27.04.2018| Von: Lukas Spang |

 

lukas-spang-junolyst


Wie jedes Jahr im Frühjahr haben sich auch dieses Jahr am Mittwoch und Donnerstag zahlreiche Small Cap-Spezialisten in München eingefunden. Der Grund: Im noblen Charles Rocco Forte fand die von der GBC veranstaltete Münchener Kapitalmarkt-Konferenz (MKK) statt. Mit 350 Teilnehmern, darunter Investoren, Journalisten und anderen Finanzmarktakteuren, wurde ein neuer Besucherrekord erreicht. Dem gegenüber standen 28 Unternehmen, die sich an beiden Tagen den zahlreichen Interessenten in Präsentationen und Gesprächen vorstellten. Nahezu jede Präsentation war bis auf den letzten Platz besucht und statt Einzelgesprächen wurden teils Gruppenmeetings gemacht, um die vielen Anfragen zu bedienen. Das Interesse an Nebenwerten ist also groß. Bereits im Dezember, der Winterkonferenz, konnte man diesen Trend beobachten.

Solche Veranstaltungen sind einerseits für die Unternehmen wichtig, um Investoren und Interessierte zu treffen, für die Teilnehmer ergibt sich andererseits die Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit eine Vielzahl an Unternehmen kennenzulernen. Aber natürlich gehört das obligatorische Networking ebenso wie das Austauschen über die heißesten Aktien oder die nächste Blase dazu. Von den 28 vertretenen Unternehmen waren meiner Ansicht nach die folgenden fünf die Highlights der Konferenz:

wikifolio-trader-analysieren

Einhell | Gartengeräte sollen denken können

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Auch für Einhell ist dieses Thema zunehmend interessant, wenngleich der Finanzvorstand Jan Teichert noch nicht zu viel darüber verraten wollte. Man habe jedoch ein Projekt dazu initiiert. Zudem sei man eine Kooperation mit einem Haushaltsgerätehersteller eingegangen, um die Power X-Change Technologie auch dafür einsetzen zu können. Hierbei handelt es sich um einen Akku, der bislang bei Einhell für alle Geräte einsetzbar ist und auch zukünftig als Option für Haushaltsgeräte nutzbar sein soll. Neben dem Fokus auf die Etablierung der Marke will man auch die regionale Expansion weiter forcieren und befindet sich hierzu beispielsweise in fortschreitenden Gesprächen bezüglich eines Markteintritts in den USA. Nebenbei hatte Einhell am Montag vorläufige Zahlen zum ersten Quartal veröffentlicht, die erneut ein Umsatzplus von 12,3 Prozent und einen Anstieg beim Vorsteuerergebnis von 22,5 Prozent zeigten. Entsprechend dürfte sich die Jahresprognose im Verlauf einmal mehr als konservativ herausstellen.

Mutares | Phantasie durch IPO der Tochtergesellschaft

Pünktlich zur MKK hatte Mutares am Montag den geplanten Börsengang der Tochtergesellschaft STS angekündigt, über den bereits seit einigen Wochen spekuliert worden war. Aufgrund von Marktgerüchten hatte das Unternehmen selbst bereits Anfang März mögliche Exit-Optionen für die Gesellschaft in Aussicht gestellt. Am 31. Dezember 2017 wurde STS bei Mutares mit einem Wert von rund 220 Millionen Euro im Net Asset Value (NAV) von insgesamt knapp 400 Millionen (per 30. September 2017: 322 Millionen Euro) berücksichtigt. Im Rahmen des IPO will STS rund 50 Millionen Euro über eine Kapitalmaßnahme einnehmen, begleitet von weiteren Platzierungen durch Mutares, ohne dass diese dabei allerdings die Mehrheit verlieren. Aufgrund der Reputation der begleitenden Bank Hauck & Aufhäuser, die in den vergangenen Monaten zahlreiche Börsengänge begleitet hat, dürfte die Bewertung im Rahmen des IPO durchaus die Marke von 300 Millionen Euro erreichen und somit für einen weiteren signifikanten Anstieg des NAV sorgen.

