24.03.2018| Von: Andreas Kern |

 

Portrait Andreas Kern


Am vergangenen Mittwoch war es soweit, die Fed erhöhte erstmals unter ihrem neuen Chef Jerome Powell die Zinsen. Insgesamt war dies übrigens bereits die sechste US-Zinserhöhung in Folge. Powell bewegte sich mit einem Plus von 0,25% bei der „Fed Funds Rate“ auf einen neuen Korridor von 1,5% bis 1,75% exakt im Rahmen der Markterwartung. Von daher also keine Maßnahme, die die Märkte sonderlich bewegte – zumindest nicht am Mittwoch. Einen gewissen Neuigkeitswert hatte dagegen die erste Zinspressekonferenz Powells. Das Urteil der Medien streute nach diesem ersten Beschnuppern naturgemäß stärker als nach den Pressekonferenzen mit langjährigen Routiniers. Unter anderem wurde daran herumgemäkelt, dass die Pressekonferenz mit 45 Minuten zu kurz gewesen sei, so als ob nach einer Dreiviertelstunde noch ernsthaft ein weiterer Erkenntnisgewinn zu erwarten gewesen wäre. Auch wurde Powell vorgeworfen, dass er für das laufende Jahr keine Erhöhung auf insgesamt vier Zinsschritte ins Spiel gebracht habe, was nach Ansicht einiger Beobachter vor dem Hintergrund der US-Konjunktur durchaus vertretbar gewesen wäre. Alles in allem also die übliche Kaffeesatzleserei der schreibenden Zunft, die vor allem vor der Aufgabe stand, eine Seite mit einer Maßnahme zu füllen, für die ein Satz genügt hätte: Die US-Zinsen steigen weiter.

Um Lichtjahre enteilt

Um Lichtjahre enteilt

Fakt ist allerdings, dass die Amerikaner auf ihrem Weg, die Zinsen nach der Finanzkrise wieder zu normalisieren, der EZB und der BoJ inzwischen um Lichtjahre enteilt sind. Während sich Europäer und Japaner noch immer um oder sogar unter null Prozent bewegen, ist der US-Leitzins inzwischen stabil positiv. Ob dessen Satz angesichts der guten US-Konjunktur und des fiskalischen Stoßes durch die US-Steuerreform noch zu niedrig ist, erscheint vor diesem Hintergrund eher als eine philosophische Frage. Die gestrigen Abverkäufe an den Weltbörsen zeigen zumindest, dass man die Märkte mit allzu forschen Zinsmaßnahmen wohl besser nicht überfordern sollte. Denn die weltweit noch immer extrem niedrigen Sätze haben nicht nur etwas mit der Konjunktur, sondern vor allem etwas mit den Themen Ver- und Überschuldung zu tun. In diesem Zusammenhang sollte man auf keinen Fall China aus den Augen verlieren: Die dortige Konjunktur, genauer gesagt, der jahrelange Überinvestitionsboom gerät ins Stottern, und in so mancher Bilanz beginnen die ersten Leichen nach oben zu treiben. Da ist es verständlich, dass chinesisches Kapital das Ausland zunehmend als rettenden Hafen wahrnimmt – zumal wenn dort wieder Zinsen bezahlt werden.


Starke Marken, starke Kurse

Dass alles mit allem zusammenhängt, ist ohnehin am deutlichsten bei den multinationalen Konzernen zu sehen. Dort zeigen sich die Verschiebungen zwischen den Regionen in der Nachjustierung von Geschäftsmodellen und Zahlenwerken. Die Besten unter ihnen haben es geschafft, weltweit bekannte Top-Marken aufzubauen. „Top Global Brands“ ist auch der Name des wikifolios, das die die Albrech & Cie. Vermögensverw. AG unter dem Tradernamen „diamantAlbrechCieAG“ betreut.

