„Jetzt fängt es gerade erst an, richtig Spaß zu machen“

Christian Jagd ist kein Mensch, der Turbulenzen an der Börse einfach aussitzt. Aber auch er kann Buy-and-Hold etwas abgewinnen. Warum das kein Widerspruch ist, erklärt er im Interview.

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Quelle: wikifolio.com

Von Christian Jagd können Neo-Börsianer genau wie Profis zweifelsohne eine Menge lernen. Er ist bodenständig geblieben, obwohl die Follower bei ihm Schlange stehen. Mit dem wikifolio Intelligent Matrix Trend beweist er seit mittlerweile sieben Jahren, dass sich aktives Management auszahlt. Es ist das mit Abstand beliebteste wikifolio der Plattform. Wir sprechen über sein Erfolgsgeheimnis, seinen Anspruch an sich selbst, Handelsstrategien, Fehler, die Börsianer vermeiden sollten und natürlich die aktuelle Marktlage. Viel Spaß dabei!  

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Dein wikifolio Intelligent Matrix Trend ist – gemessen am investierten Kapital – das aktuell beliebteste überhaupt. Warum vertrauen dir die Follower besonders?

Christian Jagd ( Portfoliomatrix ): Die naheliegende Antwort wäre wohl die gute Performance des wikifolios bei gleichzeitig hoher Achtsamkeit bezüglich des Risikomanagements. Ich glaube aber, dass sich Erfolg nicht immer zur Gänze analysieren und erklären lässt und sich somit auch teils der eigenen Planung und Kontrolle entzieht.  

Was man aber in der eigenen Hand hat, ist die Umsetzung der Idee und eines bestmöglichen Portfolio- und Risikomanagements. Das Ringen um diesen Anspruch ist vielleicht meine hauptsächliche Triebfeder. Ich strebe nicht irgendwelche Bestmarken sondern qualitatives Wachstum an, das unter anderem im Austausch mit anderen klugen Köpfen ein Mehr an Verstehen, ein Mehr an Fähigkeiten und Möglichkeiten bereithält. Vielleicht strahlt etwas von diesem Bemühen nach außen und erklärt einen Teil des mir entgegen gebrachten Vertrauens.

Chart

abc
cde

Kennzahlen

  • +684,1 %
    seit 25.03.2014
  • +16,6 %
    1 Jahr
  • 0,72×
    Risiko-Faktor
  • EUR 81.072.940,65
    investiertes Kapital
Ø-Performance pro Jahr: 31,7 Prozent

Seit 2014 kommt das wikifolio auf eine durchschnittliche jährliche Performance von über 30 Prozent. Wie vermeidest du Fehler, die Performance kosten?

Entscheidend an der Börse ist es, die Kontrolle zu bewahren. Risiken einzugehen gehört zum täglichen Geschäft, umso wichtiger ist es, diese Risiken aber auch die daraus erwachsenden Chancen sauber zu quantifizieren und gegeneinander abzuwägen. 

Selbstverständlich unterlaufen mir ebenso wie jedem anderen Fehler, oder besser gesagt Fehleinschätzungen. Doch auch hier gilt es, die Dinge sauber zu analysieren und zu dokumentieren, um nach Möglichkeit bei ähnlichen Situationen in der Zukunft klügere Entscheidungen zu treffen. In der Theorie einfach gesprochen, doch bedarf es in der Praxis hier schon einiges an Disziplin und auch Selbstkontrolle. Mir hilft da in der Umsetzung die entsprechende risikoangepasste Positionsgröße jedes einzelnen Portfoliowerts, so reduziere ich psychologische Abhängigkeiten und die Wahrscheinlichkeit, dass mir eine missglückte Entscheidung in zu starken Maße auf die Gesamtperformance durchwirkt.

Was würdest du sagen, war dein größter Fehler in deiner bisherigen Zeit als wikifolio-Trader?

Mein aktiver Handelsstil produziert – wie bereits angedeutet – meist täglich sehr viele Entscheidungen, häufig auch kleinere Anpassungen. Das produziert, wenn dann eher kleinere Fehleinschätzungen. Im Idealfall sollten diese im Meer der richtigen Entscheidungen versinken. Manche Position, die an einer Stelle reduziert wurde, kann Tage später zu höheren Kursen wieder ausgebaut werden. Das mag nach außen wie ein Fehler wirken, ist aber häufig Teil des Risikomanagements und im Zeitpunkt der jeweiligen Entscheidung durchaus begründet.

