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30.08.2018| Von: Astrid Schuch |

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, am kommenden Mittwoch wird es ziemlich sicher offiziell. Dann wird die Deutsche Börse nach Meinung aller Experten bekanntgeben, dass die Aktie von Wirecard in den DAX aufsteigt. Die Commerzbank wird ihren Stuhl demnach räumen müssen.

Was längst klar war, ist damit letztlich auch am Frankfurter Parkett angekommen: Die deutsche Finanzbranche bewegt sich weg von ihren traditionellen Mustern hin zum Digitalisierungszeitalter, das durch innovative Fintechs geprägt wird. Nicht grundlos steht Wirecard bei den entscheidenden Kriterien (Marktkapitalisierung und Börsenumsatz) einfach wesentlich besser da als die Commerzbank (oder - was das betrifft - die Deutsche Bank).

Firmenchef sieht enormes Wachstumspotenzial

Zu verdanken hat der Anbieter von elektronischen und digitalen Zahlungslösungen diese Entwicklung den Investoren, die mit ihren Käufen dafür gesorgt haben, dass sich der Kurs von Wirecard allein seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt hat. Die Bewertung der Aktie erscheint auf den ersten Blick mittlerweile relativ hoch. Um das zu rechtfertigen, müssen die Gewinne in Zukunft richtig sprudeln.

Der Vorstandsvorsitzende Markus Braun sieht darin keine Probleme, wie sein aktuelles Statement in der F.A.Z. belegt: „Wir wollen das Bezahlen unsichtbar machen. Der Markt rund um die Digitalisierung von Zahlungsprozessen befindet sich immer noch in einer Frühphase. Etwa zwei Prozent aller Transaktionen weltweit sind heute voll digitalisiert. Dieser Markt kann sich in Zukunft verzehnfachen, vielleicht auch verdreißigfachen“. Auf solche Visionäre stehen Anleger nun mal.

Müssen jetzt alle an einem Tag kaufen?

Die Aufnahme in den DAX bedeutet für Wirecard, dass das Unternehmen wahrscheinlich noch mehr ins Rampenlicht rücken wird. Gerne wird in dem Zusammenhang auch darauf spekuliert, dass alle Großinvestoren die Aktie nun kaufen müssen, wenn sie den DAX eins zu eins abbilden. Weil wir hier laut der Nachrichtenagentur Bloomberg alleine bei den Exchange Traded Funds (ETF) über verwaltete Vermögen von rund 16 Milliarden Euro sprechen, erhoffen sich viele Anleger einen weiteren Kursschub. Zu groß sollten die Erwartungen diesbezüglich aber nicht sein. Da die Aufnahme keine Überraschung mehr darstellt und sich die Anlageprofis lange darauf vorbereiten konnten, wird ein Großteil der Umschichtungen bereits vorbereitet worden sein - am Tag der Aufnahme könnte es also recht ruhig zugehen.

Aufstieg in die Weltelite

Bei wikifolio.com führte Wirecard zuletzt die Liste der beliebtesten Einzelwertseiten an - regelmäßig gehört der Titel zu den am meistgehandelten Aktien. In den vergangenen Tagen waren die Käufer dabei wieder einmal in der Mehrheit. Und dass, obwohl das Papier bereits in gut 1850 wikifolios (davon knapp die Hälfte investierbar) vertreten ist.

Eines davon ist das wikifolio „Imperium - Weltelite“ von Erwin Spring aka „Ertragreich“, der die Aktie in seinem sehr stark diversifizierten Musterdepot aktuell mit fünf Prozent gewichtet hat - das größte Engagement im wikifolio. Trotzdem plant er nach Zukäufen zum Wochenstart schon die nächsten Investments bei dem Titel: „Wirecard baut für seine unzählig vielen Kleinkunden weitere Vorteile für die Zahlungsmodalitäten im Rechnungswesen aus. Das bedeutet für die Zukunft ein ungeheuerliches Wachstumspotenzial. Ich werde in nächster Zeit bei günstigen Einstiegspunkten die Aktie weiterhin zukaufen. Wirecard ist inzwischen wertvoller geworden als die  Deutsche Bank, man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen.“

Denselben Kommentar postete er auch in seinem wikifolio „TOP-INVEST - n. Buffett u. Lynch, wo der jüngste Kauf am Dienstag erfolgte und der Depotanteil sogar 7,5 Prozent beträgt.

