig: „Auch weit über die USA hinaus“, sagt er. Für die Aktienmärkte stünden momentan aber andere Themen stärker im Vordergrund – etwa die Entwicklung der Unternehmensgewinne, der Inflation und Zinsen und die geopolitische Lage.

Der „Best Case“ aus Dosters Sicht? „Persönlich würde ich mir einen Erfolg der Demokraten wünschen. Ich erhoffe mir davon eine stärkere Kontrolle der Regierung und mehr Verlässlichkeit. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Vertrauen sind für mich speziell bei dieser Wahl das Wichtigste, auch für die Wirtschaft. Langfristig können solche Bedingungen deutlich mehr wert sein als einzelne Steuervorteile“, sagt er. Das bessere Ergebnis für ihn persönlich wäre also ein demokratischer Sieg, die Börsen indes würden vermutlich eher die Republikaner feiern, merkt Doster an. Sie gelten etwa in den Bereichen Steuern und Regulierung als wirtschaftsfreundlicher.

Chart

abc
cde

Kennzahlen

  • +73,4 %
    seit 13.03.2023
  • EUR 2.271.245
    Investiertes Kapital
  • +10,5 %
    Perf. (1 J)
  • 10,9 %
    Volatilität (1 J)
Ø-Perf. pro Jahr: +16,6 %

Den „Worst Case“ verortet der Trader in einem lange umstrittenen Wahlergebnis oder einem politischen Dauerstreit, der wichtige Entscheidungen blockiert und das Vertrauen in die USA beschädigt: „Gerade beim Haushalt und der Schuldenobergrenze könnte das auch die Börsen belasten.“ Momentan liegt die autorisierte Schuldengrenze der USA bei 41,1 Billionen US-Dollar. Beim derzeitigen Tempo der Neuverschuldung dürfte diese Marke bald erreicht sein. Anfang September hatte die Verschuldung erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Wenn nun die Demokraten bei den Midterms die Mehrheit im Repräsentantenhaus erlangen, wie prognostiziert, ist der nächste Konflikt vorprogrammiert – inklusive dem daraus folgenden Stillstand der Regierungsgeschäfte. Der neue Kongress wird im Januar erstmals zusammentreten. Die Republikaner könnten das Limit theoretisch davor noch einmal erhöhen und so den Haushaltsstreit samt Shutdown zumindest verzögern. So oder so, ein geteilter Kongress könnte also auch erhebliche Risiken bergen - der Streit um Schuldenlimit und Haushalt wäre eines davon. Wie sehr die Folgen an den Börsen spürbar werden, bleibt aber abzuwarten, wie ein kürzlich durchgeführtes Voting belegt.

Kaufchancen rund um die Wahl?!

Keiner der Trader sieht letztlich einen Grund, die Portfolios nur wegen der Wahl umzuschichten - auch Doster nicht: „Ich setze auf Unternehmen mit starken Geschäftsmodellen, soliden Bilanzen und guten langfristigen Aussichten. Damit möchte ich für unterschiedliche Wahlausgänge gut aufgestellt sein. Wenn gute Unternehmen rund um die Wahl günstiger werden, können sich daraus auch Kaufgelegenheiten ergeben“, summiert er.

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