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Beijing calling? Warum ein Top-Trader jetzt auf China setzt

Mit chinesischen Aktien ließ sich im laufenden Jahr bislang nicht einmal ein Blumentopf verdienen. Die für ausländische Investoren wichtigen H-Aktien haben seit Jahresanfang satte 12 % verloren. China-Big-Tech um Tencent oder Alibaba gab's kürzlich um bis zu einem Drittel „günstiger“ als zum Jahreswechsel. Wir schauen uns an, was es mit H- und A-Aktien auf sich hat, warum die einen deutlich schlechter performen als die anderen und wieso Top-Trader Simon Weishar sein wikifolio gerade jetzt auf China trimmt.

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Quelle: wikifolio, artlist

Der chinesische Aktienmarkt ist sehr fragmentiert. Es kann daher für den Anfang nicht schaden, sich einen Überblick über die Aktiengattungen, die es gibt, zu verschaffen. Keine Sorge, kompliziert ist es nicht. Für Anleger wichtig ist vor allem die Unterscheidung zwischen A- und H-Aktien.

A, B oder H? Die wichtigsten Aktiengattungen erklärt

A-Aktien: Sie sind an einer Börse auf dem chinesischen Festland notiert (dem sogenannten Onshore-Markt). Der Handel erfolgt in der chinesischen Landeswährung Renminbi. Der größte und bedeutendste Handelsplatz ist die Börse Shanghai, gefolgt von den Börsen Shenzhen und Peking, die übrigens erst 2021 gegründet wurde. Auf dem Onshore-Markt werden vorranging die Aktien von Unternehmen gehandelt, die stärker vom Wachstum der chinesischen Binnenwirtschaft abhängen – alle Branchen sind vertreten, von Chemie, Industrie, Konsum bis Technologie.

Das Wichtigste: Der direkte Handel mit A-Aktien ist stark reglementiert. So können ausländische Privatanleger bestimmte A-Aktien zwar über die Handelsbrücke Shanghai-Hong Kong Stock Connect (das „Stock Connect“-Programm) direkt handeln, allerdings muss der Broker über eine Freischaltung für den chinesischen Festlandmarkt verfügen. Außerdem unterliegt der Handel strengen täglichen Kontingenten. Und es kann vorkommen, dass die Order telefonisch beim Broker platziert werden muss. Wer breit in chinesische A-Aktien investieren will, kann es sich aber auch einfacher machen: Der Kauf ist über diverse China-A-Aktien-ETFs möglich, etwa den iShares MSCI China A UCITS ETF , der auch auf wikifolio handelbar ist.

Die Aktiengattung der B-Aktien sei hier nur zwecks Vollständigkeit erwähnt. Sie werden an den Börsen Shanghai und Shenzhen nicht in Renminbi, sondern in US- bzw. Hongkong-Dollar gehandelt. Sie sind für ausländische Investoren grundsätzlich zwar frei handelbar, allerdings ist die Auswahl recht klein und das Segment daher kaum relevant. Die größte Bedeutung für ausländische Anleger haben nach wie vor die H-Aktien.

H-Aktien: Sie werden an der Hongkonger Börse in Hongkong-Dollar oder mithilfe von American Depositary Receipts (ADRs) in den USA gehandelt (dem Offshore-Markt). Im Falle von ADRs bekommt der Anleger nicht die Originalaktie ins Depot gelegt – diese verbleibt bei der Depotbank –, sondern ein Zertifikat in US-Dollar. Da der Zugang zu A-Aktien bis vor wenigen Jahren stark eingeschränkt war, konnten sich ausländische Investoren lange Zeit nur über H-Aktien bzw. ADRs an chinesischen Unternehmen beteiligen. Dominiert wird diese Aktiengattung von bekannten chinesischen Tech-Giganten mit einer größeren internationalen Präsenz wie Alibaba und Tencent . Auf wikifolio sind ausschließlich die entsprechenden H-Aktien oder ADRs handelbar. Sämtliche in diesem Beitrag verlinkten Einzeltitel führen daher auch zu H-Aktien oder ADRs. 

