Fast viermal so gut wie der DAX – nur durch kurze Pausen

Einer der größten Vorteile beim Handel von Wertpapieren auf wikifolio.com sind ohne Zweifel die fehlenden Transaktionskosten. Das ist gerade bei der Umsetzung von Strategien mit einer vergleichsweise hohen Trade-Frequenz ein echter Pluspunkt.

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Quelle: unsplash.com

Zumindest dann, wenn die gehandelten Papiere mit einem engen Spread angeboten werden. Bei Exchange Traded Funds (mit oder ohne Hebel) auf die großen Aktienindizes ist das in der Regel der Fall. Vor diesem Hintergrund haben wir mit großem Interesse die vor Kurzem im „Daily Trading“-Newsletter von HSBC erschienenen Analysen zur Saisonalität registriert. Dort wurden in den über die Archiv-Funktion weiterhin abrufbaren Ausgaben vom 12. und 21. Oktober spannende Fakten zu den Renditen einzelner Kalendertage im DAX, S&P 500 und MSCI World Index vorgestellt. Analysen, die auch für viele wikifolio-Trader von Bedeutung sein könnten.

Von frischen Geldern und Verfallstagen

Das über alle drei Indizes sowie mehrere Jahrzehnte hinweg einheitliche Fazit lautet: „Meide die Mitte.“ Wobei der Begriff der Mitte dabei nicht zu eng interpretiert werden sollte. Den Berechnungen zufolge verfügt nämlich der Zeitraum zwischen dem 19./20. und 24. Kalendertag über einen negativen Erwartungswert. Soll heißen: Die Performance der Indizes war an diesen Tagen im Durchschnitt der vergangenen 32 (beim DAX) bzw. 44 Jahre negativ. Entsprechende Investments hätten Anlegern in dieser Phase also tatsächlich Verluste beschert.

Ganz anders sah das rund um den Monatswechsel aus, wo in der Vergangenheit überdurchschnittlich hohe Renditen generiert wurden. Beim MSCI World zum Beispiel hätten Investoren seit 1976 zwei Drittel der gesamten Index-Performance verpasst, wenn sie den 31. sowie die ersten beiden Kalendertage eines Monats nicht am Markt gewesen wären.

Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen ist, dass zu Monatsbeginn durch Gehaltszahlungen und über Wertpapier-Sparpläne regelmäßig frische Gelder in den Markt fließen, was zu einer stärkeren Nachfrage nach Aktien in diesem Zeitraum führt. Die schwache Phase in der zweiten Monatshälfte hingegen könnte nach Ansicht der HSBC-Analysten mit dem vorangegangenen Verfallstermin an den Terminbörsen zusammenhängen, der stets am dritten Freitag im Monat ansteht. Woran auch immer es liegt, die Unterschiede sind auffällig.

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Durchschnittliche Performance des DAX nach Kalendertagen

An den Kalendertagen 20 bis 24 musste man in der Vergangenheit nicht investiert sein - da gab's meist nur Verluste.

Von Tagesrenditen und Erfolgsquoten

Bei PLATOW Derivate haben wir deshalb ebenfalls die Backtest-Maschinen angeworfen und verschiedene Berechnungen für den DAX durchgeführt. Im Detail kommen wir dabei an manchen Tagen zwar zu leicht abweichenden Ergebnissen, was mit einer unterschiedlichen Datenbasis zusammenhängt. Zumindest für die 80er-Jahre liefern die Datenanbieter (Refinitiv und vwd research) teils unterschiedliche Schlusskurse für den deutschen Aktienindex. Unter dem Strich kommen wir aber trotzdem zu demselben Fazit wie HSBC. 

An den ersten beiden Kalendertagen sehen wir zum Beispiel eine durchschnittliche Performance von 0,19 bzw. 0,18 Prozent. Das ist deutlich mehr als die 0,04 Prozent, die der DAX seit 1988 insgesamt pro Handelstag zulegen konnte. Die Tage 21 bis 24 hingegen weisen im Schnitt allesamt eine negative Performance aus, die von minus 0,04 bis minus 0,10 Prozent reicht. Dass diese Werte nicht durch einzelne Ausreißer entstanden sind, zeigen die von uns ermittelten Zahlen zum Verhältnis zwischen positiven und negativen Ergebnissen. Der Anteil der Tage mit einem Kursplus liegt am ersten Kalendertag zum Beispiel bei 60 Prozent und am zweiten Tag bei 57 Prozent. Demgegenüber sehen wir bei dieser Berechnung zwischen dem 21. und 24. Tag bis auf eine Ausnahme nur Werte zwischen 48 und 51 Prozent.