Unangenehm an der Börse wird es immer dann, wenn man sich eine offensichtliche Fehleinschätzung nicht eingesteht und möglichst zeitnah korrigiert. Man befindet sich dann häufig schnell in einer unangenehmen Situation, in der der erste Fehler weitere bedingt und man sich mit etwas Pech in eine Abwärtsspirale hinein bewegt.

Schließlich setzt man auf das Prinzip Hoffnung, redet sich die Perspektiven schön, und schaut, scheinbar der Handlungsalternativen beraubt, dem Kursverfall weiter zu, um sich schließlich nahe dem Tiefpunkt entnervt von der Position zu trennen. Entscheidend ist, dass man es nicht so weit kommen lässt. Man muss sich immer bewusst machen, dass man mit keinem Wertpapier verheiratet ist, man das Zepter des Handelns nie aus der Hand gibt und so die Kontrolle über die Position und deren risikoadjustierte Größe wahrt.

Im Portfoliomanagement wird zwischen fundamentaler Analyse und technischer Analyse unterschieden. Wenn du einen Weg wählen müsstest, welcher wäre erfolgversprechender und warum?

Für mich ist diese Frage vergleichbar mit der an einen Ruderer, auf welches Paddel er am ehesten verzichten könne. So oder so, die Fortbewegung wäre erheblich erschwert. Mir ginge es wohl ähnlich. Beides ist mir wichtig, um mir ein vollumfängliches Bild über die Verfassung des Gesamtmarktes als auch jedes Einzelwerts zu machen.

Bei all den bedrohlichen Szenarien dürfen wir nicht verkennen, dass viele Unternehmen im Moment ausgezeichnet verdienen. Nach wie vor steht die globale Ökonomie vor einem enormen Modernisierungsschub. (...)

Christian Jagd
Portfoliomatrix

Ken Fisher sagte: „Time in the market beats timing the market.“ Eine andere Börsenweisheit besagt: „The trend is ur friend“. Kann man den Markt tatsächlich mithilfe zum Beispiel der Charttechnik timen (sprich: kurzfristig die besten Einstiegs- und Verkaufskurse finden)? Oder sollte man einfach langfristig investiert bleiben (Buy-and-Hold)?

Ich bin absolut kein Gegner einer Buy-and-Hold-Strategie. Es gibt durchaus Werte in meinem Portfolio, die ich ebenfalls über längere Zeiträume halte – gerade Unternehmen, deren Geschäftsmodelle eine hohe Krisen- und Konjunkturresistenz aufweisen und die es vermocht haben, sich über viele Jahre mit tiefen Burggräben den Angriffen der Konkurrenz zu erwehren und ihre Margen zu verteidigen. Auch im Hinblick auf teils attraktive Dividenden kann es hier interessant sein, über Jahre investiert zu bleiben. 

Insbesondere in Zeiten eines langjährigen Bullenmarktes, in dem wir uns im Grunde seit 2009 befinden, dürfen wir aber nicht vergessen, dass es an der Börse auch mal mehrere Jahre in Folge bergab gehen kann. Aber auch heftige Einbrüche,  wie in Verbindung mit der Corona-Pandemie gesehen, sind immer wieder möglich. Es braucht schon eine enorme Resilienz, um solche Phasen mit seinen Investitionen einfach auszusitzen. Ich bin für so etwas jedenfalls nicht gemacht. Und ich glaube, die Scheu vieler Anleger vor dem Aktienmarkt liegt zu einem guten Teil in diesen Stressfaktoren begründet, die in solchen Phasen gerade auch psychologisch belastend auf die Investoren einwirken. 

Zum Glück hält ein entwickeltes Portfolio- und Risikomanagement viel Handwerkszeug für solche Phasen in seinem Baukasten bereit. Zum Beispiel kann man mit derivativen Komponenten neben den gewünschten Absicherungseffekten zusätzlich die Volatilität für sich arbeiten lassen, eine Übergewichtung defensiver Branchen kann helfen, das Gesamtportfolio zu stabilisieren und Edelmetalle, andere Rohstoffe oder auch neue Anlagefelder wie Kryptos können in solchen Phasen negativ zur Aktienmarktentwicklung korrelieren und ebenfalls als Hedging-Instrument an Attraktivität gewinnen. Das sind nur einige Beispiele für Instrumente, die im Rahmen eines proaktiven Risikomanagements enorm hilfreich sind, um unbeschadet durch schwere Fahrwasser an der Börse zu kommen.

