12.06.2018| Von: Nikolaos Nicoltsios |

Die Gewinnwarnung der Deutschen Post kam am Freitag zu einem eher ungewöhnlichen Zeitpunkt. Mitten im laufenden Börsenhandel veröffentlichte das Unternehmen unter den Schlagworten „Jahresergebnis/Prognoseänderung“ eine folgenschwere Ad-hoc-Meldung. Darin hieß es, dass die Post für das laufende Geschäftsjahr nur noch ein Konzern-EBIT von 3,2 Milliarden Euro erwartet. Zuvor war hier noch ein Wert von 4,15 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden.

Probleme bereitet den Bonnern vor allem die schwache Entwicklung im deutschen Brief- und Paketgeschäft, wo jetzt weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Produktivität umgesetzt werden sollen. An der für das Jahr 2020 aufgestellten EBIT-Prognose („oberhalb von fünf Milliarden Euro“) hält der Konzern weiter fest. Die Nachricht sorgte bei der Aktie der Deutschen Post trotzdem für einen Kursrutsch. Innerhalb von nur 18 Minuten ging es am Freitagmittag um über acht Prozent nach unten. 

Aktie weiter unter Druck

Dass das Papier sich im Laufe des Tages dann erholte und schließlich mit einem Minus von nur noch 4,6 Prozent schloss, dürfte auch daran gelegen haben, dass sich der Vorstand im Analysten-Call am Nachmittag zuversichtlich zeigte: Demnach drohen „keine versteckten Überraschungen“ mehr. Hinzu kommt, dass die Senkung der Prognose bereits von einigen Analysten erwartet wurde. Schon im ersten Quartal hatten die Ergebnisse des Konzerns unter den Erwartungen gelegen. Von daher blieb die sonst in solchen Fällen übliche Abstufungswelle durch die Banken diesmal auch aus. 

Dennoch war der Druck auf die Aktie auch zu Beginn der aktuellen Woche deutlich spürbar. Das Tief vom Freitag wurde heute, Dienstag unterboten - am frühen Nachmittag handelt die Deutsche Post bei 29,7 Euro. Bei den sehr kurzfristig agierenden wikifolio-Tradern sind solche Kursbewegungen immer gerne gesehen. Dank der starken Schwankungen lässt sich bei gutem Timing oft schon nach wenigen Minuten ein schöner Gewinn einstreichen. Allerdings gelingt das nur, wenn man viel Zeit vor dem Rechner verbringt, den Kursverlauf aufmerksam verfolgt und über die entsprechende Erfahrung sowie eine zu solchen Bewegungen passende Strategie verfügt.

Trading mit Hebel und überschaubarem Drawdown

Profit aus dem Kursverlauf der Deutschen Post-Aktie konnten zunächst zum Beispiel folgende zwei Trader schlagen. Harald Mueller („BobbyM“) nahm am Freitag - kurz nachdem die Aktie das erste Tagestief erneut getestet hatte - einen knapp vierfach gehebelten Turbo-Optionsschein der HSBC in sein wikifolio „Intraday-Trading” auf. Als sich die Aktie dann um gut ein Prozent erholt hatte, wurden nach nicht einmal 20 Minuten Haltedauer Gewinne von 5,4 Prozent mitgenommen. Montag Morgen versuchte er dasselbe Spiel noch einmal und erwischte erneut einen guten Einstieg. Weil die anschließende Aufwärtsbewegung der Aktie aber nicht lange anhielt, zog Mueller nach 44 Minuten die Reißleine und verkaufte die Position mit einem Mini-Verlust von 0,1 Prozent.

Der Trader, der sich nach eigenen Angaben seit ca. 20 Jahren mit den Aktienmärkten beschäftigt und in den letzten 10 Jahren „ausreichende Tradingerfahrung gesammelt“ hat, will bei diesem wikifolio „kurzfristige Übertreibungen am Markt gewinnbringend auszunutzen“. Dabei agiert er gerne mit (überwiegend moderat) gehebelten Produkten, die zudem mit einem überschaubaren Depotanteil gewichtet sind. Zudem werden die Positionen in der Regel nur sehr kurz gehalten und alle Trades spätestens am Ende des Tages glattgestellt. Durch diesen Ansatz sollen größere Verluste vermieden werden, was bislang auch eindrucksvoll gelungen ist. Bei einer Performance von 18,5 Prozent seit dem Start vor knapp einem Jahr beträgt der Maximalverlust lediglich sechs Prozent. Das wikifolio-Zertifikat (+1,1 Prozent) ist erst seit gut fünf Wochen an der Börse gelistet.

Zwei Prozent Gewinn nach nur drei Minuten Haltedauer

Wesentlich länger am Markt ist das wikifolio „Volatrader” von Vinzenz Kemeter („Volatrade“). Das dazugehörige Indexzertifikat wurde bereits im Juli 2014 emittiert. Seitdem gelang - bei einem Maximalverlust von rund 20 Prozent - ein Plus von 39 Prozent. Das wikifolio selbst kommt nach jetzt gut vier Jahren auf eine Performance von 53 Prozent. Auch hier stehen schnelle Gewinnmitnahmen bei den Trades auf der Tagesordnung, was sich aufgrund der nicht vorhandenen Ordergebühren bei wikifolio.com auch gut umsetzen lässt.

Bei der Deutschen Post brauchte der Trader am Freitagmittag lediglich drei Minuten, um mit der Aktie (!) einen Gewinn von 2,1 Prozent einzustreichen. Dass er bei dem Titel aktiv geworden ist, kam wenig überraschend. Schließlich wird in der Handelsidee als Grundlage die „antizyklische kurzfristige Anlage in zuvor stark gefallene Aktien“ genannt. Das in der Anfangszeit durchaus starke Interesse der Investoren an dem wikifolio-Zertifikat hat mittlerweile nachgelassen, was neben der zeitweise etwas schwächeren Performance (minus 3 Prozent auf Jahressicht) auch an der im November eingestellten Kommentierung durch den Trader liegen könnte. Seit Anfang des Jahres liegt das wikifolio immerhin mit knapp fünf Prozent im Plus.

Die 10 Aktien mit den meisten Trades (04.06.2018 - 11.06.2018) 

# Name ISIN Handelsvolumen Alle Trades Käufe
1 Steinhoff NL0011375019 151 162 349 69%
2 Mutares DE000A0SMSH2 654 931 294 70%
3 Wirecard DE0007472060 126 959 286 60%
4 Deutsche Bank DE0005140008 903 121 270 64%
5 Deutsche Post DE0005552004 903 650 269 59%
6 Dialog Semiconductor GB0059822006 615 695 258 48%
7 Evotec DE0005664809 556 699 257 60%
8 Commerzbank DE000CBK1001 409 333 245 68%
9 Adidas DE000A1EWWW0 252 327 215 57%
10 Alibaba US01609W1027 73 039 208 67%

 

Alle wikifolios mit Deutsche Post (ISIN: DE0005552004) im Depot.

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