26.06.2018| Von: Nikolaos Nicoltsios |

Erinnern Sie sich noch an den Tag der jüngsten EZB-Sitzung? Es war der 14. Juni, als die Europäische Zentralbank mit ihrem Statement zu Zinsen und Anleihekäufen eine unerwartete Rallye an den Aktienmärkten auslöste. Der Dax stieg auf knapp 13.200 Punkte und sorgte für viele strahlende Gesichter rund um das Börsenparkett. Keine zwei Wochen später ist von dieser Euphorie nichts mehr zu spüren. Der deutsche Leitindex hat innerhalb von sieben Handelstagen 900 Punkte oder sieben Prozent an Wert verloren - selbst die bislang so stabilen Tech-Werte in den USA fangen an zu straucheln (Mehr dazu hier: Wenn sich zwei streiten...).

Der erhoffte und nach der EZB-Rallye von vielen auch erwartete Durchmarsch auf neue Jahreshochs ist damit vom Tisch. Stattdessen übernehmen die Crash-Propheten langsam aber sicher das Zepter und warnen davor, dass dies nur der Anfang einer wirklich heftigen Korrektur an den Aktienmärkten sei. Ob die Dauermahner diesmal Recht behalten, wird die Zukunft zeigen. Fakt ist aber, dass die Anfang 2016 gestartete Aufwärtsbewegung beim Dax in diesem Jahr spürbar an Dynamik verloren hat. So „leicht“ wie in den beiden Vorjahren lässt sich 2018 an der Börse kein Geld mehr verdienen.

Oberstes Gebot: Runter mit dem Risiko

Auch für die Akteure bei wikifolio.com ist das Umfeld an den Märkten deutlich anspruchsvoller geworden. Vielen Tradern gelingt es dennoch, die gute Performance der Vergangenheit erfolgreich zu verteidigen und die Drawdowns im gewohnten Rahmen zu halten. Dabei steht die Reduzierung der Risiken innerhalb der Musterdepots fast immer ganz oben auf der Agenda.

Als Paradebeispiel dafür dient der hauptberuflich als Daytrader agierende Michael Flender („GoldeselTrading“), dessen wikifolios „Goldesel-Trading” und „Goldesel-Investing” bei Investoren wohl auch deshalb sehr beliebt sind. Bei beeindruckenden Performance-Werten von 161 Prozent (seit Oktober 2013) bzw. 44 Prozent (seit Oktober 2016) konnte der jeweilige Maximalverlust bislang auf 14 bzw. sieben Prozent begrenzt werden. Nochmal zum Vergleich: Diese sieben Prozent hat der Dax innerhalb der letzten 1,5 Wochen verloren.

Auf den klassischen Weg der Depot-Absicherungen verzichtet der Trader dabei. Der Handel mit Hebelprodukten ist durch das gewählte Anlageuniversum per se ausgeschlossen. Stattdessen steuert er seine Portfolio-Risiken allein über eine sehr flexible Cash-Quote, die bei beiden wikifolios aktuell bei über 40 Prozent liegt.

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Geduldiges Warten auf Panik-Verkäufe

Doch auch das ist ja erst mal nur die halbe Miete, denn selbst nach einem rechtzeitig erfolgten (Teil-)Ausstieg stellt sich jedes Mal aufs Neue die Frage nach dem optimalen Wiedereinstieg. Hier wartet Flender geduldig auf ganz bestimmte Konstellationen am Markt, wie sein Kommentar heute Morgen belegt: „Der Dax ist gestern Nachmittag weiter stark eingebrochen. Die US-Börsen waren auch sehr schwach, konnten aber kurz vor Handelsschluss etwas zulegen, da es im Weißen Haus ein Dementi zu den in der Presse diskutierten US-Verboten von chinesischen Investitionen in den USA gab. Ob die kleine Erholung heute aber nachhaltig ist, bezweifele ich stark. Ich bleibe daher erstmal vorsichtig und greife nur bei größeren Panikbewegungen zu.“

