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Comeback des Jahres? Wie Nebenwerte an der Börse den Ton angeben

Small Caps feiern ein fulminantes Comeback. Während der breite Markt seit dem Jahreswechsel auf der Stelle tritt, liefert dieses Segment ein deutliches Plus von 6,4 %. Wir sehen uns an, woher wir kommen, wo wir stehen und wie Outperformance mit Nebenwerten selbst dann möglich ist, wenn diese nicht outperformen.

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Quelle: wikifolio.com, artlist

Lange Zeit war es still rund um Nebenwerte. Hohe Inflation und steigende Zinsen als Folge der Covid-Pandemie und des russischen Überfalls auf die Ukraine drängten das Aktien-Segment zurück. Was sich als eine mögliche Quelle für Outperformance bewährt hatte, war angesichts des wirtschaftlichen Umfelds zum unattraktiven Risikofaktor geworden.

Zumal Nebenwerte in einem Punkt, den sie eigentlich besonders gut können, plötzlich übermächtige Konkurrenz bekamen: Wachstum. Die US-Technologiefirmen haben in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass selbst Giganten immer größer werden können – vor allem, wenn die Portokasse das Wachstum finanziert. So wurden Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta, Nvidia und Tesla 2023 erstmals zu den „Glorreichen Sieben“. Nun, wer braucht schon Nebenwerte, wenn er die „Magnificent 7“ haben kann?

Small Cap statt Big Tech?

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Klein, aber oho

Small Caps sind aktuell beliebter als Large Caps. Der Performanceunterschied seit Jahresanfang ist nicht von der Hand zu weisen. Große Unternehmen wie die Magnificent 7 in den USA oder zum Beispiel Rheinmetall in Deutschland hatten lange Rückenwind und wurden relativ teuer. Jetzt schließt sich diese Bewertungsdiskrepanz.

Dass die Rechnung nicht ganz so einfach ist, sehen wir aktuell: Nebenwerte feiern ein Comeback. Der Grundstein dafür wurde aber bereits Mitte 2024 gelegt – seither fallen die Zinsen wieder. Außerdem büßt „Big Tech“ seit einigen Monaten Beliebtheit ein – zu hoch sind die KI-Investitionen für Anleger aktuell, die den zumindest teilweise überbewerteten Giganten weiteres Wachstum bescheren soll. So hat der MSCI World Index als bekanntester Large-Cap-Index (er umfasst die 1.300 größten Unternehmen der Welt nach Börsenwert) auf Jahressicht ein Plus von gerade einmal 3,2 % geschafft. Zum Vergleich: Der MSCI World Small Cap kommt seither auf +10,1 %. Seit dem Jahreswechsel zeigt sich ein ähnliches Bild: Es steht +0,4 % zu +6,4 % für Nebenwerte. Und: Die Outperformance zeigt sich sowohl in den USA als auch in Europa. Hierzulande schaffte der SDAX eine Performance von beeindruckenden 19 % auf Jahressicht (DAX: +9,7 %).

Simon Weishar, der neben Szew Grundinvestment mit Szew Small Cap auch ein Nebenwerte-wikifolio führt, fasst das Comeback der Small Caps wie folgt zusammen: „In der Nullzins-Phase (von 2014-2022, Anm.) waren die Nebenwerte sehr stark und am Ende auch relativ hoch bewertet. Als die wirtschaftliche Unsicherheit zunahm und die Zinsen stiegen, wurde das deutlich korrigiert. Mit den nun wieder sinkenden Zinsen und niedriger Bewertung kehrt sich dieser Effekt teilweise ins Gegenteil – und Nebenwerte können aufholen.“ Szew Small Cap hat sich binnen eines Jahres um 29 % verteuert – und damit sogar die ohnehin vergleichsweise starken Small-Cap-Indizes nochmal deutlich geschlagen.

