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Hungrig nach Energie – warum Öl, Gas & Co. wieder hip sind

Der weltweite Energiebedarf wird zunehmen. Haupttreiber des Wachstums sind KI-Anwendungen und Rechenzentren, aber nicht der einzige. Gleichzeitig zeigt der Iran-Krieg einmal mehr, wie abhängig die Weltwirtschaft von fossilen Brennstoffen ist. Die Versorgung mit Energie und der benötigten Infrastruktur wird also zum Flaschenhals für nachhaltiges Wachstum – nicht nur im KI-Sektor.

ki-strombedarf
Quelle: wikifolio

Die gute Nachricht vorneweg: Der Stromverbrauch einer einzelnen ChatGPT-Anfrage ist wohl geringer als anfangs angenommen. Laut aktuellen Schätzungen liegt er bei ca. 0,3 Wattstunden (Wh) – so viel wie eine sehr effiziente LED-Lampe in wenigen Minuten oder zum Beispiel auch eine Google-Suchanfrage verbraucht. Frühere Berechnungen waren noch von einem Verbrauch von bis zu 2,9 Wh pro KI-Anfrage ausgegangen.

Moderne KI wird also effizienter, der Stromverbrauch wird aber natürlich trotzdem steigen. Neben dem Haupttreiber KI sorgen auch die Elektromobilität und die Automatisierung in Unternehmen sowie die steigende Nachfrage nach Klimaanlagen wegen extremer Hitze für zunehmenden Bedarf – vor allem in Asien. Laut einer Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) wird sich der Strombedarf allein von Rechenzentren bis 2030 weltweit auf 945 Terawattstunden (TWh) mehr als verdoppeln. Das ist mehr als der Stromverbrauch Japans. In den USA werden Rechenzentren bis 2030 demnach mehr Strom verbrauchen als die Erzeugung aller energieintensiven Güter wie Zement, Chemie und Stahl zusammen.

Tech-Konzerne sollen Strom selbst erzeugen

Jensen Huang, der CEO von Nvidia , hat wiederholt auf den immensen Strombedarf der rasant wachsenden KI-Infrastruktur hingewiesen und bezeichnet Energie als den entscheidenden Faktor, der das Wachstum der KI-Industrie begrenzen könnte. Der Energiebedarf sei so groß, dass er die Kapazitäten öffentlicher Stromnetze übersteige. Um den immensen Bedarf zu decken, befürwortet Huang den Einsatz von Kernenergie, einschließlich kleiner modularer Reaktoren (SMRs) direkt vor Ort bei den Rechenzentren. Er prognostiziert, dass Tech-Unternehmen binnen 6 bis 7 Jahren ihre eigenen kleinen Kernreaktoren betreiben könnten. Langfristig könnten die massiven Investitionen der KI-Unternehmen in die Energieversorgung laut Huang sogar zu moderneren Stromnetzen und günstigeren Energiepreisen führen.

US-Präsident Donald Trump griff die Idee vor wenigen Tagen in seiner Rede zur Lage der Nation auf: Tech-Unternehmen könnten Kraftwerke für ihre Rechenzentren direkt an den jeweiligen Standorten errichten, sagte Trump. So solle verhindert werden, dass die Strompreise für Verbraucher steigen – in manche Regionen könnten sie sogar sinken, mutmaßte er. Mehr dazu hier.

Energie als Investmentchance

„Laut IEA verbraucht ein mittelgroßes Rechenzentrum so viel Strom wie ca. 100.000 Haushalte – KI ist damit nicht nur ein Chip- sondern klar ein Energie-Trade“, summiert dazu Felix Wilsmann, der das wikifolio 5 Sektoren Diversifikation führt. „Wenn Donald Trump Tech-Konzerne verpflichtet, ihren KI-Strom selbst zu erzeugen, entsteht ein massiver Investitionsschub in dezentrale Energie-Infrastruktur.“ Die Implikationen wären bullish für etwa Gaskraftwerke, die dem Trader zufolge schnell skalierbar sind, oder auch die von Huang genannten SMRs. Weitere Profiteure sieht Wilsmann in Anbietern von Batteriespeichern, EPC-Dienstleistern, die die komplette Umsetzung eines Energieprojektes – von der Planung und Beschaffung bis zur Inbetriebnahme – übernehmen, oder auch Turbinenbauern.

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Zwei interessante Aktien sind in diesem Zusammenhang laut Wilsmann GE Vernova und BWX Technologies . GE Vernova ist 2023 als Spin-Off von General Electric entstanden. Das Angebot umfasst Gas- und Dampfturbinen, Kernkrafttechnologien und Wasserkraft. Außerdem arbeitet das Unternehmen an Lösungen zur Speicherung von Strom aus erneuerbarer Energie. Wilsmann dazu: „GE Vernova ist beim Bau von Gas- und Nuklear-Kraftwerken vorne mit dabei und profitiert direkt von steigender Stromnachfrage durch große Rechenzentren & KI.“ BWX Technologies indes liefert Blöcke, Komponenten und Systeme für Kernkraft- und SMR-Projekte. Allerdings, so Wilsmann, sind beide Werte bereits gut gelaufen und sportlich bewertet. Die GE Vernova-Aktie ist binnen eines Jahres um fast 170 % gestiegen, BWX um immerhin 85 %.

