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Brutal stark, brutal teuer – das SpaceX-Paradoxon auf wikifolio

SpaceX ist kaum an der Börse – und schon gibt Elon Musk in gewohnter Manier Wahnsinns-Ziele aus. 1 Billion Dollar Umsatz könnte der Raumfahrt- und KI-Konzern schon 2030 machen, so Musk. Der Aktie, die seit 12. Juni an der Nasdaq notiert, schadet das nicht. Im Gegenteil: Sie schloss gestern 43 % über dem IPO-Ausgabepreis.

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Quelle: wikifolio.com, artlist

Bei einem Kurs von 192,5 Dollar kam SpaceX damit zuletzt auf eine Marktkapitalisierung von knapp 2,5 Billionen Dollar. Das Unternehmen von mittlerweile Billionär Elon Musk liegt damit im Nasdaq 100-Ranking auf Platz 5 – knapp vor dem Onlineversandhändler Amazon.

Allerdings ist Amazon aktuell mit einem Jahresumsatz von rund 742 Milliarden Dollar das umsatzstärkste Unternehmen der Welt. SpaceX indes kam 2025 auf einen Umsatz von gerade einmal 18,67 Milliarden Dollar. Um die von Musk prognostizierte Umsatzbillion zu knacken, müsste SpaceX den Umsatz also binnen 5 Jahren um das 53fache steigern.

Mit anderen Worten: Die SpaceX-Aktie ist absurd teuer – sie handelt aktuell bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von ca. 130. Zum Vergleich: Amazon steht bei 3,5. Nvidia kommt auf 20 und auch die Google-Mutter Alphabet auf nur 11.

Fakt ist: Das Börsen-Debut ist geglückt, was sicherlich viele Gründe hat. Der Musk-Faktor ist einer, der generelle Raumfahrt- und KI-Hype ein weiterer. Aber auch die Ausgestaltung des IPOs stützt gelinde gesagt die Kurse. Hier nochmal die IPO-Besonderheiten kurz zusammengefasst:

Free Float bei nur 4,9 %

Die Gesamtzahl der ausstehenden Aktien beläuft sich nach dem Börsengang laut Reuters auf etwa 13,08 Milliarden Stück. Insgesamt wurden am Ende knapp 639 Millionen Aktien für die Öffentlichkeit ausgegeben. Das entspricht einem ungewöhnlich kleinen Streubesitz (Free Float) von nur etwa 4,9 % – ein typischer Börsengang liegt bei 10 bis 20 % Free Float. Während SpaceX per Montag-Schlusskurs also auf eine Marktkapitalisierung von insgesamt 2,5 Billionen Dollar kommt, liegt die Streubesitz-Marktkapitalisierung bei nur ca. 123 Milliarden Dollar.

Die verbleibenden 95 % an SpaceX werden von Elon Musk, anderen frühen Investoren und Mitarbeitern gehalten und unterliegen strengen Sperrfristen (Lock-Up-Period) – können also unmittelbar nicht verkauft werden. wikifolio Trader Wolfhard Nico Schulze ( Trendaktien Power ) kommentiert: „Die Bewertung von SpaceX ist meilenweit von Vernunft entfernt, allerdings muss man auch bedenken, wie viel Anteil nur Musk daran hat. Würde man diesen abziehen, stünde die Aktie vermutlich unter 100 Dollar. Musk verknappt das Angebot an Aktien, was zwangsläufig zu höherer Bewertung führen muss. Da zudem noch viele Aktien im Lock-Up sind, gibt es fast nur Käufer. Enden diese Sperrfristen werden einige Kasse machen und die Aktie wieder günstiger.“

Die Sperrfrist endet laut Börse Stuttgart übrigens nicht wie üblich nach einer 180tägigen Haltefrist, sondern gestaffelt: So werden etwa nach der Vorlage der Ergebnisse zum zweiten Quartal (zwischen Ende Juli und Mitte August 2026) bis zu 20 % der Aktien für berechtigte Kern-Insider und frühe Investoren freigegeben. Weitere 10 % werden frei, wenn der Aktienkurs in fünf von zehn aufeinanderfolgenden Tagen bei zumindest 175,50 Dollar handelt. Nach den Q3-Ergebnissen können weitere 28 % der Aktien von Insidern verkauft werden usw. Nach 180 Tagen ist letztlich der gesamte Bestand liquidierbar. Mehr Details dazu auf dem Börse Stuttgart-Blog.

