Fundamental oder technisch? Die Grundlagen der Aktienanalyse

In welche Aktien lohnt es sich zu investieren? Wie kann man erkennen, ob ein Wertpapier Potenzial hat? Die Analyse der Fundamentalwerte von Unternehmen und eine technische Analyse der Aktiencharts sind probate Mittel dafür.

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Andreas-Kern-Gründer-und-CEO

Eine Aktie zu kaufen, bedeutet, in ein real existierendes Unternehmen zu investieren und sich aktiv daran zu beteiligen. Wer eine Apple-Aktie kauft, dem gehört auch ein Stück des Apple-Sitzes in Kalifornien.

Andreas Kern, Gründer und CEO von wikifolio.com

Rund 210 Dollar kostet es derzeit, eine Apple -Aktie zu kaufen und damit ein kleines Stück vom großen Apfelkuchen zu besitzen. Das scheint verlockend, zumal das Papier seit dem Jahresanfang schon um ein Drittel an Wert zugelegt hat. Aber ist es das auch? Gehört Apple ins eigene Portfolio und in welche Werte lohnt es sich noch zu investieren?

Um diese Frage beantworten zu können, müssen sich potenzielle Investoren mit den wichtigsten Kennzahlen eines Unternehmens auseinandersetzen. Die Fundamentalanalyse ist die Grundlage für die Entscheidung, eine Aktie zu kaufen oder abzustoßen.

Grundsätzlich werden für eine Fundamentalanalyse Werte aus zwei Bereichen herangezogen: direkte Kennzahlen aus dem Unternehmen und solche, mit denen sich die Aktie besser einordnen lässt. Zu den wichtigsten Unternehmenszahlen zählen beispielsweise der Umsatz, das operative Ergebnis (EBIT), der Jahresüberschuss, aber auch die Verbindlichkeiten, das Eigenkapital oder die Eigenkapitalrendite (ins Englische übersetzt: Return on Equity, ROE).

KGV, KUV und KBV

Christian Thiel, der unter dem Pseudonym sparstrumpf das wikifolio Global Champions verwaltet, erklärt, worauf er als Erstes bei einem Unternehmen achtet: „Wie stark wachsen der Umsatz und der Gewinn? Dann schau ich auf das KGV, sowohl das aktuelle als auch die prognostizierte Bewertung der Aktie in den kommenden Jahren. Warren Buffett hat Coca-Cola 1998 gekauft, weil die Aktie mit einem KGV von 13 gerade billig war und weil das Business exzellent war – mit hohen Wachstumsaussichten in Asien.“

Das KGV, das Kurs-Gewinn-Verhältnis, gehört mit dem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) zu den bedeutendsten Kennzahlen einer Fundamentalanalyse, die die Aktie betreffen. Wobei das KUV oft zur Bewertung der vielen noch jungen IT-Unternehmen herangezogen wird, die noch keine Gewinne schreiben, aber ein starkes Umsatzwachstum aufweisen.

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wikifolio-Trader Dennis Raute ( DennisRaute )zieht auch das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) zu Rate: „Diese Kennzahl stellt den aktuellen Kurswert und den Buchwert, also den sogenannten inneren Wert eines Unternehmens, ins Verhältnis und zeigt sehr gut eine Über- oder Unterbewertung an.“ Bei allen drei Kennzahlen gilt: je niedriger desto günstiger ist die Aktie.

Charttechnik: Trendlinien und Trendkanäle

Aufbauend auf der Fundamentalanalyse, die einen Kreis von Unternehmen ergibt, in die es sich tendenziell zu investieren lohnt, setzen erfolgreiche Trader wie Dennis Raute auf eine charttechnische Analyse – so auch in seinem wikifolio Trendfolge&Trading .

Ausschlaggebend für den Kauf oder Verkauf einer Aktie – einen Trade – sind dabei sich wiederholende Kursbewegungen. Profis nutzen dafür auch elektronische Handelssysteme, die auf bestimmte Kurssignale reagieren. Eine Garantie, dass Analysen, die aufgrund der Charttechnik getroffen werden, auch stimmen, gibt es allerdings nicht, weshalb Raute auch meint: „Charttechnik ist eher eine Kunst als eine Wissenschaft. Viele Kursinformationen oder Trendlinien sind meist vom Auge des Betrachters abhängig.“

Dennoch kann man einige grundlegende Annahmen der technischen Analyse durchaus für Investmententscheidungen nutzen. So etwa die Widerstands- oder Unterstützungszonen, die sich bei jedem Aktienchart ausmachen lassen. Sie zeigen, dass eine Aktie sofern keine fundamentalen Änderungen oder unvorhergesehene Ereignisse eintreten, ein bestimmtes Kursniveau nicht überschreitet, aber auch nicht darunter fällt. Das bedeutet, dass die Kauf- oder Verkaufsbereitschaft bei bestimmten Kursen sehr gering ist.

Wenn diese Kursbereiche durchbrochen werden, dann hat das meistens fundamentale Ursachen wie eine Gewinnmeldung, neue Aufträge oder Übernahmefantasien und es kann ein neues Kurshoch oder auch ein Tief folgen.

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Eine weitere Grundlage der technischen Analyse stellen die Trendkanäle dar. Die Dow-Theorie der Charttechnik geht von der statistischen Wahrscheinlichkeit aus, dass sich eine Trendbewegung eher fortsetzt als umkehrt. Wenn bei einem Aktienkurs also eine länger anhaltende Auf-oder Abwärtsphase eintritt, so bildet der Chart einen Trendkanal.

Trends und Trendkanäle machen daher sowohl lang- als auch kurzfristige Entwicklungen erkennbar und liefern damit gute Kauf- oder Verkaufssignale. wikifolio-Trader Raute dazu: „Solange ein Trend intakt ist, ist es der Wahrscheinlichkeit nach klüger, auf die Fortsetzung dieser Kursbewegung zu setzen.“

Apple: Kaufen oder nicht kaufen?

Und was bedeutet das nun für die Apple -Aktie? Der Kurs der Aktie des iPhone-Herstellers zeigt charakteristische Chart-Formationen. Im September des vergangenen Jahres hat sich zwischen 220 und 230 US-Dollar eine Widerstandslinie gebildet. Die Analysten sprachen von einem Ende des Tech-Booms, es folgte der Absturz wegen schlechter Verkaufszahlen, der durch den Flash-Crash zu Jahreswechsel beschleunigt wurde.

Im Jänner fand die Aktie dann bei 150 bis 160 Dollar wieder Unterstützung. Apple-Aktionär Warren Buffet gab bekannt, dass er im großen Stil nachkauft. Danach zeigte sich ein intakter Aufwärtskanal bis etwa Mitte des Jahres. Dann machte Donald Trump mit ein paar Tweets zum Handelskrieg wieder alles zunichte: Viele Apple-Lieferanten haben in China ihren Sitz. Im August hat sich wieder ein Aufwärtstrend entwickelt. Wie lange der nun anhält, liegt auch an irrationalen Ereignissen wie den unvorhersehbaren Handlungen des US-Präsidenten. Wobei man als Anleger immer im Hinterkopf behalten sollte: Ein Tweet von @realDonaldTrump ändert nichts an den fundamentalen Werten der Apple Inc., die 2018 mit einem Nettogewinn von 59,53 Milliarden Dollar einen neuen Rekordgewinn verbuchen konnte.


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