China-Big-Tech zieht den MSCI China nach unten

So sehr sich A- und H-Aktien voneinander unterscheiden, so groß ist auch die Diskrepanz in Sachen Performance. Der Hang Seng China Enterprises Index (HSCEI) liegt 2026 bislang 12 % im Minus. Er bildet die Wertentwicklung der 50 größten chinesischen Unternehmen ab, die in Hongkong als H-Aktien gehandelt werden. Der breite MSCI China, der die knapp 600 größten Unternehmen Chinas und Aktien aller Gattungen enthält, hat sich zuletzt zwar leicht erholt, liegt seit Jahresanfang aber ebenfalls immer noch zweistellig im Minus. Tencent und Alibaba stemmen zusammen fast ein Viertel des Index – die beiden H-Aktien sind mit Verlusten von zuletzt noch 23 % bzw. knapp 28 % YTD klare Underperformer. Erst in den letzten Tagen konnten sich die Aktien von ihren bisherigen 2026er-Tiefs leicht erholen.

Die A-Aktien indes haben die Nase vorne – sie können sogar mit US-Aktien mithalten, die 2026 bedingt durch die KI-Euphorie von Rekord zu Rekord eilten. Der folgende Chart zeigt die massive Diskrepanz zwischen dem MSCI China und dem entsprechenden Subindex mit A-Aktien.

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Chinas A-Aktien steigen, die H-Aktien fallen

Der Performanceunterschied ist enorm. Während die chinesischen H-Aktien, allen voran Big-Tech-Titel wie Tencent und Alibaba, 2026 unter die Räder kamen steigen die A-Aktien ähnlich stark wie US-Titel. Das liegt z.B. an der unterschiedlichen Zusammensetzung der entsprechenden ETFs, aber auch am Handelsstreit mit den USA und dem Momentum.

Die Gründe für den Performanceunterschied sind vielfältig. Zunächst liegt es, wie wikifolio Trader Simon Weishar ( Szew Grundinvestment ) bestätigt, schlicht an der unterschiedlichen Zusammensetzung der Indizes bzw. ETFs: „Der Schwächere hat vor allem die klassischen Chinatechs wie Tencent, Alibaba etc. hochgewichtet. Der Bessere hat mehr Themen, die in diesem Jahr gespielt wurden, wie KI-Infrastruktur, Batterien etc.“ Ein Beispiel wäre die A-Aktie der Zhongji Innolight. Sie liegt YTD 84 % im Plus. Das Unternehmen stellt Transceiver-Module her, die vorwiegend in Rechenzentren zum Einsatz kommen.

Chart

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Kennzahlen

  • +1.172,9 %
    seit 30.12.2014
  • EUR 16.598.662
    Investiertes Kapital
  • +26,2 %
    Performance (1 J)
  • 23,6 %
    Volatilität (1 J)
Ø-Perf. pro Jahr: +24,8 %

Die 1260H List: Machtspiel oder echtes Hemmnis?

Mitverantwortlich für die Performance 2026 dürfte laut Weishar auch die unterschiedliche Ausrichtung der Unternehmen sein. H-Aktien sind – da es sich meist um Unternehmen handelt, die international Geschäfte machen – stärker von der globalen Wirtschaftslage und Geopolitik abhängig als A-Aktien, die eher an der Binnenwirtschaft hängen. So hat der Handelsstreit zwischen China und den USA Folgen vor allem für die H-Aktien – ein konkretes Beispiel wäre die „1260H List“, die vor allem in Sozialen Medien als Warnung vor einer Investition in chinesische Aktien herhalten muss.

