08.05.2018| Von: Nikolaos Nicoltsios |

Seit dem 19. März ist die Aktie von Covestro offizielles Mitglied im Dax. Den Aktionären hat das bislang noch nichts gebracht. Mit einem Minus von rund sechs Prozent hat sich die Aktie seitdem wesentlich schlechter entwickelt als der Index selbst. Der konnte in diesem Zeitraum ein Plus von immerhin fünf Prozent generieren. In den Monaten vor der Dax-Aufnahme war der Covestro-Aktie noch eine deutliche Outperformance gelungen, was auch ein Grund für den zu diesem frühen Zeitpunkt überraschenden Indexaufstieg war.

Neben den - in diesen Fällen fast schon obligatorischen - Gewinnmitnahmen einiger Marktteilnehmer dürfte es noch einen ganz speziellen Grund für die jüngste relative Schwäche der Bayer-Tochter gegeben haben. Der Mutterkonzern besaß bis vor kurzem nämlich noch ein Aktienpaket von Covestro. Und es galt als offenes Geheimnis, dass Bayer seinen restlichen Anteil im Vorfeld der rund 60 Milliarden Dollar schweren Monsanto-Übernahme zu Geld machen würde. Genau das ist zum Ende der vergangenen Woche passiert. Bei hoher Nachfrage wurden rund 28,8 Millionen Aktien zu einem Kurs von 75,50 Euro an Großinvestoren verkauft, was Bayer eine Einnahme von 2,2 Milliarden Euro bescherte. Bei Covestro ist der bislang sorgenvoll betrachtete Aktienüberhang damit endlich Vergangenheit. Auch deshalb hofft der eine oder andere wikifolio-Trader darauf, dass die Aktie ihre Schwächephase zeitnah beenden kann.

Hervorragende Aussichten

Zu diesen Optimisten zählt auch Frank Schmolz („clouseau“), der die Aktie am Freitag neu in sein wikifolio „ESCON Value - Special Situations” aufgenommen hat: „Ich habe das Unternehmen schon länger auf der Watchlist. Nach dem Verkauf des verbleibenden Anteils durch Bayer sollte der Druck auf den Aktienkurs bald nachlassen und die fundamentalen Daten wieder in den Vordergrund rücken. Die sind für Covestro wirklich hervorragend und geben allemal eine Basis für Kurse jenseits der 100 Euro-Marke her.“

Obwohl der Trader hier „ein größeres Paket“ erworben hat, ist Covestro mit einem Depotanteil von über 12 Prozent lediglich ein „Leichtgewicht“ in dem insgesamt nur aus fünf Aktien bestehenden und voll investierten Portfolio. Größter Depotwert mit einem Anteil von 36 Prozent ist die Aktie des Offshore-Bohrunternehmens Ensco. Der Trader sieht sich vorrangig als „Investor/Miteigentümer erfolgreicher Unternehmungen“ und strebt bei seinen Investments daher auch eine mittel- bis langfristige Haltedauer an. Bevorzugt werden dabei „Value-Aktien“ von Branchenführern. Das im Februar 2014 eröffnete wikifolio hat sich bei einem Maximalverlust von gut 20 Prozent unter dem Strich nahezu verdoppelt und notiert nur knapp unter Allzeithoch. Bei dem Mitte 2014 emittierten wikifolio-Zertifikat beträgt das Kursplus 65 Prozent. Auf Jahressicht wurde ein Anstieg von 15 Prozent erzielt, der aber fast vollständig aus der Rally der vergangenen vier Wochen resultiert.

Zielrendite von zehn Prozent bei moderaten Schwankungen

Armin Geier („Rohdiamant“) hat bei Covestro bereits am Donnerstag zugeschlagen, sich dabei aber nicht direkt für die Aktie, sondern für eine Zertifikate-Lösung entschieden. In seinem wikifolio „Rolling-Discount-System Neutral“ befindet sich ein in knapp fünf Monaten fälliges Discount-Zertifikat auf Covestro, bei dem die Rückzahlung auf maximal 72 Euro begrenzt ist. Aufgrund dieser Gewinnbeschränkung wird das Zertifikat aktuell zu rund 69,5 Euro mit einem Abschlag (Discount) von zehn Prozent auf den Aktienkurs (76,40 Euro) gehandelt.

Da das Zertifikat am Ende der Laufzeit exakt dem Aktienkurs entsprechen wird (natürlich unter Berücksichtigung des o.a. Caps) beschert dem Trader dieser Abschlag gleich mehrere Vorteile: Solange die Aktie Ende September mindestens auf Höhe des Caps (72 Euro) notiert, erzielt er auf jeden Fall den maximal möglichen Gewinn von 4,8 Prozent, was einer p.a.-Rendite von über 12 Prozent entspräche. Selbst bei moderaten Verlusten (bis maximal 72 Euro) wird das Zertifikat zum Höchstbetrag von eben diesen 72 Euro zurückgezahlt. Bei noch stärker fallenden Aktienkursen dient der Discount zudem als wichtiger Puffer. Ein Minus von zum Beispiel 20 Prozent bei der Aktie hätte bei dem Zertifikat nur einen Verlust von 12 Prozent zur Folge. Im Gegenzug wird bei solchen Produkten neben etwaigen Dividendenzahlungen immer auf die unbegrenzten Gewinnchancen verzichtet. Das nimmt der am Zertifikatemarkt sehr erfahrene und versierte Journalist aber ganz bewusst in Kauf, weil er so seiner Meinung nach mit einer relativ risikoarmen Strategie sein Ziel einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von ca. zehn Prozent erreichen kann.

Gut 2,5 Jahre nach dem Start der Strategie ist die Zielrendite aufgrund von zwei etwas „stärkeren“ Rückschlägen (maximaler Verlust von gut acht Prozent) noch nicht ganz erreicht worden. Die Performance des gerade auf einen neuen Rekordstand gestiegenen wikifolios liegt mit 18 Prozent aber nicht weit davon entfernt. Auf Jahressicht wurde ein Plus von rund 5 Prozent erzielt. Ein Grund für die „Underperformance“ dürfte in der lange Zeit relativ niedrigen Volatilität an den Aktienmärkten zu finden sein, die zu tendenziell schlechteren Konditionen bei solchen Zertifikaten führt.

Die 10 Aktien mit den meisten Trades (30.04.-07.05.2018)

# Name ISIN Handelsvolumen Alle Trades Käufe in %
1 Adidas DE000A1EWWW0 665689,9908 324 69%
2 Aixtron DE000A0WMPJ6 1057134,306 308 51%
3 Apple US0378331005 293177,5456 239 56%
4 Wirecard DE0007472060 104190,7213 201 64%
5 Covestro DE0006062144 836509,35 194 64%
6 Deutsche Telekom DE0005557508 213866,1659 189 63%
7 Evotec DE0005664809 321041,5837 185 66%
8 Lufthansa DE0008232125 672243,7145 180 49%
9 SAP DE0007164600 371052,188 179 58%
10 Cancom DE0005419105 234268,2931 177 71%

 

Alle wikifolios mit Covestro (ISIN: DE0006062144) im Depot.