„Forced Buying“ durch „Fast Entry“

Der geringe Streubesitz in Kombination mit den Sperrfristen trifft außerdem auf „forced buying“ –eine künstlich geschaffene Nachfrage, was die Volatilität erhöht und den Kurs zum IPO ebenfalls befeuert hat. Denn SpaceX wird voraussichtlich bereits am 6. Juli in den Nasdaq 100 aufgenommen werden – nur 15 Handelstage nach dem IPO. Dadurch wird die Aktie für viele ETFs, die den Index nachbauen, schnell zu einem Pflichtbestandteil und damit zu einem Pflichtkauf. Analysten schätzen, dass daraus automatisch bis zu 10 Milliarden Dollar an Nachfrage nach SpaceX-Aktien resultiert.

Wer einen ETF auf den Nasdaq 100 hält, wird also schon in wenigen Tagen – gewollt oder nicht – Aktionär auch von SpaceX. Allerdings dürfte die Gewichtung im Index und somit auch in den ETFs gering sein. Denn für die Gewichtung ist der Streubesitz entscheidend. Der wird von der Nasdaq für besonders große IPOs zwar nochmal nach oben modifiziert, unterm Strich dürfte sich aber laut Berechnungen von Berenberg und BNP Paribas „nur“ ein Indexgewicht von ca. 1 % für SpaceX ausgehen – trotz einer Marktkapitalisierung von 2,5 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Amazon ist aktuell im Nasdaq 100 mit einem Anteil von 6,7 % vertreten.

Mehr zu den Hintergründen des SpaceX-IPOs und zu Raumfahrtaktien auf dem wikifolio.com Blog: „Weltraum ist gerade der heißeste Scheiß“

Kritische Stimmen aus der wikifolio Community

Nicht nur wikifolio Trader Schulze hegt Zweifel an der Bewertung der Aktie. Marcel Stark verzichtet in seinem wikifolio Global Nascent Opportunities ebenfalls auf SpaceX: „Selbst die stärksten Hypergrowth-Software-Companies wie Snowflake, Cloudflare oder Datadog wurden auf dem Höhepunkt 2021 mit 40-60x Umsatz gehandelt und sind 2022/23 auf 10-15x korrigiert. SpaceX hat ein Hardware-lastiges Geschäftsmodell mit deutlich niedrigeren Margen als Software. Der Rekord-IPO zieht Retail-Kapital an, das sich weder mit der Bewertung noch mit den Lock-Up/Vesting-Strukturen beschäftigt hat. Sobald die ersten Insider-Tranchen frei werden und das Angebot an frei handelbaren Aktien steigt, trifft Limited Float auf reale Bewertungsansprüche. Das wird kein sanftes Repricing. Chapeau, wer hier einen schnellen Trade setzen konnte!“

Auch Florian Riediger ( TSI Strategie Nasdaq-Werte ) ist skeptisch: „SpaceX steht nach zwei Handelstagen bei rund 2,6 Billionen Dollar, die Aktie über 40 % über dem Ausgabepreis. Und jetzt die eigentliche Pointe – Musk hält etwa 42 % und hat damit auf dem Papier innerhalb weniger Tage mehr Buchgewinn gemacht, als Warren Buffett Zeit seines Lebens überhaupt an Vermögen aufgebaut hat. Lass das kurz sacken: Was der vielleicht beste Investor aller Zeiten über ein ganzes Leben mühsam zusammengetragen hat, holt Musk gefühlt an einem Nachmittag rein. Der Haken bleibt derselbe: Buffetts Milliarden sind echtes, verdientes Kapital – Musks Billionen sind Bewertung, davon laut eigener Aussage unter 0,1 % Cash. Der eine hat ein Vermögen gebaut, der andere eine Erzählung. Beeindruckend ist beides - nur die Nachhaltigkeit der SpaceX-Bewertung muss sich noch zeigen. Ich erwarte deutlich tiefere (bessere Einkaufskurse) in den nächsten 12 Monaten.“

Kritisch äußerte sich auch Yavuz S. Kücük schon vor dem IPO. Der Trader kommt in seinem wikifolio TITANS vorerst entsprechend ohne SpaceX aus: „Wer mir länger folgt, weiß, dass ich extremes Wachstum liebe – aber ich hasse es, für die bloße Hoffnung auf Perfektion Mondpreise zu bezahlen. Wer die nackten mathematischen Realitäten analysiert, erkennt schnell, dass SpaceX auf diesem Bewertungsniveau fundamental absolut überbewertet ist. Ich sage ganz unmissverständlich: Bleibt diesem Titel fern.“ Seine vollständige Analyse gibt’s auf Substack: SpaceX IPO – warum der größte Hype des Jahrzehnts eine fundamentale Falle ist

