Inflation: Warum steigende Preise kein Weltuntergang sind

In den nächsten Wochen wird sich dieser Blog schwerpunktmäßig dem Thema Inflation widmen. Zunächst werden hier die wichtigsten Fakten zum Thema auf den Punkt gebracht.

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Wann wird Geld weniger wert? Muss ich mir als Anleger eigentlich Gedanken über die Kaufkraft meines Geldes machen? Stehen wir vor einer dramatischen Geldentwertung – einer Hyperinflation – aufgrund der Corona-Pandemie? Diese Fragen und mehr werden wir in den kommenden Wochen mithilfe der wikifolio-Trader beantworten. Wir starten mit: Inflation – was ist das überhaupt? Und wieso ist Deflation strenggenommen das größere Übel?

Was ist Inflation?

Der volkswirtschaftliche Terminus Inflation bezeichnet eine Erhöhung des Preisniveaus von Gütern und Dienstleistungen. Oder anders ausgedrückt: Für dasselbe (nominale) Geld kann man weniger kaufen als zuvor. Das kann unterschiedliche Gründe haben.

Grund 1: Geldmengen-Inflation

Das wichtigste Erklärungsmodell für die Inflation liefert die Quantitätstheorie. Laut ihr entspricht die Geldmenge multipliziert mit ihrer Umlaufgeschwindigkeit der realen Produktion multipliziert mit dem Preisniveau.

Wird also mehr Geld geschöpft und dieses in der Folge auch ausgegeben, während das Handelsvolumen gleichbleibt, dann erhöhen sich die Preise. Liegt das Geld indes nur zu Hause oder auf dem Bankkonto rum, bleibt dieser Effekt aus. Die höhere Geldmenge muss also im Wirtschaftskreislauf ankommen, um inflationäre Folgen zu haben. Im Gegenschluss bedeutet dies, dass ein sinkendes Handelsvolumen bei gleichbleibender Geldmenge, die umgeschlagen wird, ebenfalls zu höheren Preisen führt.

Warum das so ist, zeigt ein einfaches Beispiel: Die gesamte Produktion einer fiktiven Volkswirtschaft beträgt zehn Äpfel. Diese zehn Äpfel sind alles, was man für Geld kaufen kann. Die gesamte Geldmenge unserer fiktiven und zugegebenermaßen ziemlich kläglichen Nation beträgt zehn Euro. Ein Apfel kostet dementsprechend einen Euro. Wird nun die Geldmenge auf 20 Euro verdoppelt, während sich die Anzahl der zu kaufenden Äpfel nicht verändert, wird sich der Preis für besagtes Obst (Preisniveau) ebenfalls verdoppeln und auf zwei Euro steigen. Voraussetzung: Die zusätzlichen 10 Euro werden auch für den Kauf des einzigen Gutes, nämlich der Äpfel, ausgegeben. Würden die Besitzer das Geld im Safe aufbewahren und auf Bananen warten, hätten sie keine Auswirkungen auf den Apfelpreis. Sollten plötzlich nur mehr fünf Äpfel produziert werden, die Geldmenge aber immer noch bei zehn Euro liegen, hätte dies denselben Effekt auf das Preisniveau. Ein Euro würde keinen Apfel mehr kaufen, man bräuchte 2 dafür. Die Kaufkraft sinkt.

Grund 2: Nachfrage-Inflation

Die Theorie der Nachfrage- oder Nachfragesog-Inflation besagt, wie der Name schon erahnen lässt, dass die Nachfrageseite für die Inflation verantwortlich ist. Der Mechanismus ist folgender: Steigt die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, reagiert normalerweise die Angebotsseite und erhöht die Produktion. Ist dies jedoch nicht möglich, etwa weil die Nachfrage in sehr kurzer Zeit steigt oder eine Marktwirtschaft schon nahe ihrer Vollauslastung produziert, steigen die Preise für die vorhandenen Güter.

Grund 3: Angebotsinflation

Von Angebotsinflation spricht man, wenn die Steigerung der Preisniveaus von den Produzenten von Gütern und Dienstleistungen ausgeht. Dies kann der Fall sein, wenn die Produktionskosten steigen, also Steuern oder Löhne erhöht werden oder bestimmte Rohstoffe knapp werden. Man spricht dann von einer Kosteninflation. Die zweite Möglichkeit für die Entstehung einer Angebotsinflation ist die sogenannte Gewinninflation. Diese entsteht, wenn ein Anbieter aufgrund seiner Marktmacht, also zum Beispiel seiner monopolistischen Anbieterstruktur, höhere Preise durchsetzt.