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50:50-Chance auf Nebenwerte in wikifolios

Aber nicht nur Simon Weishar setzt gerne auf Small Caps. Auf wikifolio.com hat der Fokus auf Nebenwerte fast schon Tradition. Von den bedeutendsten 1.300 Einzelaktien nach investiertem Kapital in den wikifolio-Zertifikaten sind aktuell 336 (bzw. 27,1 %) dem Small-Cap-Segment zuzuordnen – also Unternehmen, deren Börsenwert unter 2 Milliarden Dollar liegt. Weitere 264 der Top 1.300 stecken in Mid Caps mit einem Börsenwert zwischen 2 und 10 Milliarden Dollar. Anders formuliert: Die Chance, in den Top 1.300 Einzelaktien der wikifolio Trader einen Large Cap zu finden, liegt bei gerade einmal 51,5 %. Damit sind die wikifolio Trader deutlich breiter aufgestellt als der MSCI World, der – per Definition – so gut wie ausschließlich aus Large Caps besteht.

Diese Präferenz von Nebenwerten im Vergleich zu den großen Indizes und bekannten ETFs spiegelt sich auch in der gesamten Asset Allocation wider. 14,2 % des in wikifolio-Zertifikaten investierten Kapitals steckt in Small Caps, weitere 11 % in Mid Caps. Das ist kein Zufall, sondern eine strategische Entscheidung der Trader, die in diesem Segment nicht nur höheres Wachstumspotential vermuten, sondern unentdeckte Investmentperlen suchen und nachweislich auch finden. Wie ist dabei nebensächlich: Für wikifolio-Trader Weishar liefert die Fundamentalanalyse Mehrwert, Torsten Maus und Doris Beer indes fahren eine andere Strategie.

1.095 % seit Juli 2013 – mit Nebenwerten

Doris Beer setzt seit Juli 2013 in ihrer Momentumstrategie Deutschland schlichtweg auf die stärksten Aktien der letzten 6 Monate – und hält sie dann für ein Jahr. Entscheidend ist nur die Performance der Titel. Dabei liegt ihr Fokus auf deutschen SmallCaps: MDAX, SDAX und TecDAX sind ihre „Spielwiese“. Neben einer sagenhaften Performance von 67 % auf Jahressicht und 10 % seit Anfang 2026 generiert Beer auch Alpha. Und zwar nicht zu knapp: Seit Erstellung sind es jährlich +14,8 % zum DAX oder +14,3 % zum MSCI World. Ihre Top-Gewinner-Aktien 2026 YTD sind Deutz , Friedrich Vorwerk , ThyssenKrupp oder Bilfinger . Sie alle sind auch aktuell noch mit von der Partie. Und werden es voraussichtlich auch noch bis zumindest Juli sein. Dann geht die nächste große Umschichtung über die Bühne. Teil-Anpassungen sind aber grundsätzlich auch dazwischen möglich.

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Nebenwerte voll im Trend

Torsten Maus verfolgt in seinem wikifolio TREND-SURFER einen Trendfolgenansatz, wie er in der Handelsidee erklärt. In der Regel sollen Aktien gekauft werden, die relative Stärke zeigen und bei steigendem Handelsvolumen neue Preishochs markieren. Weil dieser Ansatz in einem schwachen Marktumfeld weniger gut funktioniert, kann Maus die Investitionsquote flexibel anpassen und auch Hebelprodukte zur Absicherung einsetzen. Die Aktienauswahl hängt aber nicht nur an ihrer relativen Stärke, auch die fundamentale Bewertung und andere Faktoren spielen eine Rolle. Während Beer’s Fokus auf Small und Mid Caps liegt, ist das Anlageuniversum bei TREND-SURFER an sich sehr breit gefächert, wie Maus erklärt: „Ein wichtiger Schwerpunkt liegt jedoch im Bereich von Small und Mid Caps, da in diesem Sektor die Bewertungsniveaus häufig sehr attraktiv sind, so dass sich ein positives Chance-Risiko-Verhältnis ergibt.“ Aktuell dürfte das der Fall sein, denn Nebenwerte dominieren das wikifolio – mit dabei sind etwa der Online-Möbelhändler Westwing , das Raumfahrtunternehmen OHB oder der Flugzeugzulieferer FACC . Maus ist mit TREND-SURFER seit Januar 2019 am Start und kommt seither auf eine Performance von 122 %. Binnen Jahresfrist hat sich das wikifolio um 32 % verteuert und damit sowohl Large als auch Small Caps geschlagen.

