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Krieg in der Ukraine – wie Trader die Lage für die Börsen einschätzen

Russland hat die Ukraine angegriffen. Das Entsetzen über das Vorgehen des russischen Präsidenten ist groß. Sanktionen sind beschlossene Sache. Die Börsen gehen angesichts der Entwicklung auf Talfahrt. Kriegsgewinner sind rar gesät.

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Quelle: Max Kukurudziak, unsplash.com

Börsianer rechnen mit einer massiven Angebotsverknappung beim Öl. Der Ölpreis klettert auf 105 Dollar pro Fass. Die Aktienkurse der Branche steigen. Auch die Rüstungsindustrie profitiert. Die deutsche Rheinmetall zum Beispiel liegt am Nachmittag gut vier Prozent im Plus, während der DAX im selben Ausmaß verliert. Immerhin: Der deutsche Leitindex kann die 14.000 Punkte-Marke verteidigen, so scheint es. Mit der US-Eröffnung nimmt die Panik ab. Vorerst. Dramatisch ist der Abverkauf zum Beispiel bei den Banken. Die Deutsche Bank verliert 10 Prozent, die österreichische Raiffeisen Bank International 20. Aber auch die OMV -Aktie kommt unter die Räder - die umstrittene Pipeline Nordstream 2, an der der Ölkonzern beteiligt ist, liegt auf Eis. 

Was bedeutet der Krieg für die Börsen? Wie agieren Trader jetzt in ihren wikifolios? Und was können Anleger tun? Wir haben bei wikifolio-Tradern nachgefragt.

Das sagen die wikifolio-Trader

Florian Bub nutzt dem Namen seines wikifolios entsprechend das Marktsentiment zu seinen Gunsten.

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sorgte für starke Verunsicherung in den letzten Wochen. Ich fühle mit den betroffenen Menschen. Für die Börsen bedeutet der Einmarsch zwischenzeitlich nochmal mehr Volatilität, allerdings sind die News jetzt im Markt und ich halte Ausschau nach aussichtsreichen Aktien, die sich in den vergangenen Tagen gut gehalten haben. Sprich, ein zwischenzeitlicher Boden könnte gefunden werden. Wie immer werde ich mir vom Markt die Richtung zeigen lassen und mit kleineren Positionen das Wasser testen.

Florian Bub
FlorianBub

Stefan Waldhauser, der das wikifolio High-Tech Stock Picking führt, setzt auf die kurzen Beine der politischen Börsen, warnt aber vor übereilten Käufen:

Ich bin ein großer Fan der alten Börsenweisheit: „Politische Börsen haben kurze Beine“. Soll heißen: In wenigen Wochen werden die Marktteilnehmer die aktuelle Panik überwunden haben und sich wieder darauf besinnen, welchen Einfluss dieser Krieg auf die einzelnen Unternehmen haben wird.

Für die allermeisten westlichen Unternehmen werden sich die Geschäftsaussichten wohl nur unwesentlich ändern. Ich erwarte keine durch die Sanktionen ausgelöste Rezession, dafür ist Russland als Exportland zu unbedeutend.

Anlegern rate ich, zunächst mal Ruhe zu bewahren. Klar kann man heute Aktien kaufen, die man schon immer im Depot haben wollte, aber ich warne vor einem generellen Buy-The-Dip, solange die Lage derart unübersichtlich ist. 

Stefan Waldhauser
stwBoerse

Die Unsicherheit herrscht weiter vor, sagt Richard Dobetsberger, der seine wikifolios UMBRELLA und FuTecUS entsprechend umgeschichtet hat.

Der Einmarsch in die Ukraine ist eine Katastrophe! Vladimir Putin versucht dabei mit seinem verzerrten Geschichtsverständnis dieses Verbrechen zu legitimieren. Aktuell stellt sich die Frage, wo dieser Staatsterror enden wird.

Die Glaubwürdigkeit Russlands ist jedenfalls zerstört. Das Regime zeigt sein wahres Gesicht. 

Was heißt das für die Börse bzw. meine wikifolios? Eine Anpassung aller wikifolios ist schon in den letzten Wochen durchgeführt worden. Leider war aus meiner Sicht die aktuelle Situation augenscheinlich. Der Tenor geht seither in Richtung solider US-Dividendenwerte, Verteidigungsindustrie, als auch Rohstoffindustrie. Generell gilt es auf der Hut zu sein! Nicht nur geopolitisch, auch an der Börse bleibt die Unsicherheit vorherrschend.

Richard Dobetsberger
Ritschy

Elmar Peine sucht für Das Polit-Büro nach Auswirkungen der Politik, die der Markt mit seiner Skepsis vor politischen Börsen eher verzögert einpreist. Was das genau bedeutet, erklärt er wie folgt:

Um die ökonomischen Folgen des Krieges richtig einschätzen zu können, ist es für mich wichtig, sich vor Augen zu halten, dass das BIP von Russland deutlich niedriger als das von Italien ist und nicht einmal die Hälfte der deutschen Wirtschaftsleistung erreicht. Der Konflikt, wenn er denn militärisch auf die Ukraine begrenzt bleibt, wird schon deshalb kaum das Zeug haben, eine globale Krise auszulösen.

Aber es heißt ja: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“. Wo kann man aus meiner Sicht jetzt Käufe in Erwägung ziehen? Wo muss man die Reißleine ziehen?

Die für die (amoralische) Börse wichtigste Frage: Wird die Zinswende unterbrochen, verschoben, aufgehoben? Das analysieren tausende von Volkswirten. Keine Chance auf Überrenditen.

Das Polit-Büro sucht ja nach Auswirkungen der Politik, die der Markt mit seiner Skepsis vor politischen Börsen eher verzögert einpreist. Aus dieser Perspektive kommen für mich in Frage:

  • Energiewende: Wird die Energiewende jetzt forciert? Ja, obwohl das Thema sehr im Fokus steht und seit Jahren von tausenden von Analysten beobachtet wird. Also eher kein Thema für mich.
  • Braucht es Ersatz für russisches Gas? Tja, Nordstream 1 ist ja schon im Kalten Krieg benutzt worden. Für Biogashersteller Verbio könnte das mehr Geschäft bedeuten.
  • Werden die Rüstungsausgaben in Europa steigen? Ja. Viele Börsianer lehnen es aber (Stichwort ESG) erst einmal ab, solche Buden wie Rheinmetall zu kaufen. Das könnte einen stabilen Aufwärtstrend begründen.
  • Wachsen Sicherheitsausgaben der Staaten? Ja, das könnte u.a. Secunet weiter beflügeln.
  • Wird der Luftverkehr zwischen den „Blöcken“ eingeschränkt? Gut möglich, nicht ohne Grund hat Lufthansa stark verloren.
  • Werden in Russland westliche gegen östliche Dienstleister (etwa im IT-Bereich) ausgewechselt? Könnte man sich vorstellen und würde etwa chinesische IT-Werte beflügeln.
  • Den russischen Index kaufen, weil die Sanktionen nicht lange anhalten werden? Davon rate ich vor dem Hintergrund meines Handelsansatzes eher ab.
Elmar Peine
Potter

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