Trendfolge vs. Zyklus-Modelle: Lassen sich Aktienkurse wirklich vorhersagen?

Super Bowl, Mini-Röcke und Präsidenten: Mit Zyklus-Modellen wird seit langem versucht, die Entwicklung von Aktienkursen und Börsen-Indizes zu prognostizieren – mit gemischten Erfolgsaussichten. Trendfolgemodelle sind da schon valider.

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Quelle: Thomas Chan, unsplash.com

Fast eine Milliarde Menschen verfolgen alljährlich im Februar via Fernsehen den Super Bowl, das Finale der US-Football-Profiliga. Darunter auch etliche Börsianer, für die nur eines wichtig ist: Ob das Team, das aus der NFC-Serie ins Finale gekommen ist, gewinnt, oder jenes aus der AFC-Serie.

Der Grund dafür: 1978 hat der Sportjournalist Leonard Koppett den Ausgang der bis dahin ausgetragenen Super Bowl Finale und die Börsenkurse im jeweils weiteren Jahresverlauf analysiert und dabei festgestellt, dass wann immer das Team aus der National Football Conference (NFC) gewonnen hatte, der S&P 500 Index der 500 größten börsenotierten Unternehmen gestiegen war. Wenn aber das Team aus der American Football Conference (AFC) gewonnen hatte, war der Index in der Folge gefallen.

Von Mini-Röcken und Präsidentschaftszyklen

Der vielzitierte Super Bowl Indikator war geboren. Bis heute liegt seine Trefferquote bei rund 80 Prozent. Dennoch: Vom Ausgang eines Football-Spiels auf die Entwicklung von Aktienkursen oder eines Index zu schließen, ist natürlich Quatsch. Genauso gut könnte man dafür auch die Länge von Damenröcken heranziehen – und hoppla – das wird auch getan, und zwar bei der „Rocksaumtheorie“: Wenn die Damen kurze Röcke tragen, sollen die Aktienkurse große Sprünge machen.

Etwas seriöser einzustufen ist da schon der aus dem Dow Jones ablesbare US-Präsidentschaftszyklus, der so aussieht: In dem Jahr, in dem der Präsident gewählt wird, ergibt sich gegen Ende des zweiten Quartals ein zyklisches Tief, dem eine Sommerrally folgt, in deren Folge die Börse das Jahr auf Jahreshoch beendet. Im Nachwahljahr lassen die Märkte dann wieder etwas Luft ab oder tendieren seitwärts, ehe es von März bis August wieder aufwärts geht, bevor der Dow wieder den Seit- oder Rückwärtsgang einlegt. Ab dem Zwischenwahljahr startet der Index dann wieder eine Aufwärtsphase, die bis zur Wahl anhält.

The trend is your friend

Ein anderer Ansatz sind Trendfolgemodelle, die heutzutage mit komplexen Computersimulationen errechnet werden. Zu Beginn der 1980er-Jahre entwickelte der Rohstoffhändler Richard Dennis ein Modell, das auf steigenden und fallenden Kursen beruht: Eine Aktie soll gekauft werden, wenn ihr Preis über ihr 50-Tages-Hoch steigt, und sie soll verkauft werden, wenn der Preis unter das 50-Tages-Tief fällt.

Der Gedanke dahinter: Gewinne laufen lassen und Verluste vermeiden. Oder simpel ausgedrückt: The trend is your friend. Doch ganz so einfach funktionieren die Märkte nicht mehr.

Der wikifolio-Trader Peter Schrey ( ZapInvesting ), der sich seit mehr als 20 Jahren mit der Welt der Börsen beschäftigt und mit seinem erfolgreichsten wikifolio nach rund 3,5 Jahren etwa 60 Prozent im Plus liegt, meint zu Trendfolgemodellen: „Sie sind ein zweischneidiges Schwert. Sie funktionieren in bestimmten Marktphasen nur eine Zeit lang. Wenn der Trend aber zu Ende ist, klappt diese Strategie oft nicht. Das ist dann ein großes Risiko fürs Portfolio.“

Chart

Kennzahlen

  • +63,0 %
    seit 03.03.2016
  • +18,1 %
    1 Jahr
  • 0,4×
    Risiko-Faktor
  • EUR 516.363,20
    investiertes Kapital
3 Faktoren für den Erfolg: Fundamentale Qualität, Value und Momentum

Nach dem Ende der Finanzkrise 2009 kannten die Kurse durch die Niedrigzinspolitik der Notenbanken nur mehr eine Richtung: die nach oben. Trendfolgemodelle hatten es leicht. Doch durch die wachsenden Konjunkturängste oder die Folgen des Handelskriegs schwanken die Kurse nun stark. Schrey: „Wenn sich Märkte seitwärts bewegen, tun sich Trendfolgemodelle deutlich schwerer.“

Um Trends an den Börsen einschätzen zu können, ist das Momentum entscheidend. Für dieses gibt es komplexe Berechnungsmodelle, man kann das Momentum aber auch leicht am Chart erkennen. Steigt er steil an, ist das Momentum intakt, flacht sich der Anstieg ab, wird auch der Trend schwächer.

Aber auch das Momentum kann trügerisch sein, wie etwa Mitte der 90er-Jahre. Als im Jahr 2000 die Dot.com-Blase platzte, stürzten Tech-Aktien trotz eines intakten Momentums ins Bodenlose. wikifolio-Trader Schrey warnt daher: „Zusätzlich zum Momentum ist die Beurteilung von Fundamentaldaten wie Umsatz und Gewinn von Unternehmen und auch der Wirtschaftslage für die richtige Einschätzung eines Trends unerlässlich.“


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