02.02.2019| Von: Andreas Kern |

 

Portrait Andreas Kern

Wer genau hinhört, kann in diesen Tagen das Aufatmen der Börsianer förmlich hören. Die Bilanzsaison – vor allem in den USA – bietet nämlich bislang doch eindeutig mehr positive als negative Überraschungen. Sogar „Problemfälle“ wie Apple, die den Markt noch vor wenigen Wochen in Turbulenzen stürzten, zeigen nach Vorlage der Quartalszahlen eine klar positive Kursreaktion. Gleiches gilt für Facebook, die trotz anhaltender Skandale und PR-Pannen zuletzt sogar in Europa wieder neue Nutzer hinzugewinnen konnten. Täglich schauen mehr als 1,5 Milliarden Menschen bei dem Social-Media-Giganten vorbei. Ein Rekordgewinn von 6,9 Mrd. USD im vierten Quartal war die Folge. Da die Analysten im Schnitt mit deutlich weniger gerechnet hatten, zeigte sich die Börse entsprechend begeistert.

Schwindelerregende Kapriolen

Schwindelerregende Kapriolen

Wie verunsichert der Markt aber noch immer ist, zeigt der Fall Wirecard. Wann kam es schon mal vor, dass eine DAX-Aktie binnen Minuten ein Viertel ihres Börsenwertes verlor? Der Zahlungsabwickler war in der Vergangenheit allerdings schon mehrfach das Opfer von Short-Attacken geworden, von denen sich die Aktie jedoch letztlich stets erholen konnte. Auslöser für den jüngsten Kurssturz war ein Zeitungsbericht. Demzufolge gehe das Unternehmen intern „verdächtigen Geschäftspraktiken“ nach. Das Dementi aus der Firmenzentrale folgte auf dem Fuß („völlig substanzlos“), worauf die Kursverluste wenigstens etwas eingedämmt werden konnten – Adrenalin pur!

Extrem diszipliniert

Der Fall Wirecard mag Investoren abschrecken und verunsichern, für Trader können solche Volatilitäten aber geradezu ein Lebenselexier sein. Wer nämlich innerhalb von Stunden oder gar Minuten Gewinne machen will, benötigt entsprechende Intraday-Schwankungen. Andreas Haase („EventTrader“) hat sich mit seinem wikifolio „EventTrader“ auf derartige Kurskapriolen bzw. kursbeeinflussende Ereignisse spezialisiert. Letztere können sowohl volkswirtschaftlicher oder politischer Natur sein – und damit den Gesamtmarkt beeinflussen –, als auch nur ein einzelnes Unternehmen betreffen. Ein klassisches Beispiel sind Quartalszahlen, die nicht selten deutliche Kursbewegungen auslösen.

EventTrader

So kaufte Haase in dieser Woche beispielsweise einen Call auf den chinesischen Online-Händler Alibaba. Haase setzt sein ereignisorientiertes Trading übrigens ausschließlich mit Hebelprodukten um. Was auf den ersten Blick hochspekulativ klingt, folgt tatsächlich einem strikten Regelwerk: Der Einsatz je Trade ist auf 1 % des Depotvolumens beschränkt. Die Haltedauer liegt in der Regel bei wenigen Stunden, so dass sich das wikifolio am Ende eines Handelstages meist wieder zu 100 % aus Cash zusammensetzt. Disziplin und Geduld sind für den Erfolg dieser Strategie entscheidend. Mit einem Wertzuwachs von knapp 20 % in den vergangenen zwölf Monaten hat Haase den Beweis für die Praxistauglichkeit seiner Strategie erbracht.

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Wundervolle Unternehmen

Einen komplett anderen Ansatz verfolgt Cetin Inal („CInvest“) in seinem wikifolio „Wonderful Companys Strategie“. Unternehmen, die er anhand fundamentaler Kriterien auswählt, sollen möglichst lange im Depot verbleiben. Inal setzt also auf Buy-and-Hold statt auf kurzfristiges Trading. Im besten Fall sollte eine „Wonderful Company“ über einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil verfügen, der es dem Unternehmen erlaubt, seine Gewinne auch künftig stetig zu steigern. Ein einfaches Geschäftsmodell und ein erfahrenes Management sind für Inal weitere qualitative Faktoren bei der Aktienauswahl. Gleichzeitig achtet er auf eine geringe Verschuldung und eine hohe Rendite auf das investierte Kapital. 

Wonderful Companys Strategie

Liegt der Aktienkurs unter dem von ihm ermittelten intrinsischen Wert, so entschließt er sich zum Kauf. Entsprechend führen eine deutliche Überbewertung oder die Erosion einzelner Qualitätskriterien im Zeitablauf zum Verkauf einer Position. Das stark auf US-Aktien ausgerichtete wikifolio führt übrigens auch Wirecard unter seinen Top-Holdings. Auf Jahressicht fuhr Inal ein Plus von knapp 10 % ein. Seit Start des wikifolios im Februar 2016 beträgt der Zugewinn bereits über 50 %.

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Maximale Freiheit

Einen profitablen Mittelweg zwischen Trading und Langfrist-Investments verfolgt Thomas Wähner („raufundrunter“) mit seinem wikifolio „Wachstum Porfolio“. Auch wenn die Aktien zumeist mittel- bis langfristig gehalten werden sollen, können durchaus auch kurzfristige Chancen genutzt und Trading-Gewinne realisiert werden. Wähner orientiert sich bei der Auswahl seiner Investments vorrangig an der Charttechnik. Daneben klopft er aber auch die fundamentalen Kennzahlen der Unternehmen ab, bevor er eine Aktie in sein wikifolio aufnimmt. Dieses besteht zumeist aus bis zu zehn Werten aus unterschiedlichen Branchen und Regionen.

Wachstum Porfolio

Derzeit sind der Zahlungsdienstleister PayPal, das US-Robotikunternehmen Intuitive Surgical und der norwegische Recycling-Spezialist Tomra Systems am Höchsten gewichtet. Mit einer Cash-Quote von rund einem Drittel hält Wähner derzeit aber auch noch einiges Pulver trocken. Wie so viele Börsianer scheint er den Kursgewinnen seit Jahresbeginn nicht recht zu trauen. Dennoch kann er auf eine respektable 12-Monats-Performance von rund 8 % verweisen. Gegenüber dem wikifolio-Start im März 2013 beträgt das Plus sogar schon über 86 %.

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Was kommt?

Das sollten Anleger im Auge behalten

Die Bilanzsaison wird auch in der kommenden Woche die Kurse beeinflussen. In den USA legen Alphabet (Montag), General Motors (Mittwoch) und Twitter (Donnerstag) ihre Q4-Zahlen vor. Daneben verlagert sich der Fokus zunehmend nach Europa und Deutschland: Am Dienstag berichten beispielsweise Daimler und Infineon. Hinzu kommen vermehrt Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe.

Mitten im Brexit-Chaos der letzten Wochen tagt am kommenden Donnerstag die Bank of England. Wenigstens von dieser Seite wird derzeit kein zusätzliches Störfeuer erwartet. Wie die politischen Unsicherheiten der britischen Wirtschaft bislang bekommen sind, erfahren wir dann mit der Veröffentlichung der BIP-Daten am Freitag.

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