08.03.2017| Von: Andreas Kern |

Rund 40 Prozent hat der deutsche Leitindex DAX seit Februar 2016 zulegen können. Die überraschenden Ergebnisse bei der Abstimmung zum Brexit und der Wahl des neuen US-Präsidenten haben die Rally ebenso wenig aufhalten können wie die immer konkreter werdenden Aussichten auf steigende Leitzinsen in den USA. Kurz vor Erreichen des Allzeithochs rät die Commerzbank ihren Kunden nun aber, sich etwas defensiver zu positionieren und senkt die Aktienquote auf Neutral. Als Begründung verweisen die Analysten auf die mittlerweile sehr optimistische Stimmung unter den Anlegern sowie die als „nicht mehr günstig“ erachteten Bewertungsrelationen. Zudem könnten „politische Ereignisrisiken“ wie die anstehenden Wahlen in Europa für temporäre Rückschläge sorgen. Die bei wikifolio.com aktiven Vermögensverwalter können sich kurzfristig ebenfalls etwas unruhigere Zeiten vorstellen, zeigen sich mittel- bis langfristig aber zumeist bullish für die Aktienmärkte.

Aktien für Renditejäger alternativlos

Manfred Stiegel, Geschäftsführer bei MS Finance Support GmbH, ist vor allem mit Blick auf den „Haupttreiber Niedrigzins“ weiterhin sehr positiv für den DAX gestimmt: „Die Mehrzahl der Aktien ist in einem positiven Trend und eine nachhaltige Trendumkehr ist augenblicklich nicht zu erkennen“. In den kommenden Wochen sieht allerdings auch er die Gefahr, dass sich die Kurse möglicherweise nur seitwärts oder sogar leicht abwärts bewegen: „Der DAX ist stark von den amerikanischen Aktienmärkten abhängig und dort ist eine große Euphorie zu erkennen, was für die weitere Aufwärtsentwicklung bremsend wirkt“. Trotzdem sollten Investoren die Aktienquote hoch halten, sofern der Anlagehorizont und die persönliches Risikobereitschaft dies zulassen. „Der Anleger MUSS ins Risiko gehen, will er auf lange Sicht kein Geld verlieren“, erklärt der Portfoliomanager die Risiken reiner „Zinsanlagen“, deren Erträge zurzeit von der Inflation mehr als aufgezehrt werden.

Löst die Bundestagswahl einen Crash aus…

Nicht ganz so optimistisch liest sich die Prognose bei der Vermögensverwaltung Hinkel & Cie.. Direktor Marius Hoerner geht zwar tendenziell davon aus, dass sich die Aktienmärkte weiter positiv entwickeln, warnt gleichzeitig aber vor möglichen politischen Risiken, insbesondere in Deutschland. Die Wahlen in Frankreich dürften nach Ansicht der Anlageprofis zunächst nur kurzzeitig für Verunsicherung sorgen: „Stand heute gehen wir davon aus, dass Frau Le Pen zwar komfortabel in die Stichwahl kommt, aber nicht Präsidentin wird. Trifft dies so ein, wird sich die positive Entwicklung weiter fortsetzen“. Viel entscheidender soll dann aber die Bundestagswahl hierzulande werden: „Ab Mitte August können die Prognosen die Tendenz der Märkte bestimmen. Kommt es im September zu rot-rot-grün, erwarten wir drastische Kursverluste“.

…oder haben politische Börsen doch nur kurze Beine?

Dr. Hendrik Leber, Geschäftsführender Gesellschafter bei der ACATIS Investment GmbH, rät seinen Kunden hingegen, die Einflüsse aus der Politik nicht zu hoch zu gewichten: „Langfristig denken, Aktien halten, sich nicht beunruhigen lassen. Gute Aktien setzen sich durch, egal was Trump, LePen, Wilders usw. machen“. Als Argument für weiter steigende Kurse verweist er darauf, dass der DAX und auch viele andere europäische Aktien seiner Meinung nach immer noch recht günstig bewertet sind: „Das spricht für weiter steigende DAX-Kurse. Wenn nicht im nächsten Vierteljahr, so doch bis Jahresende“, zeigt sich der Portfoliomanager mittelfristig sehr zuversichtlich.