Worum geht’s? Die USA haben insgesamt 188 chinesische Unternehmen und ihre Tochtergesellschaften als Unterstützer des chinesischen Militärs eingestuft. Auf der sogenannten „1260H List“ stehen neben den Tech-Giganten Alibaba und Tencent auch die E-Autobauer BYD und NIO sowie der Suchmaschinenbetreiber Baidu . Die Aufnahme auf die Liste schließt die Firmen von US-Regierungsaufträgen aus. Auch sämtliche Zulieferer des US-Militärs und ‌anderer Regierungsbehörden werden angehalten, keine Geschäfte mit Unternehmen auf der „1260H List“ zu machen. Neben dem Imageschaden, der dadurch entsteht, ist den chinesischen Unternehmen zum Beispiel auch untersagt, Lobbyarbeit in den USA zu machen. Unter anderem Alibaba geht daher rechtlich gegen die Einstufung vor – und hat zumindest in puncto Lobbyarbeit kürzlich einen Sieg errungen.

28 % in China – „Abverkauf eine interessante Chance“

Weishar hat sein wikifolio Szew Grundinvestment erst kürzlich umgebaut und die Underperformance der chinesischen H-Aktien und ADRs genutzt, um den China-Anteil im wikifolio auf 28 % aufzustocken. Alibaba, Baidu und Tencent sind mit von der Partie. Besorgt ist der Trader wegen der „1260H List“ nicht: „Für mich ist das eher wieder eine dieser politischen Machtspielereien zwischen den USA und China. Alle drei betroffenen Unternehmen (Alibaba, Baidu, Tencent) betonen, dass das ihr Geschäft nicht beeinträchtigt, da sie sowieso kein Geschäft mit dem Pentagon gemacht haben. Und auch generell spielt das US-Geschäft für diese Unternehmen keine nennenswerte Rolle.“

Der chinesische Aktienmarkt ist sehr momentumgetrieben. Bei mir spielt aber nicht das Momentum, sondern die fundamentale Bewertung die entscheidende Rolle, daher erscheint mir der Abverkauf eine interessante Chance zu bieten.

Simon Weishar
Szew

Der chinesische Aktienmarkt sei generell sehr momentumgetrieben und entsprechend volatil, betont Weishar – und ortet hierin einen weiteren Grund für das jüngst schlechte Abschneiden der H-Aktien. So hat der Hang Seng China Enterprises Index 2024/2025 knapp 59 % zugelegt und in diesem Zeitraum etwa den S&P 500 deutlich outperformed (+46 %). Erst mit Anfang 2026 begann sich diese Schere langsam zu schließen – und schließlich ins Gegenteil zu verkehren. Weishar dazu: „Auf Einzelwertebene ist das Ganze nochmal volatiler. Selbst die Big-Tech-Werte wie Alibaba oder Tencent haben sich innerhalb weniger Monate nahezu halbiert, obwohl es aus meiner Sicht operativ kaum Gründe dafür gab. Wie immer spielt bei mir nicht das Momentum sondern die fundamentale Bewertung die entscheidende Rolle, daher erscheint mir der Abverkauf eine interessante Chance zu bieten.“

China-Big-Tech und China-Biotech

Aktuell besteht Weishars Positionierung in China aus zwei verschiedenen Lagern – Big-Tech und Biotech. Der Trader erklärt: „China-Big-Tech kommt mit Alibaba , Tencent , Baidu und JD.com auf gut 20 % des wikifolios. Sie sind alle profitabel, haben eine saubere Bilanz, zahlen teilweise Dividenden und führen Aktienrückkäufe durch. Sie bilden nicht nur das Rückgrat der chinesischen Tech-Industrie, sondern sind auch beim Thema KI sehr gut aufgestellt und bilden die Wertschöpfungskette von der Chipproduktion über die Cloud bis zu den LLMs ab. Während diese Zukunftsperspektive in den USA für sehr hohe Bewertungen sorgt, interessiert sich für ihre chinesischen Pendants aktuell kaum jemand, so dass wir hier deutlich niedrigere Bewertungen sehen.“