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Wie geht's weiter?

KI demokratisiert Technologie. Kleine Unternehmen können heute mit relativ geringem Kapitaleinsatz Produktivitätssprünge erzielen (...) – etwas, das früher nur Großkonzernen mit großen IT-Budgets möglich war. Dadurch steigen Margenpotenziale und Skalierbarkeit gerade bei Nebenwerten überproportional.

Torsten Maus
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Wie geht’s nun aber weiter für das Nebenwerte-Segment? Lohnt sich ein Engagement aktuell – oder ist das Beste des Comebacks schon wieder vorbei? Maus ist optimistisch: „Im vergangenen Jahr wurden zahlreiche Nebenwerte-Fonds abgewickelt, was am Markt für Preisdruck gesorgt hatte. Die Masse der Anleger (zum Beispiel ETF-Sparer) und das trendfolgende Geld (etwa Hedge-Fonds) haben sich in den letzten Jahren auf liquide Large-Caps, wie Rheinmetall , konzentriert, was die Bewertungsniveaus dieser ‚Highflyer‘ auf Extremniveaus getrieben hat. Diese Schere schließt sich nun sukzessive. Ich gehe davon aus, dass europäische Small und Mid Caps daher 2026 weiter gut performen sollten.“ Auch der KI-Trend sollte laut Maus das Potenzial für Nebenwerte stärken: „KI demokratisiert Technologie. Kleine Unternehmen können heute mit relativ geringem Kapitaleinsatz Produktivitätssprünge erzielen, Prozesse automatisieren oder neue Geschäftsmodelle aufbauen – etwas, das früher nur Großkonzernen mit großen IT-Budgets möglich war. Dadurch steigen Margenpotenziale und Skalierbarkeit gerade bei Nebenwerten überproportional.“

Weishar ist bezüglich der Aussichten für Nebenwerte etwas zurückhaltender: „Ich denke, es kommt darauf an. Während die sinkenden Zinsen zwar generell förderlich sind, ist die wirtschaftliche Unsicherheit weiter vorhanden. Hier erscheint es mir nun wichtig, die Unternehmen zu finden, die damit auch in den nächsten Jahren gute Ergebnisse erzielen können.“ Mit Volatilität sei in diesem Bereich jedenfalls immer zu rechnen, sagt er: „Letztendlich sollte man sich hier aber nicht von der Angst leiten lassen, sondern nüchtern versuchen, diese Volatilität für sich zu nutzen.“ Dann ist, wie Beer, Maus und Weishar beweisen, Outperformance mit Nebenwerten selbst dann möglich, wenn das Segment als Ganzes nicht outperformt.

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Disclaimer: Jedes Investment in Wertpapiere und andere Anlageformen ist mit diversen Risiken behaftet. Es wird ausdrücklich auf die Risikofaktoren in den prospektrechtlichen Dokumenten der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft (Endgültige Bedingungen, Basisprospekt nebst Nachträgen bzw. den Vereinfachten Prospekten) auf wikifolio.com, ls-tc.de und ls-d.ch hingewiesen. Du solltest den Prospekt lesen, bevor du eine Anlageentscheidung triffst, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Prospekts von der zuständigen Behörde ist nicht als Befürwortung der angebotenen oder zum Handel an einem geregelten Markt zugelassenen Wertpapiere zu verstehen. Die Performance der wikifolios sowie der jeweiligen wikifolio-Zertifikate bezieht sich auf eine vergangene Wertentwicklung. Von dieser kann nicht auf die künftige Wertentwicklung geschlossen werden. Der Inhalt dieser Seite stellt keine Anlageberatung und auch keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.