Laut Handelsidee berücksichtigst du neben einem selbst programmierten Handelstool, das Signale liefert, auch fundamentale Unternehmensanalysen. Worauf achtest du hier besonders?

Ein wichtiger Punkt ist, neben den Geschäftsberichten, die Kommunikation des Unternehmens. Inwiefern vermag das Unternehmen, eine Vertrauensbasis zwischen sich und seinen Stakeholdern aufzubauen. Was wird wie versprochen und in welcher Form geliefert. Ich persönlich mag Unternehmen, die offen kommunizieren, ihre Strategie gut erklären, aber Maß halten in ihrem Optimismus bezüglich zukünftiger Szenarien. Der Kapitalmarkt hat da eine feine Sensorik und belohnt erbrachte Leistung, wenn sie positiv überrascht und straft den Erbauer von Luftschlössern teils sehr herbe ab, wie aktuell das Beispiel Teamviewer zeigt (die Teamviewer-Aktie hat auf Monatssicht gut 50 Prozent ihres Wertes verloren. Auslöser des Kurssturzes waren unter anderem Prognosesenkungen, Anm.).

In deinem wikifolio findet man namhafte Standardwerte genau wie kleinere Nebenwerte. Warum macht es Sinn dem eigenen Depot Nebenwerte beizumischen?

Am einfachsten lässt es sich wohl erklären, indem man sich anschaut, was aus ehemaligen Nebenwerten wie Amazon oder Apple geworden ist. Zeitweise nur belächelt und fast schon insolvent in der Börsenversenkung verschwunden, reden wir heute über die wertvollsten Unternehmen der Welt.

Nun verheißt nicht jedes Geschäftsmodell eines Small- oder Midcaps eine so fulminante Börsenstory, doch wäre es fahrlässig auf die Innovationskraft der häufig gründergeführten Unternehmen der zweiten und dritten Reihe zu verzichten. Hier lassen sich auch aufgrund des Basiseffektes noch viel höhere Wachstumsraten realisieren und bis es dem großen Geld möglich wird, in diese Unternehmen zu investieren, haben sie sich häufig schon vervielfacht.

Viele Anleger setzen aktuell auf ETFs – vor allem große Index-ETFs sind sehr beliebt. Ist man als Anleger hier auf der „sicheren Seite“? Sind ETFs die beste und einfachste Art des Aktieninvestment?  

Die Einfachheit und ihre gute Handelbarkeit sind wohl ihre größten Verkaufsargumente. Ich denke, man kann durchaus den ein oder anderen ETF beimischen, vor allem die großen Indizes lassen sich hier gut abbilden. Mit diesen Produkten ist die Branche groß geworden, mittlerweile versucht man so ziemlich jedes noch so kleine Nischenthema mit einem ETF abzubilden. Eine einmal gewählte Zusammensetzung läuft dann einfach so weiter, auf der „sicheren Seite“ kann man sich da wohl kaum wähnen. Es ist und bleibt ein Massenprodukt von der Stange, mit nur sehr beschränkter Flexibilität, dessen sollte man sich bewusst sein. 

Meiner Meinung nach sind ETFs so beliebt, weil viele den Mehrwert einer aktiv gemanagten Börsenstrategie nicht erkennen. Nun muss man aber zugestehen, dass viele Fonds, gerade auch die Dickschiffe der großen Finanzkonzerne, wenig Ambitionen an den Tag legen, hier wirklich besser abzuschneiden als einer der großen Vergleichsindizes, aber dafür gerne die hohen Gebühren einstreichen. Man weiß einen starken Vertriebsapparat in seinem Rücken und verteilt die Gelder recht uninspiriert indexnah auf die Schwergewichte. Da fragt man sich als Kunde dann schon, warum man nicht gleich den Index, sprich einen kostengünstigeren ETF kauft.

Nun vertrete ich mit meinen wikifolios bekanntlich einen gänzlich anderen Ansatz und Anspruch. Ich möchte die Menschen gerne ermutigen, sich mit dem Thema Kapitalanlage ernsthaft auseinanderzusetzen, sich eine eigene Meinung zu bilden und die Angebote kritisch zu hinterfragen. Aber ich bin da guter Hoffnung und ich sehe uns Deutsche da mittlerweile auf dem richtigen Weg. An dieser Stelle will ich auch mal sagen, in diesem Zusammenhang leistet wikifolio.com und die Community insgesamt einen wertvollen Beitrag.

