Den Höhepunkt der zu Ende gehenden Berichtssaison lieferte erste letzte Woche . Die Zahlen waren super – schon wieder. Der Umsatz stieg im Quartal um 85 %, der Nettogewinn hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Auch der Ausblick aufs laufende Quartal fiel besser als vom Analystenkonsens erwartet aus. Nvidia hat damit das 13te Mal in Folge die Erwartungen übertroffen. Und weil mittlerweile erwartet wird, dass Nvidia besser als erwartet abschneidet, stieg die Aktie schon vor der Zahlenvorlage nochmal deutlich. Danach setzten Gewinnmitnahmen ein.
Zwar kann kaum jemand mit Nvidia mithalten, das Branchenwachstum bleibt dennoch beeindruckend. Laut Daten der Londoner Börse (LSEG I/B/E/S) legten die Tech-Konzerne des S&P 500 im Schnitt beim Umsatz um 29,4 % und beim Gewinn um 55,2 % zu. Aus der Riege der Magnificent 7 überzeugte neben Nvidia vor allem Alphabet. Auch unter wikifolio Tradern wird der Titel zunehmend als einer der großen Gewinner des KI-Rennens gehandelt. Die und sind aktuell in insgesamt 71 wikifolios mit der Auszeichnung „Alpha Strong“ vertreten. Kein anderer Hyperscaler/Mag 7 ist in so vielen Top-wikifolios mit von der Partie.
| Hyperscaler im ersten Quartal | Umsatzwachstum | Gewinnwachstum | "Alpha Strong" wikifolios mit dieser Aktie |
| 85 % | 211 % | 41 | |
| 18 % | 23 % | 58 | |
| 17 % | 19 % | 43 | |
| 22 % | 81 % | 71 | |
| 33 % | 61 % | 34 | |
| 17 % | 77 % | 52 | |
| 16 % | 17 % | 15 | |
| 22 % | 26 % | 10 | |
| S&P 500 Tech-Sektor (Ø) | 29 % | 55 % |
Übrigens: Für den gesamten S&P 500 Index (471 von 500 Unternehmen haben Q1-Zahlen vorgelegt) ergibt sich im Schnitt ein Wachstum bei Umsatz und Gewinn von 11,2 bzw. 29 %. Fazit: Die überwältigende Mehrheit der 500 größten US-Unternehmen wächst stärker als erwartet, aber kein Sektor wächst so stark wie Tech.
Tech-Aktien mit klarer Outperformance seit Iran-Krieg
Damit lässt sich dann auch ein stückweit die Outperformance des Tech-Sektors auf dem Börsenparkett erklären. Schließlich nähren die Zahlen die Hoffnung darauf, dass KI die Effizienz steigert und damit auch den Gewinn.
Seit dem Jahresanfang haben US-Tech-Aktien gut dreimal so stark zugelegt wie der Rest des Marktes. Vor allem seit Beginn des Iran-Kriegs geht die Performance-Schere deutlich auseinander. Während der S&P 500 und der S&P 500 ohne Tech-Sektor auf Zugewinne von 14 bzw. gar "nur" 8 % kommen, verteuerten sich die Technologieaktien des Index um ca. +29,0 %. Die Branche hat den breiten Index also um etwa 15 Prozentpunkte outperformed.
Seit Beginn des Iran-Kriegs haben Tech-Aktien den Rest des Marktes deutlich geschlagen. Durch die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur verhält sich der Sektor wie ein eigener Wirtschaftsmotor, der von den Folgen des Iran-Kriegs (wie teurer Energie) vorest recht unbeeindruckt bleibt.
Wir werfen nun mit den wikifolio Tradern Michael Bichlmeier und Thomas Fürst einen Blick in die Glaskugel. Beide halten aktuell in ihren wikifolios AlphaStars und Investmentideen schwerpunktmäßig Aktien der Technologie-Branche. Und beide haben bislang mit ihren Anlageentscheidungen ordentlich Performance liefern können. Außerdem finden wir heraus, wo sich abseits des KI-Hypes noch interessante Chancen auftun.
Nach den Q1-Zahlen: Ist der Kursanstieg der Tech-Aktien damit gerechtfertigt? Und die Gefahr einer Blase gebannt?
Fürst: Ja, der Anstieg ist in weiten Teilen fundamental absolut gerechtfertigt. Ein durchschnittliches Gewinnwachstum von über 55 % im Tech-Sektor zeigt, dass wir es hier nicht mit einer reinen Bewertungsblase wie zur Jahrtausendwende zu tun haben – die Unternehmen verdienen schlichtweg fantastisch. Natürlich gibt es bei einigen KI-Hoffnungsträgern sportliche Bewertungen, aber die Schwergewichte liefern die entsprechenden harten Zahlen. Eine akute Blasengefahr sehe ich auf diesem Niveau daher nicht.
