DAX im Chart-Check: Auf diese Kursmarken kommt es jetzt an

Im November des vergangenen Jahres war die Welt an den Aktienmärkten noch in Ordnung. Der deutsche Aktienindex DAX hatte zum ersten Mal seit Mitte 2018 die Marke von 13.000 Punkten überschritten und machte sich auf den Weg zu einem neuen Allzeithoch.

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Quelle: unsplash.com

Das wurde wenige Monate später tatsächlich auch erreicht. Dann folgten der Corona-Crash und eine kräftige Erholung. Bis Ende September stieg der DAX um mehr als 5.000 Punkte oder gut 60 Prozent. Wieder schienen neue Rekorde nur eine Frage der Zeit zu sein. Doch dann kam die zweite Welle…

In den vergangenen acht Wochen haben wir beim DAX einen Rückschlag um rund 2.000 Punkte und damit einen Verlust von 14 Prozent erlebt. Die Hälfte dieser Strecke wurde in den ersten drei Tagen der laufenden Woche absolviert. Ein Mini-Crash, mitten in der historisch betrachtet besten Jahreszeit für den DAX. Die letzten drei Monate des Jahres belegen in der Performance-Rangliste seit 1988 nämlich die Plätze zwei bis vier. Nur der April bescherte dem Index noch leicht höhere Gewinne. Im Oktober konnte der DAX in sieben von zehn Fällen zulegen. Das ist nach dem Dezember die beste Quote aller zwölf Monate. Im Schnitt ging es hier um 2,4 Prozent nach oben. In diesem Jahr summieren sich allerdings die Verluste kurz vor dem Monatsende auf 9,1 Prozent.

Das war es wahrscheinlich noch nicht…

Glaubt man erfahrenen Charttechnikern, ist die aktuelle Verkaufswelle erst der Anfang. Die technischen Analysten von HSBC sprechen nach dem Bruch der „ultimativen Haltezone“ zwischen 12.126 und 12.254 Punkten von einer zur Realität gewordenen Topbildung im DAX. Rein rechnerisch würde sich dadurch ein Abschlagspotential von gut 1.200 Punkten eröffnen. Als Ausgangspunkt diene die so genannte Nackenzone der oberen Umkehr bei 12.200 Punkten, so dass sich ein mittelfristiges Kursziel im Bereich von rund 11.000 Punkten ergäbe. Der Bereich des Juni-Tiefs bei rund 11.600 Punkten wurde zudem als wichtiges Etappenziel genannt. Das hat der DAX heute schon mal erreicht.

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Charttechnisch angeschlagen

Die HSBC-Experten sehen mittelfristig ein Kursziel von 11.000 Punkten für den DAX. Das Juni-Tief hat der Index heute schon mal erreicht. 

Die Kollegen der „Mußler Briefe“ bezeichnen das gerade erreichte Niveau ebenfalls als starke Unterstützung. Sollte diese dem Verkaufsdruck aber nicht standhalten, sehen die Experten die nächste potenzielle Zielzone sogar erst zwischen 10.160 und 10.280 Punkten (Tief aus dem Dezember 2018). Kein Wunder, dass die Überschrift zur heutigen Analyse „Alarm an den europäischen Aktienmärkten“ lautete. Gleichzeitig betonen die Redakteure aber, dass selbst bei einem Kursrutsch in diese vor kurzem noch völlig undenkbare Region das bullishe Setup des Langfristcharts weiterhin intakt bliebe. Gerade den längerfristig orientierten Tradern dürfte das Hoffnung machen.

Kurzfristig besteht Hoffnung auf eine Erholung

Unsere bei PLATOW Derivate präferierten Analyse-Methoden stützen die These der intakten Aufwärtstrends auch mit Blick auf den seit dem Frühjahr laufenden Trend. Dessen entscheidendes Tief liegt ebenfalls bei den genannten 10.160 Punkten. Allerdings sehen wir im Bereich des Ende April markierten Zwischenhochs bei 11.235 Punkten noch eine weitere Unterstützung, die den Kursrutsch kurzfristig stoppen oder sogar gänzlich beenden könnte. Zunächst einmal besteht jedoch eine ganz gute Chance, dass wir ausgehend von dem heute markierten Tief unterhalb von 11.600 Punkten eine technische Gegenbewegung sehen. Das liegt zum einen an dem bereits genannten Juni-Tief und zum anderen daran, dass bei der in vielen Fällen gut als Ziel-Projektion passenden Spiegelung der vorherigen Erholung heute ebenfalls die Zielzone („200%“ im oberen Chart) erreicht wurde.

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Erholung vor neuer Verkaufswelle?

Der DAX müsste sich nach den Analyse-Methoden von PLATOW Derivate kurzfristig zumindest in Richtung 12.200 Punkte erholen.

Im „Normalfall“ müsste der DAX bei einem Verteidigen dieser wichtigen Unterstützung nun erst einmal einige hundert Punkte zulegen können. Das perfekte Ziel wäre das alte Tief bei 12.341 Punkten, was genau mit dem 50%-Retracement der laufenden Abwärtsbewegung zusammenfällt. Hier würde sich wahrscheinlich eine gute Gelegenheit ergeben, einige Long-Positionen zu verkaufen oder auch gezielt auf fallende Kurse zu spekulieren. Wenn die Kraft der Bullen für eine solche Erholung (es wären immerhin gut 700 Punkte vom Tief) allerdings nicht ausreicht, könnte schon im Bereich des 38,2%-Retracements bei knapp unter 12.200 Punkten die nächste Abwärtswelle eingeleitet werden. Sollte die planmäßige Erholung vom aktuellen Niveau aus allerdings ausbleiben, muss das Lineal bei einem dann wahrscheinlichen Test der genannten Unterstützung bei 11.235 Punkten noch mal neu angelegt werden.


 

Disclaimer: Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte (ISSP) und geprüfter Zertifikateberater (EDA). Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist schwerpunktmäßig mit dem Markt für Zertifikate und Hebelprodukte. Zuvor war er über fünf Jahre beim PLATOW Brief als Börsenredakteur tätig. Dort rief er Mitte 2004 den Newsletter „PLATOW Derivate“ ins Leben, für den er auch heute noch hauptverantwortlich tätig ist. Für PLATOW betreut er zudem die wikifolios PLATOW Trend & Sentiment und PLATOW Trend & Sentiment 2.0 sowie das Dachwikifolio PLATOW Best Trader Selection. Daneben schreibt auch für das Fachmagazin „Der Zertifikateberater“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen der wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung.

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