Was aus einem Einsatz von 100 Euro geworden wäre

Wer nun denkt, die Unterschiede bei den Tagesrenditen wären ja überschaubar und daher zu vernachlässigen, der sollte unbedingt einen Blick auf die daraus über einen längeren Zeitraum hinweg resultierenden Effekte werfen.

Die Tabelle zeigt, was in den vergangenen 33 Jahren aus einem Einsatz von 100 Euro geworden wäre, wenn Anleger ihr Geld immer nur in bestimmten Phasen in den DAX investiert hätten. Bei allen Berechnungen haben wir vorausgesetzt, dass jede Transaktion immer zum Xetra-Schlusskurs durchgeführt wurde.

Monatlicher Einstieg zum
Schlusskurs am
Kalendertag
Monatlicher Ausstieg zum
Schlusskurs am
Kalendertag
Endergebnis
bei 100 Euro
Startkapital (in Euro)
Performance
(01.01.1988 bis
05.11.2020)
20 24 39 -61%
19 24 30 -70%
18 24 32 -68%
17 24 39 -61%
16 24 45 -55%
15 24 68 -32%
14 24 70 -30%
13 24 80 -20%
12 24 105 5%
11 24 77 -23%
10 24 78 -22%
9 24 62 -38%
8 24 59 -41%
7 24 63 -37%
6 24 65 -35%
5 24 62 -38%

Wer durchwegs vom Start bis zum Ende in den DAX investiert war, hätte unterm Strich aus den 100 Euro Startkapital 1.232 Euro gemacht - ein Plus von 1.132 Prozent

Monatlicher Einstieg zum
Schlusskurs am
Kalendertag
Monatlicher Ausstieg zum
Schlusskurs am
Kalendertag
Endergebnis
bei 100 Euro
Startkapital (in Euro)
Performance
(01.01.1988 bis
05.11.2020)
24 13 1.531 1.431%
24 14 1.765 1.665%
24 15 1.806 1.706%
24 16 2.730 2.630%
24 17 3.173 3.073%
24 18 3.861 3.761%
24 19 4.145 4.045%
24 20 3.135 3.035%
24 21 2.530 2.430%
24 22 1.849 1.749%

Bemerkenswert ist dabei vor allem der zuletzt betrachtete, relativ lange Zeitraum, wo trotz der durchweg positiven Phase zwischen dem 13. und 19. Kalendertag unter dem Strich ein Minus steht. Der Blick ins Detail zeigt, dass hier vor allem in den Crashphasen zu Beginn des Jahrtausends und 2008/09 massive Verluste entstanden sind. Von 1996 bis Anfang 2000 hätte man seinen Einsatz bei diesem Anlagezeitraum hingegen verdoppeln können. Solche Detail-Analysen zeigen, dass Backtest-Ergebnisse keine Garantie darstellen, dass es auch in Zukunft immer genauso läuft.

Zum Vergleich: Bei einem Buy-and-Hold-Investment im DAX wären aus den Anfang 1988 investierten 100 Euro bis zum 5. November dieses Jahres 1.232 Euro geworden, ein Plus von „nur“ 1.132 Prozent. Die kurze Investmentpause zwischen dem 20. und 24. Kalendertag hätte Anlegern also einen fast viermal so hohen Ertrag beschert, wobei hier noch keine Kosten berücksichtigt wurden.

Fazit: Solche Analysen liefern viele spannende Anhaltspunkte, die Trader bei der Entwicklung neuer oder der Optimierung bereits bestehender Strategien nutzen können. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Vergangenheit nicht eins zu eins in die Zukunft projizieren lässt. Außerdem fallen in der Praxis Gebühren bei den Produkten sowie durch regelmäßige Umschichtungen (hier zum Beispiel zwei Transaktionen pro Monat) auch indirekte Kosten in Form des Spreads zwischen Geld- und Briefkurs an. Dennoch: Der Aktienmarkt ist offenbar an manchen Tagen attraktiver als an anderen.


 

Disclaimer: Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte (ISSP) und geprüfter Zertifikateberater (EDA). Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist schwerpunktmäßig mit dem Markt für Zertifikate und Hebelprodukte. Zuvor war er über fünf Jahre beim PLATOW Brief als Börsenredakteur tätig. Dort rief er Mitte 2004 den Newsletter „PLATOW Derivate“ ins Leben, für den er auch heute noch hauptverantwortlich tätig ist. Für PLATOW betreut er zudem die wikifolios PLATOW Trend & Sentiment und PLATOW Trend & Sentiment 2.0 sowie das Dachwikifolio PLATOW Best Trader Selection. Daneben schreibt auch für das Fachmagazin „Der Zertifikateberater“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen der wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung.

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