14.09.2018| Von: Christian Scheid |

 

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Die MorphoSys-Aktie gehört zu den Stars am deutschen Aktienmarkt. Allein zwischen Mitte 2016 und Mitte 2018 ist der Kurs um mehr als 250 Prozent auf fast 125 Euro geklettert, ehe Gewinnmitnahmen einsetzten. Im Zuge der Indexreform durch die Deutsche Börse werden die Papiere ab dem 24. September in den MDAX aufgenommen. Die Zugehörigkeit zum TecDAX-Index, dem der Titel bereits seit 2004 angehört, bleibt bestehen. Wie geht es für das Unternehmen nun weiter? 

 

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100 Programme in der Pipeline

MorphoSys ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das bis in die späten Phasen der klinischen Entwicklung aktiv ist. Die Gesellschaft hat sich auf innovative und differenzierte Therapien für Patienten mit schweren Erkrankungen verschrieben. Basierend auf seinen proprietären Technologieplattformen und seiner führenden Rolle auf dem Gebiet therapeutischer Antikörper hat MorphoSys gemeinsam mit Partnern eine Wirkstoffpipeline mit mehr als 100 Programmen in Forschung und Entwicklung aufgebaut, von denen sich derzeit 29 in der klinischen Erprobung befinden.

Diese breite Pipeline umfasst zwei Geschäftsfelder: Im Segment „Proprietary Development“ investiert das Unternehmen in die Entwicklung seiner eigenen Wirkstoffe. Im Segment „Partnered Discovery“ werden Produktkandidaten im exklusiven Auftrag von Partnern aus der Pharma- und Biotechnologieindustrie erzeugt. 2017 erhielt das Mittel Tremfya (Guselkumab), vertrieben vom Partner Janssen, als erster therapeutischer Antikörper auf Basis der von MorphoSys entwickelten Technologie die Marktzulassung für die Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte in den USA, der Europäischen Union und Kanada.

Bilanz ohne Überraschungen

Die jüngsten Quartalszahlen enthielten keine negativen Überraschungen. Der Konzern hat zwischen April und Juni wegen einer beendeten Partnerschaft mit dem Schweizer Pharmakonzern Novartis erwartungsgemäß weniger umgesetzt und verdient. Die Erlöse sind um fast ein Drittel auf 8,1 Millionen Euro gesunken. Der operative Verlust (Ebit) weitete sich um mehr als die Hälfte auf 24,1 Millionen Euro aus. Unter dem Strich stieg das Minus wegen höherer Ausgaben für Forschung und Entwicklung um 46 Prozent auf 23,5 Millionen Euro.

Mitte Juli sorgte MorphoSys aber für positive Schlagzeilen. In einer neuen Kooperation mit Novartis geht es um das Wirkstoffprogramm MOR106, das gegen Neurodermitis entwickelt wird. Für diese Lizenzvereinbarung haben die Münchner die kartellrechtliche Freigabe bereits erhalten. Damit wird die vereinbarte Vorauszahlung von 95 Millionen Euro fällig. Das Unternehmen hat daher die Prognose für das Gesamtjahr 2018 angehoben. Der Umsatz soll bei 67 bis 72 Millionen Euro statt bei bis zu 25 Millionen Euro landen. Auch der operative Verlust soll geringer ausfallen als bislang veranschlagt.

Blutkrebs-Antikörper auf Schiene

Viel wichtiger: MorphoSys-Finanzvorstand Jens Holstein ließ durchblicken, dass für den Antikörper MOR208 ein Zulassungsantrag bei der US-Medikamentenaufsicht FDA „bis Ende 2019“ ins Auge gefasst werde. Der Manager zeigte sich zuversichtlich, dass das bei Blutkrebs eingesetzte Mittel bereits 2020 auf dem Markt sein könnte. Das Marktvolumen für solche Mittel wird weltweit auf mehrere Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt. Mit anderen Worten: Eine Zulassung wäre der endgültige Durchbruch für die Deutschen.


Christian Scheid ist wikifolio-Trader und betreut als „Scheid“ gleich mehrere wikifolios. Die beiden - gemessen am investierten Kapital bedeutendsten - sind „Special Situations“ sowie „Special Situations long/short“. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung.