FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Nach kräftigen Mittelabflüssen aus Gold-
und Silber-ETCs mehren sich die Zeichen einer Stabilisierung der
Edelmetalle. Das Interesse an Gold-Produkten steigt bereits. Öl, Kakao und
Weizen sind stark von geopolitischen und wetterbedingten Risiken geprägt.
23. Juli 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Die Edelmetalle stehen im Handel
mit Rohstoff-Produkten aktuell klar im Mittelpunkt. Dabei hat sich das Bild
zuletzt allerdings gewandelt: Nach erheblichen Verkäufen von Gold- und
Silber-ETCs in den vergangenen Wochen wächst bei Anlegerinnen und Anlegern
die Hoffnung auf eine erfolgreiche Bodenbildung. Zugleich melden Händler
wieder einen Kaufüberhang. "Für Edelmetalle, insbesondere Gold, sehen wir
verstärktes Interesse", berichtet Ivo Orlemann von der ICF Bank.
Gold verteidigt psychologisch wichtige Marke
Nach den kräftigen Kursanstiegen zu Jahresbeginn haben Gold und Silber laut
Mobeen Tahir von WisdomTree "eine gesunde Korrektur" durchlaufen. Ein
Großteil des Bewertungsaufschlags sei damit abgebaut. Künftig dürften nach
Ansicht des Experten eher die makroökonomischen Fundamentaldaten den Ton
angeben: "Die niedrigere Inflation, sinkende Zinsen und ein schwächerer
US-Dollar bieten Unterstützung." Barbara Lambrecht von der Commerzbank
warnt, dass zunehmende Sorgen vor einer Leitzinsanhebung der US-Notenbank
eine stärkere Erholung ausbremsen könnten. Mehrere Fed-Vertreter hatten
sich falkenhaft geäußert.
Robert Rethfeld von Wellenreiter Invest geht davon aus, dass sich bei den
Edelmetallen "fürs erste ein Tief ausgebildet hat". Beim Goldpreis
bezeichnet er die 4.000-US-Dollar-Marke als Unterstützung. "Der
Gesamtabwärtstrend bleibt intakt, aber der scharfe Abwärtstrend dürfte
zunächst beendet sein und eine Gegenbewegung, ausgelöst durch ein
Doppeltief, könnte beginnen." Eine Überwindung der 50-Tage-Linie würde
seiner Meinung nach den Weg zur 200-Tage-Linie öffnen. Die beiden
gleitenden Durchschnitte verlaufen aktuell bei 4.123 bzw. 4.237 Dollar je
Feinunze. "Die 200-Tage-Linien sind mächtige Widerstände", warnt der
erfahrene Marktbeobachter vor zu großer Euphorie.
Die Anlegerinnen und Anleger setzen aktuell auf steigende Kurse. Orlemann
meldet vor allem Käufe des Invesco Physical Gold (IE00B579F325) und des
Invesco Physical Gold EUR Hedged (XS2183935274). Auch der VanEck Gold
Miners (IE00BQQP9F84) wird mehrheitlich gekauft.
Peter Bösenberg von der Société Générale nennt zudem einen bis September
laufenden Call-Optionsschein auf Gold (DE000SX6EM45) mit Basispreis 3.800
US-Dollar. Ein ebenfalls gesuchter Inline-Optionsschein (DE000FD53GM9)
ermöglicht knapp 8 Prozent Ertrag, wenn der Goldpreis bis zum 18. September
stets zwischen 3.500 und 5.800 US-Dollar notiert. Wird eine dieser beiden
Marken verletzt, verfällt der Schein wertlos.
Ölpreis bleibt abhängig vom Irankrieg
Im Energiesektor kam es in den vergangenen Wochen zu leichten
Mittelzuflüssen. Die erneute Eskalation zwischen den USA und dem Iran
verstärkte die Sorge vor Engpässen und Störungen der Schifffahrt durch die
Straße von Hormus und das Rote Meer. Größere Ausfälle sind bislang
ausgeblieben. Dennoch enthalten die Rohölpreise laut Tahir eine erhebliche
geopolitische Risikoprämie. Die starken Preisschwankungen bieten
entsprechende Chancen. Der WisdomTree Brent Crude Oil (JE00B78CGV99) wird
laut Orlemann daher auch in beide Richtungen gehandelt. Im
Zertifikate-Segment ist ein Discountzertifikat Classic auf WTI-Rohöl
(DE000FD0AAB7) gefragt. Das Produkt bietet bis Mai 2027 einen möglichen
Ertrag von 6 Prozent, sofern WTI am Ende mindestens 55 US-Dollar je Barrel
kostet. Aktuell sind es rund 88 US-Dollar
Kakao und Weizen mit starken Ausschlägen
Der Weizenpreis ist im laufenden Monat bereits um mehr als 20 Prozent
gestiegen. Niedrigere US-Ernte- und Bestandsschätzungen sowie Sorgen über
Exportstörungen im Schwarzen Meer trieben den Preis. Die französische
Weizenernte dürfte laut Norman Liebke von der Commerzbank zudem rund 8
Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr. Hitzewellen hätten die Erträge
belastet. Weitere Hitze könnte die Aussichten verschlechtern und den
Weizenpreis stützen. Trotzdem kam es in Weizen-Produkten zu
Gewinnmitnahmen. Beim WisdomTree Wheat (JE00BN7KB664) überwiegen inzwischen
die Verkäufe, wie Orlemann erklärt.
Der Kakaopreis zeigte zuletzt noch stärkere Schwankungen. Nach einem
deutlichen Preisrückgang zu Jahresbeginn ist der Trend seit Anfang März
tendenziell wieder aufwärtsgerichtet. In den vergangenen zwei Wochen kam es
aber zu Rücksetzern. Als Grund für die hohe Volatilität nennt Tahir
"Spekulationen und Befürchtungen, dass ein starker El Niño die nächste
Ernte in der Elfenbeinküste beeinträchtigen könnte." Auch diese
Kursbewegungen werden aktiv begleitet. Der zweifach gehebelte WisdomTree
Cocoa 2x Daily Leveraged (JE00B2NFV803) wurde von den Kunden der ICF Bank
in beide Richtungen gehandelt.
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