So vermeiden Sie Verluste an der Börse – 6 Tipps für Ihr Risikomanagement

Wer an der Börse Verluste gering hält und ganz bewusst Risiken eingeht, beherrscht, was entscheidend für den Erfolg der Geldanlage ist: Wie funktioniert Risikomanagement? Die wikifolio-Trader Dennis Raute und Christoph Klar verraten, wie’s geht. Einfache und nachvollziehbare Tipps nicht nur für Börsenneulinge.

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Quelle: unsplash.com

„Die Frage nach dem Umgang mit Risiko und Verlusten ist eine der wichtigsten überhaupt beim Trading“, so Dennis Raute. Auch für Christoph Klar steht Risikomanagement an oberster Stelle: „Es ist die mit Abstand wichtigste Komponente, um langfristig an der Börse Erfolg zu haben.“ Er verweist auf William O’Neil, den Erfinder der CANSLIM-Methode.

My philosophy is that all stocks are bad. There are no good stocks unless they go up in price. If they go down instead, you have to cut your losses fast. Letting losses run is the most serious mistake made by most investors.

William O’Neil

Anleger müssen sich laut Klar bewusst machen, dass Verluste überproportional gegen einen arbeiten: „Für einen Verlust von 10 Prozent braucht man nur einen Anstieg von 11 Prozent, um diesen wieder auszugleichen. Bei 25 Prozent Verlust sind es aber schon 33 Prozent und bei 50 Prozent Verlust sogar 100 Prozent.“ Schnell wird klar: Wer erfolgreich Geld anlegen will, kann sich Verluste nicht leisten.

Beide Trader wissen, wie’s geht: Dennis Raute betreibt sein wikifolio Trendfolge&Trading seit Anfang 2013. Bisheriger maximaler Verlust: 11,2 Prozent. Damit lässt es sich jedenfalls gut schlafen.

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abc
cde

Kennzahlen

  • +144,5 %
    seit 25.01.2013
  • +14,2 %
    1 Jahr
  • 0,39×
    Risiko-Faktor
  • EUR 6.866.663,00
    investiertes Kapital
Ø Performance pro Jahr: 11 Prozent

Christoph Klar ist seit Anfang 2017 mit seinem wikifolio Trendfollowing Deutschland dabei. Bisheriger maximaler Verlust: 9,7 Prozent. Zum besseren Verständnis: Die Corona-Pandemie hatte die Börsen im Frühling 2020 um bis zu 40 Prozent in die Knie gezwungen – um nur eine Krise zu nennen, die beide wikifolios völlig unbeschadet überstanden haben.

Chart

abc
cde

Kennzahlen

  • +96,4 %
    seit 08.01.2017
  • +22,6 %
    1 Jahr
  • 0,76×
    Risiko-Faktor
  • EUR 2.018.258,76
    investiertes Kapital
Ø-Performance pro Jahr: 15,7 Prozent

Tipp 1: Das Chance-Risiko-Verhältnis beim Aktienkauf

Ein weitverbreiteter Fehler sei, erklärt Raute, nur auf den möglichen Gewinn eines Trades zu schauen: „Geblendet von der Aussicht auf das schnelle Geld, werden Trades eingegangen, die sich unter dem Aspekt eines vernünftigen Risikomanagements gar nicht lohnen.“

Stattdessen ist in der erfolgreichen Aktienanlage ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) entscheidend, so Raute. Vorab müssen sich Anleger also fragen: Was bin ich bereit zu riskieren, um einen bestimmten Geldbetrag zu generieren? Raute überlegt vor dem Aktienkauf: „Wann verkaufe ich die Aktie im ‚Worst Case‘ wieder? Diesen Verlust setze ich dann ins Verhältnis zu der Chance, die ich kalkuliere. Nur, wenn es sich demnach lohnt, gehe ich den Trade ein.“ 

Natürlich geht nicht zwingend jeder Trade auf, weiß Raute: „Das wäre sowieso illusorisch. Aber das Verhältnis zwischen Gewinnen und Verlusten muss unter dem Strich stimmen.“ 

Tipp 2: Position absichern, Exit festlegen – so geht’s

wikifolio-Trader Klar geht ähnlich vor: „Bevor ich eine Position eröffne, weiß ich ganz genau, wieviel Verlust ich maximal gewillt bin, in Kauf zu nehmen. Dementsprechend sichere ich jede Position direkt mit einem Stop Loss ab und zögere dann auch keine Sekunde, die Aktie zu verkaufen, sobald dieses Level erreicht ist.“ Zusätzlich zieht der Trader den Stop Loss auch schnell nach oben nach, wenn die Aktie steigt: „Oft sichere ich schon bei einem Gewinn von 10 Prozent meinen Einstiegskurs ab.“

Raute arbeitet, wie er selbst sagt, im Normalfall nicht mit festen Stop-Größen. Wenn sich die Aktie nicht wie erwartet entwickelt, wird sie – wie vorab entschieden – einfach verkauft. Außer sie entwickelt sich besser als der Gesamtmarkt.