Chart
Bichlmeier: Teilweise ja. Die Q1-Zahlen waren außergewöhnlich stark, vor allem im Technologiesektor. Ohne Nvidia und (Umsatzwachstum im Q1: 196 %; Gewinnwachstum im Q1: 771 %, Anm.) läge das Gewinnwachstum im Technologiesektor allerdings „nur“ bei 29,0 %. Das zeigt: Die Rally ist fundamental unterlegt, aber zugleich stark konzentriert. Deshalb würde ich nicht sagen, dass die Blasengefahr gebannt ist. Im Gegenteil: Je stärker die Kurse steigen, desto höher wird die Erwartungshürde.
Bei vielen Tech- und KI-Aktien wird inzwischen nicht mehr nur gutes Wachstum eingepreist, sondern fast perfekte Umsetzung über mehrere Jahre. Solange Umsatz- und Gewinnwachstum nachziehen, kann das funktionieren. Aber kleine Enttäuschungen können bei solchen Bewertungen schnell große Kursreaktionen auslösen.
Chart
Der Iran-Krieg verteuert Energie und verursacht Lieferkettenprobleme. Auf Tech-Aktien scheint alldas vorerst keine Auswirkungen zu haben, obwohl gerade die Hyperscaler aktuell Milliarden in den Ausbau und die Entwicklung von KI-Rechenzentren und -Modellen investieren. Tech-Wachstum völlig losgelöst vom Rest der Wirtschaft – geht das denn überhaupt?
Fürst: Es wirkt temporär entkoppelt, weil Tech-Unternehmen – insbesondere die Mega-Caps – über enorme Cash-Bestände verfügen und oft Preissetzungsmacht besitzen. Sie sind von klassischen Finanzierungskosten weniger abhängig als kapitalintensive Industriezweige. Zudem wirken Investitionen in KI und Automatisierung langfristig deflationär und steigern die Produktivität. Die Branche agiert aktuell wie ein eigener Wirtschaftsmotor, der durch einen technologischen Quantensprung angetrieben wird.
Bichlmeier: Auf Dauer, nein. Kurzfristig können große Tech-Unternehmen tatsächlich deutlich robuster wirken als der Rest der Wirtschaft, weil sie hohe Margen, starke Bilanzen, strukturelles Wachstum und globale Geschäftsmodelle haben. KI-Infrastruktur ist aktuell ein Investitionszyklus, der sich teilweise wie ein eigener Konjunkturzyklus verhält.
Aber völlig losgelöst ist Tech nicht. Höhere Energiepreise, steigende Finanzierungskosten, Lieferkettenrisiken und geopolitische Spannungen treffen auch die KI-Wertschöpfungskette. Rechenzentren brauchen Strom, Kühlung, Netzanschlüsse, Chips, Speicher und Kapital. Gerade die massiven Capex-Programme der Hyperscaler machen Tech anfälliger für höhere Zinsen und Infrastrukturengpässe. Nvidia hat zwar erneut starke Zahlen geliefert, aber diese Größenordnung zeigt auch, wie hoch die Abhängigkeit vom weiteren KI-Infrastrukturboom geworden ist.
Der Iran-Krieg und höhere Energiepreise sind deshalb nicht irrelevant. Die Fed schätzt, dass die Ölpreisschocks durch die Hormuskrise die US-Inflation 2026 spürbar erhöhen können. Wenn dadurch Zinsen länger hoch bleiben oder weiter steigen, wird das irgendwann auch für Tech-Bewertungen relevant.
Wo steht der Nasdaq 100 Ende des Jahres?
Fürst: Der Konsens an den Märkten ist aktuell zweigeteilt. Einerseits treibt das reale Gewinnwachstum den Index fundamental an, andererseits mahnen die hohen Bewertungsmultiples zur Vorsicht. Ich tippe auf ein moderates, einstelliges Plus bis zum Jahresende. Wichtiger als die exakte Punktzahl ist aber ohnehin, dass sich an der Börse nun zunehmend die Spreu vom Weizen trennen wird – 2026 ist ein Jahr für Stockpicker, nicht für blindes Index-Investing.
Bichlmeier: Ich rechne eher mit einem positiven, aber volatileren zweiten Halbjahr. Mein Basisszenario wäre: Der Nasdaq 100 steht Ende 2026 höher als heute, aber nicht mehr mit der gleichen Dynamik wie im ersten Halbjahr. Ich könnte mir eine Spanne von etwa +5 % bis +12 % gegenüber dem aktuellen Niveau vorstellen, sofern die KI-Investitionen weiter hoch bleiben, die Inflation nicht erneut außer Kontrolle gerät und der Iran-Konflikt nicht weiter eskaliert. In einem optimistischen Szenario, mit fallenden Risikoprämien und weiterhin starken Nvidia-/Hyperscaler-Zahlen, wäre mehr möglich. In einem negativen Szenario – Ölpreisschock, Zinssorgen, enttäuschende Capex-Renditen – kann die Nasdaq-Rally aber auch schnell 10 bis 15 % korrigieren.
Mein Fazit: Die Tech-Rally ist nicht einfach nur heiße Luft. Die Gewinne sind real. Aber die Bewertungen preisen inzwischen sehr viel Zukunft ein. Ich bleibe daher investiert, würde aber stärker zwischen echten Cashflow-Gewinnern und reinen KI-Hoffnungswerten unterscheiden.
Welche Tech-Aktien sind deine Favoriten?