Dieses Vorgehen hatte er bereits am Vortag angedeutet: „Ich liege auf der Lauer für Käufe in der Panik, aktuell ist es aber noch zu früh, denke ich. Viele Aktien sind zwar schon außerhalb der Bollingerbänder und damit stark überverkauft, die Gemengelage an den Märkten mit vielen belastenden Faktoren ist aber zu hoch, um jetzt schon stärker zuzugreifen.“ Zugegriffen hat er seitdem lediglich bei der Aktie von Infineon, da er bei dem Chiphersteller mit einer „starken Erholung“ rechnet, „sobald der Markt etwas hochzieht“.

Fokus auf „marktunabhängigen“ Aktien

Ebenfalls recht stabil präsentiert sich das wikifolio „AA+ Master-Trading ohne Hebel” von Axel Albietz („TraderOnkel“), der den Wert seines Musterdepots seit dem Start im März 2016 mehr als verdoppeln und den Maximum Drawdown gleichzeitig bei unter 12 Prozent halten konnte. Aktuell fehlen ihm gerade mal fünf Prozent bis zum Allzeithoch. Dabei ist das Portfolio mit derzeit 27 Aktien bestückt, die zusammen immerhin auf eine Gewichtung von 73 Prozent kommen. Für die dafür ungewöhnliche Stabilität im aktuellen Umfeld sind mehrere Gründe verantwortlich. So setzt der Trader bei den Einzelwerten gerne auf Aktien, deren Kurse nicht so stark von der Entwicklung an den Gesamtmärkten beeinflusst werden. Das trifft in der Regel auf Werte zu, die in keinem größeren Sammelindex vertreten sind und auch von den großen Fonds nur selten gehandelt werden (können).

Ein Beispiel dafür ist die mit sechs Prozent Depotanteil vertretene Aktie von Blue Cap, einer inhabergeführten Beteiligungsgesellschaft, die sich auf mittelständische Nischenunternehmen konzentriert. Der Depotwert ist in den vergangenen drei Monaten um 70 Prozent gestiegen und beschert dem frühzeitig eingestiegenen Trader insgesamt sogar schon ein Plus von 130 Prozent. Albietz kommentiert das entsprechend erfreut, weist gleichzeitig aber auch auf die Nachteile solcher Titel hin: „Blue Cap zieht heute auf ein neues Hoch. Der Wert ist absolut marktunabhängig, leider ist die Aktie aber auch nicht übermäßig liquide, was keine höhere Gewichtung zulässt.“

Absicherung durch Short-Investments

Ergänzend dazu wird das Portfolio durch den temporären Einbau von Short-Produkten ein Stück weit abgesichert. Aktuell befinden zwei jeweils mit fünf Prozent gewichtete Exchange Traded Funds (ETF) auf den Short DAX und den zweifach gehebelten Short DAX im Portfolio, die von fallenden Kursen profitieren und in den vergangenen Tagen entsprechend stark zulegen konnten. Wie sich die Risiken auch dadurch steuern lassen, zeigt der Trader mit folgender Rechnung: „Die Investitionsquote wurde nun weiter gesenkt. 75 Prozent Long-Bestand - (5 Prozent DAX-Short + 2x Short DAX * 5 Prozent) = ca. 60 Prozent Long-Bestand.“

Nach einer gerade erfolgten Analyse der Depot-Struktur hat sich der Trader zudem entschieden, die jeweilige Übergewichtung der Halbleiterbranche und der US-Aktien etwas zu reduzieren und sich „noch mehr auf starke Aktien“ zu konzentrieren. Mit all diesen Maßnahmen trägt er dem aktuellen Umfeld Rechnung: „Die Märkte, insbesondere der Dax, wirken momentan sehr schwach und saisonal sind wir nun in einer meist schwächeren Börsenphase.“

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