Die chinesische Biotech-Branche steckt im wikifolio vorrangig in Form von Innovent , Akeso und bis zuletzt auch DualityBio . Die DualityBio-Position hat der Trader im Verlaufe des gestrigen Abends bzw. heutigen Vormittags mit Gewinnen von gut 14 % geschlossen. „Während China im Biotech-Bereich ewig nur als Generikaproduzent bekannt war, änderte sich alles, als die Politik diesen Bereich vor Jahren massiv reformierte, um die Prozesse schneller zu machen und Innovationen zu fördern“, führt Weishar aus. Die Biotech-Unternehmen der nächsten Generation kämen mittlerweile häufig aus China, während westliche Unternehmen versuchten, den Anschluss nicht zu verlieren: „Sie schließen Deals mit Unternehmen wie Innovent, Akeso und DualityBio ab, um deren Entwicklung im Westen vertreiben zu dürfen. Selbst ein so modernes KI-Biotech-Unternehmen wie Insilico Medicine , das eigentlich aus den USA kommt, hat sein operatives Geschäft mittlerweile überwiegend nach China verlagert, da sie mit ihren innovativen Ansätzen dort besser gefördert werden und schneller vorankommen. Auch diese Unternehmen kamen im jüngsten China-Abverkauf unter Druck. Bei den Zukunftsaussichten ist mir die Bewertung hier aktuell aber zu gering und die Entwicklung vom Markt noch zu wenig im Fokus.“

Das Biotech-Beispiel zeigt, dass die spezifischen politischen Risiken, wie insbesondere staatliche Eingriffe und Regulatorik, die mit einer Investition in chinesischen Aktien einhergehen, keine Einbahnstraße sind. Wird die Branche gefördert, kann das die Aktien attraktiver machen. Dennoch: Wer in China investiert, hängt zu einem guten Teil am Wohlwollen Pekings und mit Blick auf den Handelsstreit mit den USA auch am Wohlwollen Washingtons. Das ist Weishar bewusst: „Gerade auf Einzeltitelebene muss man sich auf negative Überraschungen immer gefasst machen, weshalb ich meine Gewichtung auch auf viele Schultern verteilt habe und kein Einzeltitel besonders hoch gewichtet ist.“ Vermutlich werden chinesische Aktien aufgrund des politischen Risikos daher auch weiter mit einem Bewertungsabschlag zur US-Konkurrenz gehandelt werden – vorerst zumindest. Aber wer weiß: Sollten die USA weiter ihre wirtschaftliche und militärische Vormachtstellung durch das dilettantische Vorgehen der Trump Regierung aufs Spiel setzen, könnte China diese Rolle womöglich schon in wenigen Jahren übernehmen. Zumindest für die dortigen Aktien wäre das wohl ein Gewinn.

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Disclaimer: Jedes Investment in Wertpapiere und andere Anlageformen ist mit diversen Risiken behaftet. Es wird ausdrücklich auf die Risikofaktoren in den prospektrechtlichen Dokumenten der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft (Endgültige Bedingungen, Basisprospekt nebst Nachträgen bzw. den Vereinfachten Prospekten) auf wikifolio.com, ls-tc.de und ls-d.ch hingewiesen. Du solltest den Prospekt lesen, bevor du eine Anlageentscheidung triffst, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Prospekts von der zuständigen Behörde ist nicht als Befürwortung der angebotenen oder zum Handel an einem geregelten Markt zugelassenen Wertpapiere zu verstehen. Die Performance der wikifolios sowie der jeweiligen wikifolio-Zertifikate bezieht sich auf eine vergangene Wertentwicklung. Von dieser kann nicht auf die künftige Wertentwicklung geschlossen werden. Der Inhalt dieser Seite stellt keine Anlageberatung und auch keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.