Fürst: - mit über 14 % die größte Position in meinem wikifolio. Das Unternehmen verbindet ein hochprofitables, krisenresistentes Kerngeschäft durch die Werbeumsätze (Suche & YouTube) mit dem stark wachsenden Cloud-Segment. Was viele unterschätzen: Alphabet besitzt durch Android, Chrome und seine digitalen Dienste eine gigantische, einzigartige Datenbasis. Diese Daten sind der wertvollste Treibstoff für das Training und den praktischen Einsatz eigener KI-Modelle wie Gemini. Für mich wird das langfristige Potenzial von Alphabet im KI-Rennen vom Markt nach wie vor unterbewertet, weshalb die Aktie mein Top-Kerninvestment bleibt.
Meine Nummer 2 ist : Halbleiter sind das Fundament der gesamten digitalen Transformation. TSMC besitzt bei der Auftragsfertigung von High-End-Chips im modernsten Strukturbreiten-Bereich (3nm und darunter) ein weltweites De-facto-Monopol. Ob die Rechenzentren von Nvidia, die Prozessoren von AMD oder die Chips im iPhone – kein einziger Tech-Gigant kann seine KI-Visionen ohne die Fabriken von TSMC in die Realität umsetzen. Trotz der bekannten geopolitischen Risiken ist das Unternehmen für mich der ultimative und unverzichtbare Schaufelverkäufer des KI-Zeitalters, der zudem fundamental sehr attraktiv bewertet ist.
Bichlmeier: Meine zwei Favoriten aus dem Tech-Bereich wären aktuell und . Broadcom ist für mich der qualitativere KI-Infrastrukturwert, weil das Unternehmen bei Custom AI Chips, Netzwerktechnik und Software gleichzeitig profitiert. Micron ist der offensivere Pick: High Bandwidth Memory ist ein Engpassfaktor im KI-Boom, und die jüngsten Zahlen zeigen, wie stark sich dieser Trend bereits in Umsatz und Gewinn niederschlägt. Bei Micron muss man allerdings die Zyklik des Speichersegments im Blick behalten. Deshalb wäre Broadcom für mich der stabilere Favorit, Micron der chancenreichere.
Gibt es abseits von KI noch Investmentthemen, die du gerade spannend findest?
Fürst: Abseits des reinen KI-Hypes finde ich den Bereich Medizintechnik (MedTech) spannend – weshalb ich beispielsweise auch Intuitive Surgical im Portfolio halte. Die Kombination aus demografischem Wandel und technologischem Fortschritt (wie roboterassistierte Chirurgie) bietet ein krisenresistentes, langfristiges Wachstum.
Ebenso bleibt der digitale Zahlungssektor für mich ein absoluter Dauerbrenner. Statt auf hochbewertete FinTech-Start-ups zu setzen, bevorzuge ich hier den etablierten Marktführer Visa. Das Unternehmen betreibt eine der kritischsten Finanzinfrastrukturen der Welt und profitiert direkt vom unaufhaltsamen globalen Megatrend hin zum bargeldlosen Bezahlen. Visa verfügt über ein nahezu unangreifbares Netzwerk-Geschäftsmodell mit extrem hohen Margen. Da das Unternehmen an jedem Transaktionsvolumen prozentual mitverdient, bietet das Modell zudem auch in inflationären Zeiten einen hervorragenden natürlichen Schutz.
Bichlmeier: Abseits von KI finde ich vor allem drei Themen spannend: Erstens Energieinfrastruktur und Stromnetze, weil KI, Rechenzentren, Elektrifizierung und Industriepolitik den Strombedarf strukturell erhöhen. Zweitens Cybersecurity, weil mehr Cloud, KI-Agenten und digitale Prozesse auch die Angriffsflächen vergrößern. Drittens Rohstoffe und Versorgungssicherheit, insbesondere Kupfer, Stromspeicher, Netztechnik und ausgewählte Industrieunternehmen. Der Iran-Krieg zeigt einmal mehr, dass geopolitische Risiken und Lieferketten nicht verschwunden sind, sondern eher zu einem dauerhaften Investmentfaktor werden.
Keine News, Insights und Storys mehr verpassen!
Disclaimer: Jedes Investment in Wertpapiere und andere Anlageformen ist mit diversen Risiken behaftet. Es wird ausdrücklich auf die Risikofaktoren in den prospektrechtlichen Dokumenten der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft (Endgültige Bedingungen, Basisprospekt nebst Nachträgen bzw. den Vereinfachten Prospekten) auf wikifolio.com, ls-tc.de und ls-d.ch hingewiesen. Du solltest den Prospekt lesen, bevor du eine Anlageentscheidung triffst, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Prospekts von der zuständigen Behörde ist nicht als Befürwortung der angebotenen oder zum Handel an einem geregelten Markt zugelassenen Wertpapiere zu verstehen. Die Performance der wikifolios sowie der jeweiligen wikifolio-Zertifikate bezieht sich auf eine vergangene Wertentwicklung. Von dieser kann nicht auf die künftige Wertentwicklung geschlossen werden. Der Inhalt dieser Seite stellt keine Anlageberatung und auch keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.