Was erwartest du von den Börsen in den letzten Wochen des laufenden Jahres – beunruhigen dich Meldungen zu Inflation, Tapering, Evergrande usw?

Die Gesamtmischung der Meldungslage hat durchaus Potential bedrohlich für die Märkte zu werden. Wir sehen an allen Fronten steigende Preise, Güter werden knapper, Energie verteuert sich, bei den Transport- und Lieferketten ist nach wie vor Sand im Getriebe. Hinzu kommt die Tendenz, unter dem Eindruck der Erfahrungen, die die Staaten mit der Pandemie gemacht haben, zu einer teilweisen Rückabwicklung der Globalisierung. Man versucht wieder, auch aus geostrategischen Erwägungen, unabhänger, autarker zu werden. Über allem schwebt dann auch noch das Damoklesschwert einer strafferen Geldpolitik.

Es gibt also genug besorgniserregende Themen, um die Aktienquote tief zu halten. Und genau das haben viele zuletzt auch getan, in der Erwartung, die Märkte würden weiter im Korrekturmodus verharren. Doch dann kam die, für viele überraschend, schnelle Wende nach oben. Aus dieser Skepsis und Angst im Markt könnte sich eine Aufwärtsbewegung im Markt etablieren, die viele Investoren auf dem falschen Fuß erwischt. 

Wir dürfen nämlich bei all den bedrohlichen Szenarien nicht verkennen, dass viele Unternehmen im Moment ausgezeichnet verdienen. Nach wie vor steht die globale Ökonomie vor einem enormen Modernisierungsschub. Die Digitalisierung setzt in vielen Branchen die zu erwarteten Effizienzgewinne gerade erst richtig frei. Wir stehen hier, zusätzlich angeheizt von staatlichen Investitionsprogrammen, vor Jahren mit enormem Wachstum in einzelnen Bereichen, von deren Prosperität wieder viele andere Branchen profitieren. Insgesamt ein spannungsgeladenes Umfeld, in dem ich den Aktienmarkt, aller Bedenken zum Trotz, auch zukünftig auf der Gewinnerseite sehe.

Wenn man ein derart erfolgreiches wikifolio wie du führt – was kann man sich dann noch für Ziele setzen? Was ist dein persönlicher Anspruch an dich?

Ich muss ein wenig schmunzeln. Nein, um meine Motivation muss sich keiner Sorgen, jetzt fängt es doch gerade erst an, richtig Spaß zu machen. Mit meinen wikifolios habe ich noch einiges vor. Zuletzt hat meine Intelligent-Matrix-Familie auch Zuwachs erhalten. Das Thema Bewahrung unseres einzigartigen Planeten liegt mir persönlich, wie sicher vielen, sehr am Herzen, ist aber auch ein super spannendes Anlagethema. Mit dem Intelligent Matrix ClimaProTech versuche ich meine Investmentexpertise in diesem Bereich in einem Themen-wikifolio zu bündeln. Wie in meinen anderen wikifolios bin ich auch hier von Anfang an mit „skin in the game“, sprich selber investiert. 

Natürlich ist die Börse auch ein hartes Geschäft und mit Sicherheit nicht jeden Tag ein Zuckerschlecken, aber für mich eines der spannendsten und abwechslungsreichsten Arbeitsfelder mit enormem Freiraum zur persönlichen Entwicklung und vielen tollen und inspirierenden Menschen, die man auf seinem Weg kennenlernen darf. Dafür bin ich sehr dankbar.

Christian, vielen Dank für das Gespräch!

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Disclaimer: Jedes Investment in Wertpapiere und andere Anlageformen ist mit diversen Risiken behaftet. Es wird ausdrücklich auf die Risikofaktoren in den prospektrechtlichen Dokumenten der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft (Endgültige Bedingungen, Basisprospekt nebst Nachträgen bzw. den Vereinfachten Prospekten) auf www.wikifolio.com, www.ls-tc.de und www.ls-d.ch hingewiesen. Die Performance der wikifolios sowie der jeweiligen wikifolio-Zertifikate bezieht sich auf eine vergangene Wertentwicklung. Von dieser kann nicht auf die künftige Wertentwicklung geschlossen werden.