Diese wikifolio Trader sind dabei

Heinrich Völkerer dürfte eine diametral andere Meinung zu SpaceX haben. Aktuell ist die Aktie mit einem Anteil von 2,6 % in seinem wikifolio GlobalAlong vertreten – die Position lag zuletzt 22 % im Plus. „Spacex-Börsengang – das wikifolio GlobalAlong ist mit am Start! Einer der größten Pioniere und Visionäre unserer Zeit. Unfassbar, was er schon alles auf die Beine gestellt hat. Für mich schlicht unvorstellbar, wie ein einzelner Mensch so massiv mit Erfolg gesegnet ist. Bravo, Elon Musk – brachial, brutal, starke Leistung“, so Völkerer euphorisch.

Gabriel Vogel verleiht seinem Optimismus noch deutlich höheres Gewicht. Die SpaceX-Aktie ist schon jetzt die zweitgrößte Position in seinem wikifolio Intelligent Mobility of Tomorrow . Vogel hat am Freitag und auch gestern Montag zugeschlagen. Insgesamt kommt SpaceX nun auf einen wikifolio Anteil von 16,4 %. Eine größere Position hält Vogel nur in Tesla . Das zweite Musk’sche Unternehmen stemmt 34,2 % des wikifolios. Am Freitag kommentierte Vogel wie folgt: „Ich erwarte anfangs viel Volatilität der Aktie des Weltraum- und KI-Unternehmens SpaceX. Interessant ist zu Beginn auch, dass nun der erste der aussichtsreichen KI-Entwickler an der Börse ist - wenn Anthropic und OpenAI folgen, könnte sich die Poleposition in der Wertentwicklung positiv widerspiegeln. Mittel- bis langfristig sehe ich besonders Starlink und Chipfabriken als Gewinnbringer bzw. Umsatztreiber.“ Aktuell liegt Vogel bei SpaceX mit 17,8 % im Plus.

Auch Mark Winter hat sich für sein Themen-wikifolio Raumfahrt im 21. Jahrhundert bei SpaceX eingekauft. Und dennoch hält er eine Korrektur der Aktie in der nächsten Zeit für wahrscheinlich. Am Freitagabend nach dem IPO formulierte er daher vorsichtig optimistisch: „Im Vorfeld wurde viel über den Börsengang berichtet, teilweise auch kontrovers. Wobei sich aber fast alle einig sind, ist die sehr hohe Bewertung. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist 10x so hoch wie das von Google. Die Vergangenheit zeigt, dass die Aktien hoch bewerteter Unternehmen in den Monaten nach dem Börsengang teilweise nochmal etwas nachgeben. Im Falle von SpaceX wird es vermutlich ähnlich ablaufen, sodass ich heute erstmal nur eine kleine Position ins wikifolio aufgenommen habe, die ich in den nächsten Monaten sukzessive ausbauen werde. SpaceX ist und bleibt für mich bis auf Weiteres das spannendste Unternehmen im Bereich der Raumfahrt und ich werde die weitere Entwicklung gespannt verfolgen.“

SpaceX vs. Amazon – 11:48 „Strong Alphas“

SpaceX war zu Redaktionsschluss für diesen Beitrag in insgesamt 87 investierbaren wikifolios vertreten – 11 davon tragen die Auszeichnung „Alpha Strong“. Die entsprechenden Trader konnten bislang vom Markt unabhängige Outperformance (Alpha) erzielen, wie zum Beispiel auch Mark Winter. Um den Amazon-Vergleich nochmal zu bedienen: Der Onlineversandhändler steckt in 1.517 investierbaren wikifolios – 48 lieferten in der Vergangenheit „Alpha Strong“.

Dass Amazon hier die Nase vorne hat, ist aber nicht weiter verwunderlich. Schließlich wird Amazon deutlich weniger kontrovers diskutiert als SpaceX, ist deutlich profitabler und deutlich länger an der Börse. Für SpaceX indes ist es erst Tag 3 auf dem Parkett. Selbst wenn Gewinne Mangelware sind, der Hype ist echt: 488x wurde die Aktie seit dem Börsen-Debut auf wikifolio.com bereits getradet. Und damit in dieser kurzen Zeit deutlich öfter als Amazon. Das Bezos‘ Papier kommt „nur“ auf 182 Trades in sieben Tagen. Zumindest für kurzfristige Trades scheint die SpaceX-Aktie also bestens geeignet. Alles Weitere wird sich in den nächsten Monaten zeigen – auch in den wikifolios der Top-Trader.

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