19.01.2016| Von: Andreas Kern |

Die ersten drei Wochen des neuen Börsenjahres standen ganz im Zeichen von China und dem Ölpreis. Die Angst vor einer nachhaltigen Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums treibt vielen Anlegern trotz relativ optimistischer Prognosen der dortigen Regierung immer noch die Sorgenfalten auf die Stirn. Zudem scheint der Preisverfall bei Rohöl kein Ende zu finden, weil nach Aufhebung der Sanktionen demnächst auch der Iran seine Ölproduktion wieder verstärken wird. Wie an der Börse üblich, werden viele der heute noch heiß diskutierten Einflussfaktoren irgendwann aber keine große Rolle mehr spielen, weil die Folgen dann „eingepreist“ sind. Von daher lohnt sich schon jetzt ein Blick auf die Themen, die im weiteren Jahresverlauf die Börsen in Atem halten dürften.

Die Trader bei wikifolio.com setzen dabei vor allem auf die Zinsentwicklung, die schon während des abgelaufenen Jahres regelmäßig im Fokus der Marktteilnehmer stand. Aus Europa werden hier 2016 keine größeren Störfeuer erwartet. Knapp 80 Prozent der rund um den Jahreswechsel zu den Aussichten für das Börsenjahr 2016 befragten Trader gehen davon aus, dass es bis zum Ende des Jahres keine Veränderungen bei den europäischen Leitzinsen geben wird. Ganz anders sind die Erwartungen an die amerikanische Notenbank. Hier rechnen gut drei Viertel der Trader damit, dass Fed-Chefin Janet Yellen die Zinsen noch einige Basispunkte anheben wird. Im Dezember war es in den USA zu der ersten Anpassung seit vielen Jahren gekommen. Behalten die wikifolio-Trader Recht, dann wird der nächste Zinsschritt bereits im Laufe des ersten Halbjahres 2016 erfolgen. Während dieser Zeitpunkt durchaus den Konsenserwartungen entspricht, wird die spannendste Frage in diesem Jahr werden, wie viele Zinserhöhungen die Amerikaner durchführen. Viele Analysten waren im Dezember noch ganz sicher von vier weiteren Schritten ausgegangen. Nach den zunehmenden Konjunktursorgen wurden die Schätzungen mittlerweile aber mehrfach nach unten korrigiert.

Wichtig ist die Entwicklung der Zinsen in Euroland und den USA vor allem für den Euro/Dollar-Kurs. Die Erwartung einer zu Gunsten des Dollarraums auseinander gehenden Zinsdifferenz hatte den Euro gegenüber dem Greenback in den vergangenen Monaten deutlich abwerten lassen. Nach Ansicht der meisten wikifolio-Trader wird sich dieser Trend so nicht nachhaltig fortsetzen. Zum Jahresende prognostizieren acht von zehn Befragten einen Euro-Kurs zwischen 1,00 und 1,20 Dollar. Ungefähr in der Mitte dieser Range befindet sich das Währungspaar aktuell. Immerhin 17 Prozent rechnen damit, dass die Parität unterschritten wird. An einen deutlich steigenden Euro glaubt kaum jemand. Einer der wenigen Euro-Bullen ist Amadeus Langheinrich („GordonGekkoNTK“), der im Jahresverlauf sogar Kurse von 1,30 Dollar je Euro für möglich hält und das wie folgt begründet: „Der Dollar schwächt sich trotz Zinserhöhungen ab, da die USA in eine Rezession rutschen. Europa folgt erst später, da die Politik der EZB die Wirtschaft kurzfristig stützen kann und den Abschwung verzögert“.

Wenn über Zinsen gesprochen wird, darf natürlich auch der Goldpreis nicht fehlen, dessen Attraktivität immer auch von der Höhe der Realzinsen (Kapitalmarktzins abzüglich Inflationsrate) abhängig ist. Zu der Frage nach den Aussichten für das Edelmetall im laufenden Jahr haben die wikifolio-Trader keine einheitliche Meinung. Rund 30 Prozent der Befragten sehen Gold per Ende 2016 im dreistelligen US-Dollar-Bereich, während knapp ein Viertel der Trader Notierungen oberhalb von 1200 Dollar erwartet. Die restlichen Schätzungen liegen irgendwo dazwischen. Zu den Pessimisten zählt unter anderem Maik Schwäbe („maikschwaebe“), der seine niedrige Goldprognose mit der Erwartung höherer Realzinsen begründet: „Mit steigenden US Zinsen und niedriger Inflation gibt es weiterhin keinen Grund Gold zu halten“.