Top Global Brands

Nun sind solche Topmarken zwar nicht vor jeglichem Unheil gefeit, aber die Historie lehrt doch den Wert solcher Marken, der sich nicht zuletzt in „überproportional steigenden Aktienkursen“ bemerkbar macht. Kombiniert man das Markenkriterium mit fundamentalen Kennzahlen für Wachstum, Werthaltigkeit und Sicherheit, dann erhält man unter Berücksichtigung einer angemessenen Mischung ein breit aufgestelltes Portfolio mit einem vergleichsweise stetigen Wertzuwachs wie in diesem wikifolio. So gelang den „Top Global Brands“ sogar im volatilen Februar eine zum Teil deutliche Outperformance der globalen Aktienindizes. Die Albrech & Cie. Vermögensverw. AG sieht in diesem möglichen Schutz vor überdimensionalen Drawdowns eine der positiven Eigenschaften von Markenwerten, in die konsequenterweise mit durchgängig 90-100% des Vermögens investiert werden soll.

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Die Mischung macht‘s

Neben den starken Marken, die sich in großem Umfang auch in Warren Buffets Investmentholding Berkshire Hathaway finden, hat sich in den letzten Jahren an keinem Thema die Phantasie der Anleger stärker entzündet als an der Technologie. Was liegt da näher, als beides miteinander zu kombinieren? Wilfried Schopges (Tradername „diamant“) versucht in seinem wikifolio „Succestecbrands“ genau das, und wie eine Performance von rund 170% zeigt, ist dies weit mehr als nur ein Versuch. Wenn man die Schnittmenge aus modernen Technologien und bekannten Namen („brands“) sucht, kommt man an Facebook nicht vorbei.

Succestecbrands

Der jüngste Skandal um das Social-Media-Unternehmen ließ dessen Aktienkurs zwar fallen, ist in der langfristigen Kapitalkurve von Schopges‘ wikifolio jedoch kaum wahrnehmbar. In einem Video-Erklärstück nimmt er ausführlich Stellung zu seiner weiteren Strategie. „Entfreundet“, so viel sei hier verraten, hat er sich von Facebook jedenfalls noch nicht. Wie gut die erfolgreichen Technologiemarken selbst im bislang schwierigen Börsenjahr 2018 funktionierten, sieht man an einer Performance von immerhin rund 6% – trotz Facebook.

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Wenn in „DACH“ der Rubel rollt

Ebenfalls im Technologiebereich ist Alexander Mey mit seinem wikifolio „TecDACH TopPick“ aktiv. Schon der Name verweist auf einige wesentliche Unterschiede: „DACH“ ist analog zu dem bekannten Kürzel aus Navigationssystemen als Hinweis auf die bevorzugte Investmentregion zu verstehen: Deutschland, Österreich und die Schweiz. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung, wonach Technologie im Wesentlichen ein Thema der USA und Asiens sei, sind in der Region tatsächlich einige echte Technologieperlen zu finden.

TecDACH TopPick

Mey legt dabei auf „starke fundamentale Kenndaten“ wert, wobei die spannendsten Titel idealerweise sowohl einem Value- als auch einem Growth-Ansatz genügen. Da derartige Titel in jeder Region mit der Lupe gesucht werden müssen, beschränkt er sich auf eine relativ überschaubare Anzahl an Einzelpositionen – per gestern waren es nur sechs. Sind diese einmal gefunden, sieht Mey wenig Veranlassung zu „übermäßigen Umschichtungen“. Eine Jahresrendite von mehr als 100% gibt ihm Recht und zeigt, dass hier für die Anleger der Rubel rollte – insofern hat Mey mit seinem Tradernamen „vonRubel“ nicht zu viel versprochen.

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Was kommt?

Das sollten Anleger in der kommenden Woche im Auge behalten

Am spannendsten ist derzeit die Börsenentwicklung selbst. In der aktuell nervösen Stimmung können schon nichtige Anlässe große Wirkungen entfalten. Da trifft es sich gut, dass nach den Zinsmaßnahmen dieser Woche in der nächsten Woche nur relativ wenige Wirtschaftsdaten zur Veröffentlichung anstehen: Im Wesentlichen sind dies das US-BIP und die US-Konsumausgaben am Mittwoch, sowie die Kernausgaben der US-Verbraucher am Donnerstag.

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