Cyan | Mit Security-Lösungen in neue Umsatz- und Ergebnisdimensionen

Nur knapp ein Monat nach dem Börsengang präsentierte sich Cyan erstmals auf der Münchener Kapitalmarktkonferenz. Das Beachtliche: Der gegenwärtigen Marktkapitalisierung von 200 Millionen Euro bei einem Aktienkurs von rund 24 Euro stehen für 2017 lediglich Umsätze von knapp über vier Millionen Euro zur Verfügung. Der Fokus liegt daher klar auf der Zukunft. Hierbei will das Unternehmen durch Mobile Security Lösungen in den kommenden Jahren dynamisch wachsen. So habe man eine Auftragspipeline von über 40 Projekten, die sich potenziell realisieren lassen können. Dabei adressiert Cyan insbesondere die Telekommunikations- und Finanzbranche, um diesen für deren Kunden über White-Label-Produkte eine Sicherheitslösung anzubieten. Der Vorstand verrät dabei: Im Neukundengeschäft erziele man EBIT-Margen von 80 Prozent, wodurch das extrem hohe Skalierungspotenzial deutlich wird. Auch Analysten erwarten in den kommenden Jahren EBIT-Margen von bis zu 70 Prozent. Kann das Unternehmen durch den zunehmenden Bedarf an Sicherheitslösungen auf mobilen Endgeräten einen Teil der Aufträge erhalten, dürfte einem starken Umsatz- und Ergebniswachstum in den kommenden Jahren nichts im Wege stehen.

mVISE | White Label Lösungen bergen hohes Skalierungspotenzial

Das erste Mal auf der MKK präsentierte sich auch die mVISE AG aus Düsseldorf. Nachdem Vorstand Manfred Götz Anfang März die neue Mittelfristprognose 2018+ vorgestellt hatte, strotzte dieser nur so vor Optimismus. Insbesondere im Produktgeschäft, das bis 2020 rund die Hälfte der Umsätze ausmachen soll, will man in den kommenden Jahren dynamisch wachsen. Bereits 2018 soll der Umsatz auch durch anorganische Effekte von knapp 15 Millionen auf rund 25 Millionen Euro ansteigen. Bis 2020 soll dann organisch die Marke von 35 Millionen Euro erreicht werden - bei einer EBIT-Marge von 15 Prozent nach sieben bis neun Prozent in diesem Jahr. Auch sind weitere Partnerschaften für die White Label Lösung der Tochtergesellschaft elastic.io nicht unwahrscheinlich. Das hochmargige Geschäft würde die Prognose entsprechend untermauern und macht die Aktie somit zunehmend interessanter.

Vectron will sich wandeln

Zu den absoluten Highlights der Konferenz dürfte aber mit Sicherheit die Präsentation von Oliver Kaltner, seit Anfang Februar Vorstandsvorsitzender von Vectron Systems, gehört haben. Der ehemalige CEO von Leica Camera und Microsoft-Manager will das Unternehmen durch eine digitale Transformation führen und im Zuge dessen auf der diesjährigen Hauptversammlung am 17. Mai eine Änderung des Geschäftsmodells beschließen. So soll Vectron zukünftig nicht mehr klassischer Anbieter von Kassensystemen sein, sondern ein Datencenter für den Gastronomiebereich bilden, wobei die Kassen als Schnittstelle dienen sollen. Ein Bestandteil soll dabei auch die Kooperation mit Coca Cola sein. Die kommenden Monate dürften daher weiter spannend bleiben.


Lukas Spang ist wikifolio-Trader und betreut als „Junolyst“ die beiden wikifolios „Chancen suchen und finden“ sowie „Top Pics of the Year“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen seiner wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung.