28.05.2018| Von: Lukas Spang |

 

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Welch ernüchternde Entwicklung: Nach einer fulminanten Kurssteigerung von 125 Prozent im vergangenen Jahr hat sich der Aktienkurs von Pantaflix 2018 nahezu halbiert. Man könnte somit sagen "zurück auf Los".

Die Gründe dafür waren eine zwischenzeitlich sehr ambitionierte Bewertung, Short Seller, eine negative Analystenstudie und erste Zweifel von Investoren am Geschäftsmodell. Zu Recht?

 

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Die Pantaflix AG, bis Mitte 2017 noch unter dem Namen Pantaleon Entertainment AG agierend, hat ihre Wurzeln in der Produktion von Filmen - unter anderem mit Matthias Schweighöfer. Dazu gehören bekannte Filme wie "Hot Dog", "Der geilste Tag", "Schlussmacher" in Zusammenarbeit mit Warner Bros oder die aktuelle Amazon Prime Serie "You are Wanted". Zusammen mit zwei Partnern ist Schweighöfer Großaktionär der 2009 gegründeten und 2015 an die Börse gegangenen Gesellschaft. Seit 2016 ist Pantaflix mit der gleichnamigen eigenentwickelten Plattform auch im Bereich Video-on-Demand (VoD) aktiv. Und genau dort liegt die Kurs-Phantasie und somit die Attraktivität für Anleger.

Attraktive Nische in Millardenmarkt

Im Gegensatz zu bekannten Anbietern wie Netflix, Amazon oder iTunes kauft Pantaflix aber nicht teure Rechtepakete für jedes Land ein, sondern will die Filmproduzenten und Rechteinhaber direkt über die Plattform mit den Konsumenten verbinden. Diese erhalten einen Anteil von 70 Prozent an den Erlösen, die verbleibenden 30 Prozent erhält Pantaflix.

Das Augenmerk des Unternehmens liegt dabei nicht primär auf Filmen für Einheimische, sondern auf den weltweit rund 250 Millionen im Ausland lebenden Menschen. Diese haben auf legale Weise derzeit keinen Zugriff auf Filme in ihrer eigenen Landessprache.

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Dazu verfolgt Pantaflix den Transactional Video on Demand (TVoD)-Ansatz, bei dem der Nutzer nicht wie bei Netflix und Amazon Prime eine monatliche Gebühr zahlt, sondern pro Film. Der Vorteil von diesem Modell im Vergleich zum Abo-Modell anderer Anbieter liegt insbesondere in der früheren Verwertung von Filmen nach dem Kinostart. Am Beispiel Netflix zeigt sich zudem, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der Filme sukzessive zurückgegangen ist und der Fokus verstärkt auf eigene Produktionen gelegt wurde.

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Globaler Rollout gestartet

Allerdings wird noch etwas Zeit vergehen, bis alle Expats weltweit Filme in ihrer Landessprache sehen werden können. Derzeit ist Pantaflix in rund 50 Ländern verfügbar, darunter in den USA, Kanada, Südafrika, in fast allen Ländern Europas, Australien und in Japan. Noch in diesem Jahr soll Südamerika hinzukommen. Die Plattform ist auf allen gängigen Geräten und bald in sieben Sprachen nutzbar - neben Deutsch, Polnisch, Französisch, Englisch, Türkisch und Mandarin soll noch 2018 Spanisch ergänzt werden.

Um den globalen Rollout möglichst erfolgreich zu gestalten, wurde mit Stefan Langefeld im vergangenen Jahr ein erfahrener Manager an Bord geholt. Er war bei Apple unter anderem für den Rollout von iTunes Video in über 50 Ländern weltweit zuständig. Seit April dieses Jahres ist er nun Pantaflix-Vorstandsvorsitzender, nachdem sich der bisherige CEO und Großaktionär Dan Maag aus dem Vorstand zurückgezogen hat.

Unrealistische Erwartungen

Maag hatte in der Vergangenheit oft durch überzogen positive Aussagen für viel Kurs-Phantasie gesorgt. Auf einer Konferenz im Dezember 2016 war beispielsweise das Ziel genannt worden, dass jeder Film 2017 pro Tag vier Mal angeschaut werden solle. Bei einer unterstellten Zahl von 10.000 Filmen und einem avisierten Preis von 3,99 Euro je Film hätte Pantaflix demnach rund 58 Millionen Euro Umsatz erzielen müssen. Doch weit gefehlt. 2017 dürfte der Umsatz im Bereich VoD im niedrigen bis mittleren einstelligen Millionenbereich gelegen haben. Genaue Zahlen dazu veröffentlicht das Unternehmen noch nicht. Ebenso werden bislang keine Details zur Anzahl der Kunden genannt - über eine sechsstellige Userzahl verfüge man, heißt es. Erst im Herbst dieses Jahres will Pantaflix genaue Zahlen kommunizieren. Neben Disney und STUDIO CANAL sollen dann auch weitere Major Studios gewonnen werden.

Leere Versprechungen und erste Zweifel

In Aussicht gestellt wurde auch, dass bis Ende 2017 erste Partner für eine White-Label-Lösung präsentiert werden. Auch sollten aus dem Mitte letzten Jahres eingegangenen Joint-Venture mit einer chinesischen Mediengruppe bereits im dritten Quartal 2017 erste Filme auf der Plattform verfügbar sein. Bei beiden Themen hat sich bis dato jedoch nichts getan.

Darüber hinaus haben zwei Kapitalerhöhungen zur Finanzierung des Aufbaus der VoD-Plattform über insgesamt ca. 23,5 Millionen Euro sowie eine Umplatzierung des Großaktionärs über zehn Prozent im vergangenen Jahr bei 135 Euro für erste Zweifel gesorgt. Laut Unternehmensangaben sollte dies zur Erweiterung der Investorenbasis, einem erhöhten Streubesitz und einer besseren Handelbarkeit der Aktie führen.

Short Seller übernehmen das Ruder

Einer Bewertung von in der Spitze rund 270 Millionen Euro stand 2017 ein leichter Jahresfehlbetrag von ca. 300.000 Euro gegenüber, der allerdings massiv durch eine Einmalzahlung aus einem Kooperationsvertrag positiv beeinflusst war. Dies hatten Short Seller im Frühjahr dazu genutzt, auf fallende Kurse zu setzen. Unterstützt wurden sie dabei von einer sehr pessimistischen Analystenstudie von Sphene Capital mit einem Kursziel von 46 Euro.

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Alte Hochs wieder möglich

Die Aufgabe des neuen CEO ist daher nicht nur den globalen Rollout erfolgreich zu gestalten, sondern auch für eine seriöse, belastbare und verlässliche Kommunikation gegenüber dem Kapitalmarkt zu sorgen, um so das Vertrauen der Investoren wieder zurückzugewinnen. Gelingt es weitere Studios und damit eine Vielzahl neuer Filme für die Plattform zu gewinnen sowie durch ein intelligentes Marketing User zu akquirieren, besteht für das Unternehmen zweifelsohne ein hohes Umsatz- und Ergebnispotenzial. Dann hat der Kurs auch wieder die Möglichkeit alte Hochs zu erreichen. Spätestens im Herbst dürfte dann klar sein, ob Langefeld halten kann, was er verspricht.


Lukas Spang ist wikifolio-Trader und betreut als „Junolyst“ die beiden wikifolios „Chancen suchen und finden“ sowie „Top Pics of the Year“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen seiner wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung. Quelle der Grafiken "Strategy Matrix" und "Release Windows" ist Pantaflix.