Potenzial aus Deutschland

Potenzial? Ja. Aber ich bevorzuge günstigere Werte mit weniger Luft nach unten.

Felix Wilsmann zu 2G Energy und Siemens Energy
thebeachcomber

Ähnliches gilt für die deutschen Energieunternehmen 2G Energy und Siemens Energy , die sich im gleichen Zeitraum um 66 bzw. sogar 210 % verteuert haben. 2G Energy baut vorrangig Blockheizkraftwerke (BHKW) für die dezentrale Energieversorgung. Ihr Vorteil: Nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung werden Strom und Wärme direkt am Ort des Verbrauchs erzeugt, was wesentlich effizienter ist als beides getrennt voneinander zu erzeugen. Während 2G Energy sehr spezialisiert tätig ist, deckt Siemens Energy fast die gesamte Energie-Wertschöpfungskette ab – von Stromerzeugung über Übertragung (Stromnetze) bis hin zur Speicherung. „Bei Siemens Energy ist nach einer Performance von +200 % viel Wachstum und AI-Stromfantasie eingepreist“, glaubt Wilsmann. Operativ sei das Unternehmen stark unterwegs, das Rückschlagsrisiko nun aber höher. 2G Energy indes deckt mit den BHKWs dem Trader zufolge das Wachstum in einer Nische ab: „Der Hype ist geringer, das Unternehmen aber auch kleiner und die Aktie volatiler.“ Tatsächlich haben die beiden Unternehmen nicht viel gemeinsam – außer, dass sie ihren Sitz in Deutschland haben und der Energiebranche zuzuordnen sind: 2G Energy kommt auf einen Börsenwert von nur 629 Millionen Euro, ist also ein Small Cap; Siemens Energy indes zählt mit 132 Milliarden Euro Börsenwert zu den größten Unternehmen Deutschlands. Wilsmanns Fazit für beide: „Potenzial? Ja. Aber ich bevorzuge günstigere Werte mit weniger Luft nach unten.“

Bohrtürme und -schiffe als Flaschenhals

Ein Blick in sein wikifolio 5 Sektoren Diversifikation verrät dann auch im Detail, wo er Attraktiveres vermutet. Das wikifolio soll laut Handelsidee in der Regel aus 5 Investmentideen bestehen. Energie ist schon länger der größte Baustein. Vertreten sind Uranminenbetreiber in Form eines ETFs, Ölserviceunternehmen und Ölproduzenten wie Tidewater oder Sasol und Chemieunternehmen wie Celanese . Abgerundet wird das Ganze mit einem kleineren Anteil Emerging Markets und britischen Baufirmen. Der Energie-Anteil im wikifolio liegt insgesamt bei über 40 %. Die Roh- und Grundstoffbranche macht weitere 28 % des Exposures aus.

Dass KI zum Stromfresser wird, war aber nicht der vorrangige Grund für den Energie-Fokus: „Die Hauptthese ist, dass ich denke, dass für den Infrastrukturausbau in Asien, Afrika und Südamerika und die Anpassung des Lebensstandards an westliche Verhältnisse deutlich mehr Energie benötigt wird als angenommen.“ KI als Energie-Trade sei bloß ein weiterer Faktor, der den Trend verstärkt. Dabei sollten Ölserviceunternehmen direkt von steigenden Investitionen in den Ölsektor profitieren, erklärt der Trader: „Besonders Ölplattformen und Schiffe wirken dort als ‚Bottleneck‘, da ihre Anzahl nicht schnell erhöht werden kann. Was selten ist, wird dann wertvoll.“

Chancen sieht der Trader im Energiesektor auch weiterhin, selbst für Anleger, die noch gar nicht investiert sind: „US-Gasproduzenten drängen sich auf, können jedoch sehr volatil sein. Bei akuter Knappheit kommt auch Kohle immer wieder ins Spiel, wovon Kohleproduzenten profitieren könnten. Langfristig kann ich mir vorstellen, dass alles gut laufen wird, was mit Kernkraft in Verbindung steht: Anlagenbauer, Serviceunternehmen der Branche, Uranförderer und der Rohstoff Uran selbst.“

Im wikifolio bleibt Wilsmann flexibel und jedenfalls offen auch für andere Ideen: „Ich beobachte die Lage, sollten sich woanders attraktive Möglichkeiten ergeben, wird umgeschichtet. Möglich wäre beispielsweise, dass zum Ende des Jahres Bitcoin wieder eine Rolle spielt.“

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