Wie wird Inflation gemessen?

Die Inflationsrate wird mithilfe des sogenannten Verbraucherpreisindex gemessen. Für diesen Index wird die durchschnittliche prozentuale Veränderung des Preisniveaus bestimmter Güter und Dienstleistungen im Vergleich zum Vorjahr erhoben. Diese Güter und Dienstleistungen werden so ausgewählt, dass sie einen für die Gesamtbevölkerung repräsentativen Warenkorb ergeben. Die persönliche Inflationsrate weicht darum unter Umständen deutlich von der offiziell bekanntgeben Inflationsrate ab.

Ist Inflation immer schlecht?

Diese Wahrnehmung ist falsch und rührt womöglich daher, dass Inflation sinkende Kaufkraft bedeutet. Die Assoziation: Man kann sich für sein Geld weniger kaufen. Tatsächlich lässt eine positive Teuerungsrate im Jahresvergleich aber auf eine funktionierende Volkswirtschaft schließen, die wächst. Deflation kann unter Umständen weitaus bedrohlicher für eine Volkswirtschaft sein. Wieder anders ist die Situation bei einer Hyperinflation – von ihr spricht man ab einer Steigerung des Preisniveaus von etwa 50 Prozent pro Monat. Diese Art der Inflation entsteht durch grobe staatliche Misswirtschaft und stürzt denselben in eine schwere Krise. Oft lässt sie sich nur durch eine Währungsreform beenden.

Top-Trader Christoph Neemann ( MinusSinus ), der das wikifolio Minus Sinus Value Select betreut, erklärt, warum kontrollierte Inflation kein Grund zum Kopfzerbrechen ist: „Die beste Umgebung für alle Beteiligten ist ein moderat inflationäres Umfeld. Deflation ist aus der Perspektive kritisch, da es dadurch oft zu einer starken Konsumzurückhaltung kommt, da die Konsumenten Kaufentscheidungen in die Zukunft verlagern, in der Hoffnung, einen besseren Preis zu bekommen. Diese Absatzkrise beantworten die Unternehmen dann mit weiteren Preissenkungen. Unkontrollierte Deflation kann dementsprechend zu einer Rezession und Arbeitsplatzverlusten führen.“

Top Trader Patrick Kranz ( Larry ), der das Invest Only In The Best! verwaltet, führt weiter aus: „Deflation stellt die Notenbanken vor besondere Herausforderungen, denn sie müssen ‚schieben‘, also durch besonders expansive Geldpolitik die monetäre und realwirtschaftliche Abwärtsspirale durchbrechen, was wesentlich schwerer ist als geldpolitisch zu ‚bremsen‘. Deflation ist unter dem Strich sehr schädlich und wird deshalb von Notenbanken so entschieden bekämpft.“

Der wikifolio-Trader und ehemalige Bundesbanker Sven Winkler ( SvenMarket ), der unter anderem das Musterdepot "Betongold" managt, erklärt die Schwierigkeiten der Notenbanken im Detail: „Bei Deflation müsste die Zentralbank die Zinsen immer weiter senken. Lange war unvorstellbar, dass Zinsen unter 0 fallen können – die letzten Jahre haben uns eines Besseren belehrt.“ Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen ist laut Winkler aber nur begrenzt: „Die Politik der Notenbank schlägt nicht voll durch, weil man Bargeld als Alternative zum Bankkonto halten kann und somit die Negativzinsen nicht vollständig durchschlagen. Genau das passiert seit Jahren. Der Banknotenumlauf in der Bilanz der Zentralbanken nimmt seit Jahren zu.“

Aus diesem Grund ist die Preisstabilität eine der zentralen Aufgaben von Zentralbanken. So hat es sich die Europäische Zentralbank (EZB) etwa als Ziel gesetzt, die Inflationsrate „auf mittlere Sicht unter, aber nahe 2 Prozent“ zu halten. Der angestrebte Sicherheitsabstand zu 0 Prozent zeigt schon, wie ungern die EZB eine Deflation riskieren möchte. Aktuell ist die EZB von diesem Ziel ein gutes Stück weit entfernt – die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen drücken vielerorts auch das Preisniveau. In Deutschland liegt die Inflationsrate derzeit bei 0 Prozent, trotz expansiver Geldpolitik der Notenbank.


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