28.06.2017| Von: Robert Wanner |

Die Aktienmärkte bieten attraktive Gewinnchancen. Demgegenüber stehen aber auch erhöhte Risiken. Experten empfehlen deshalb die Streuung des Anlagebetrags auf viele verschiedene Aktien. Das erfordert aber einiges an Kapital. Hebelprodukte auf Aktien können da eine sinnvolle Alternative sein, weil Sie hier mit geringerem Kapitaleinsatz nahezu eins zu eins an der Aktienkursentwicklung partizipieren. Gleichzeitig eignen sich gehebelte Produkte wie Optionsscheine, Knock-out-Produkte oder Faktor-Zertifikate auch, um überproportional an erwarteten Kursbewegungen einer Aktie zu partizipieren. Auch bei fallenden Kursen.

Das müssen Sie bei Hebelprodukten auf Aktien beachten:

  • Sie partizipieren an den Kursbewegungen der Aktie mit einem Hebeleffekt
  • Gewinnchancen und Verlustrisiken sind (oft deutlich) höher als bei Aktien
  • Der Hebel wirkt immer im beide Richtungen, also auch wenn es gegen Sie läuft
  • Mit Hebelprodukten können Sie schnell den gesamten Kapitaleinsatz verlieren
  • Es gibt viele Arten von Hebelprodukten, die sich im Detail voneinander unterscheiden
  • Klassische Optionsscheine haben eine feste Laufzeit und können vorher nicht verfallen
  • Knock-out-Produkte werden bei Erreichen der Barriere vorzeitig fällig
  • Bei Faktorzertifikaten wird der Hebel jeden Tag auf das Ursprungsniveau gesetzt
  • Wenn man die verschiedenen Hebelprodukte vergleicht, lässt sich die Kursentwicklung bei Knock-out-Produkten am ehesten nachvollziehen

Boersenbaer – Erfolgreich auch mit Hebelprodukten

Guido Tebrügge („Boersenbaer“) handelt nach eigenen Angaben seit mehr als zehn Jahren mit Hebelprodukten. Sein Anfang 2016 aufgelegtes und mit 193 Prozent im Plus liegendes wikifolio „Trading – Baerenstark“ beinhaltet aktuell vier Aktien sowie fünf Hebelprodukte in Form von Knock-out-Produkten, mit denen auf steigende Kurse spekuliert wird. Zwei dieser Papiere beziehen sich auf die Aktie von Rocket Internet, zu der sich der Trader vergangenen Woche wie folgt geäußert hat: „Rocket Internet steigt langsam weiter an und ich habe meine Position auch heute weiter ausgebaut......Ich rechne mit baldigen neuen Jahreshöchstständen bei der Aktie und einem anschließenden Run weiter Richtung 26-30 Euro......charttechnisch könnte die Situation bei RI sehr schnell sehr bullisch werden“. Anhand eines der beiden Knock-out-Produkte werden wir die Funktionsweise von Hebelprodukten im Detail erklären.

 

Chartentwicklung Hebel auf Rocket Internet

Der Basispreis bestimmt Preis und Hebel

Die Aktie von Rocket Internet kostet aktuell 21,15 Euro. Das Knock-out-Produkt, ein Open End Turbo Long von HSBC, hat einen Basispreis sowie die Knock-out-Marke bei 14,591 Euro. Der innere Wert eines Hebelproduktes berechnet sich aus der mit dem Bezugsverhältnis (hier 1:1) multiplizierten Differenz zwischen dem Aktienkurs und dem Basispreis. In diesem Fall beträgt der innere Wert also 6,559 Euro. Hinzu kommen ggf. noch ein Aufgeld des Emittenten sowie der übliche Spread. In der Summe zahlen Anleger für das Hebelprodukt aktuell 6,80 Euro und damit nur knapp ein Drittel des Aktienkurses.

Wenn die Aktie nun um einen Euro steigt bzw. fällt, wird auch der Schein um einen Euro steigen bzw. fallen. Die absolute Kursbewegung ist also identisch. Prozentual sind die Veränderungen bei dem Hebelprodukt (14,7 Prozent) aufgrund des geringeren Preises aber deutlich höher als bei der Aktie (4,7 Prozent). Durch den geringeren Preis entsteht also der Hebel, der hier aktuell bei 3,1 liegt. Die Höhe des Hebels variiert jedoch mit jeder Kursbewegung, weil sich dadurch auch der prozentuale Unterschied zwischen Aktie und Hebelprodukt verändert.

Knock-out-Produkt vs. Optionsschein

Zu beachten ist zudem, dass bei Knock-out-Produkten Finanzierungskosten anfallen, durch die sich der Basispreis sukzessiv erhöht, was wiederum zu einer Verringerung des inneren Wertes führt. Wenn die Aktie die Barriere berührt oder unterschreitet, verfällt der Schein automatisch. Das kann bei klassischen Optionsscheinen nicht passieren, weil es keine solche Barriere gibt. Dafür ist der Preis hier zum Teil sehr stark von der impliziten Volatilität abhängig, eine nur schwer einzuschätzende Kennzahl. Die Nachvollziehbarkeit der Kursentwicklung ist auch deshalb bei Knock-out-Produkten durch die o.a. Berechnungsformel in den meisten Fällen wesentlich einfacher.

Beobachten und lernen Sie, wie "Boersenbaer" in seinem wikifolio mit Hebelprodukten handelt!