Erfolg durch geschicktes Timing…

Einer der bei wikifolio.com wohl erfolgreichsten „Wirecard-Händler“ ist Ralf Baldinger („engertstein“), der mit der Aktie in seinem wikifolio „RB Basic Invest” aktuell mit 390 Prozent im Plus liegt. Der Titel ist mit drei Prozent gewichtet. Auch er ist von den positiven Aussichten des Unternehmens überzeugt, weiß als gelernter Bankkaufmann und erfahrener Privatanleger aber auch, dass die Börse keine Einbahnstraße ist: „Ich konnte dieses Jahr schon zweimal Gewinne mitnehmen und habe bei ca. 250 Prozent Gewinn verkaufen können. Die Entwicklung der Aktie lief weiter und weiter. Ich werde wohl nochmal etwas abverkaufen und den Rest laufen lassen. Langfristig bin ich von Wirecard und der Technologie absolut überzeugt, dennoch glaube ich, dass es in nächster Zeit bei etwas Unruhe an der Börse zu einer Kursdelle kommen kann.“

…oder doch lieber „Buy-and-hold“?

Solche Einschätzungen lassen Bernd Hellerich („QualityInvest“) völlig kalt. Er hatte schon bei seinem Einstieg im November geschrieben, dass man sich „nach Einstieg von dieser Perle nicht mehr trennen“ sollte. Seitdem ist die Aktie um 140 Prozent gestiegen und er hat seinen Worten tatsächlich Taten folgen lassen. In seinem wikifolio „Quality Investing” ist Wirecard mit 12 Prozent Gewichtung der mit Abstand größte Depotwert. Die jüngste Entwicklung motivierte den Trader zu einem grundsätzlichen, sehr interessanten und vor allem praxisnahen Kommentar: „Wirecard ist in den letzten Monaten relativ gut gelaufen. Einige Marktteilnehmer erwarten bei der nächsten allgemeinen Korrektur verstärkt Gewinnmitnahmen bei diesem Titel und möchten somit im Vorfeld schon mal Gewinne mitnehmen, um anschließend wieder tiefer einsteigen zu können. Der aufmerksame Leser sieht hier gleich, dass es genau aus diesem Grund nicht zu einem größeren Einbruch kommen wird.“

Dem aber noch nicht genug, wie Hellerich weiter ausführt: „Der zweite Fehler liegt in der Annahme den Markt timen zu können, was völlig absurd ist. Auch schon bei älteren 'Gewinnmitnahmen' wurden diese Verluste innerhalb von kürzester Zeit wieder aufgeholt und anschließend übertrumpft. Das Unternehmen wird meiner Meinung nach in den kommenden Jahren weiterhin überdurchschnittlich an Wert gewinnen, deshalb wäre ich einfach nur dumm, würde ich auch nur einen Anteil freiwillig abgeben. Natürlich werden beim nächsten Rücksetzer wieder einige Börsen-Blogger genau am Peak verkauft und ganz unten zurückgekauft haben. Das Problem dabei ist nur, die 99 Prozent, bei denen das (schon allein rein markttechnisch betrachtet) nicht geklappt hat, posten das nicht öffentlich ins Internet. Ich kann nur davon abraten, in diese und jegliche andere Spekulation zu verfallen. Auf Dauer wird man mit Spekulationen verlieren, das ist einfach nur logisch.“

Hohe Gewinne dank festem Regelwerk

Wem das alles zu kompliziert erscheint, der hat immer noch die Möglichkeit, nach festen Regeln zu handeln. So wie das diejenigen Trader machen, deren Portfolios auf einer Momentum- oder Relativen Stärke-Strategie beruhen. In denen ist die Wirecard-Aktie meist schon recht lange vertreten. Norbert Müller aka „dierente“ hat sich gestern zwar von einem (kleinen) Teil seiner Wirecard-Aktien getrennt und dabei einen satten Gewinn von 197 Prozent realisiert. Mit einem Anteil von fast 12 Prozent ist der Titel in seinem wikifolio „Momentum und Trend” aber immer noch das unangefochtene Schwergewicht. Und daran wird sich wahrscheinlich so lange nichts ändern, wie der Höhenflug der Aktie anhält.

Die meistgehandelten Aktien der letzten 7 Tage (22.08.2018 - 29.08.2018):

# Name ISIN Handelsvolumen Alle Trades Käufe
1 Continental DE0005439004 440.326 510 67%
2 Wirecard DE0007472060 164.430 504 59%
3 Alibaba US01609W1027 264.785 295 70%
4 Evotec DE0005664809 122.603 294 52%
5 Tele Columbus DE000TCAG172 372.793 289 39%
6 Amazon US0231351067 72.568 251 69%
7 AMD US0079031078 67.820 233 43%
8 SNP DE0007203705 330.439 228 43%
9 Facebook US30303M1027 119.184 220 60%
10 Deutsche Bank DE0005140008 917.565 216 59%

 

Alle wikifolios mit Wirecard (ISIN: DE0007472060) im Depot.