Tipp 3: Gesamtmarkt im Auge behalten

Raute erklärt: „Wenn ich mit Aktie XY ‚long‘ bin und der Gesamtmarkt schmiert ab, die Aktie hält sich aber stabil oder verliert nicht so stark wie der breite Markt, dann ist dies ein Zeichen für die relative Stärke der Aktie und ich bleibe weiter investiert.“

Wer weiß, wie es um den Gesamtmarkt steht, kann außerdem das Risiko für sein Depot und einzelne Positionen besser einschätzen, ergänzt Klar: „Mindestens drei von vier Aktien entwickeln sich genau in die gleiche Richtung wie der Gesamtmarkt. Insbesondere die von mir favorisierten Trend- und Momentumtitel fallen auch gerne schon mal deutlich mehr als der Gesamtmarkt, wenn es nach unten geht. Daher ist es wichtig, den Zustand und Trend des Gesamtmarktes zu kennen und zu analysieren.“ Und, so Klar: „Es hilft, um zu entscheiden, wie aggressiv ich sein will und welchen Cash-Anteil ich vorhalte.“

Tipp 4: Offenes Risiko des Gesamtportfolios beachten

Neben der Absicherung jeder einzelnen Position ist es laut Klar auch wichtig zu wissen, wie hoch das offene Risiko für das gesamte Portfolio ist: „Ich berechne die Differenz der aktuellen Kurse zu den Stop Loss-Kursen – aufsummiert über alle Titel – auf wöchentlicher Basis und schaue auch hier, dass es nicht größer als acht bis maximal 10 Prozent wird.“ Regelmäßige Kommentare dazu gibt’s auf der wikifolio-Seite zu  Trendfollowing Deutschland und auf Klars Instagram-Kanal.

Raute erklärt, wie er das Gesamtrisiko kontrolliert: „Habe ich einen oder zwei Trades, die aktuell unter Wasser sind, dann reduziere ich mein Risiko, indem ich mit neuen Trades vorsichtiger werde und nicht mehr die volle Positionsgröße (Anteil der Position am Gesamtportfolio) ausschöpfe. Letztendlich steuere ich mein Risiko über die Cash-Quote, indem ich entweder Positionen verkleinere und so mein Gesamtrisiko reduziere oder ich sichere das Portfolio mit Short-ETFs auf den Gesamtmarkt (DAX) ein Stück weit ab.“

Tipp 5: Nicht alles auf eine Karte setzen

Die beiden wikifolio-Trader Raute und Klar warnen davor, dass unnötige Risiken ganz allgemein durch zu hohe Konzentration entstehen können. So sollte weder eine Aktie noch ein Sektor zu hoch gewichtet sein. „Oft steigen und fallen Aktien aus dem gleichen Sektor parallel. Das kann schnell das ganze Depot nach unten ziehen“, weiß Klar. Nicht All-In gehen ist also die Devise – das gilt laut Klar übrigens auch nach schwachen Marktphasen mit hoher Cash-Quote: „Ich finde es wichtig, erstmal ‚das Wasser zu testen‘ und mit kleineren Positionen wieder ein Gefühl für den Markt zu bekommen.“

Tipp 6: Keine Emotionen

Eine bekannte Regel für die erfolgreiche Geldanlage lautet: „Lass deine Gewinne laufen und begrenze deine Verluste.“ Einleuchtend und dennoch für viele Anleger schwer umsetzbar, weiß Raute: „Viele begrenzen ihre Gewinne – nach dem Motto ‚Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach‘ – und lassen ihre Verluste – nach dem Prinzip Hoffnung – immer weiter laufen. Doch hoffen, bangen und beten haben an der Börse nichts verloren.“

Rautes Fazit: „Wichtig ist es, die Verluste klein zu halten, dann kommen die Gewinne automatisch. Die Kür ist es dann, die Gewinne laufen zu lassen – so kann das Handelskonto langfristig wachsen.“ Aber Vorsicht: Auch Gier ist eine Emotion, die oft Performance kostet. Also lieber einmal zu früh Gewinne mitnehmen, als den Trade bangend wieder ins Minus laufen zu lassen.


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