07.01.2015| Von: Andreas Kern |

Den Start in das Börsenjahr 2015 hatten sich die meisten Marktteilnehmer wohl anders vorgestellt. An den Aktienmärkten ging es mit den Kursen in den ersten Januartagen deutlich bergab. Als Begründung verweisen Händler immer wieder auf den fallenden Ölpreis sowie die Sorgen vor einem Euro-Austritt Griechenlands nach den in zweieinhalb Wochen anstehenden Parlamentswahlen. Unter den Top-Tradern bei wikifolio.com sind die Meinungen bezüglich der weiteren Börsenentwicklung gespalten.

!wikifolio.com Ausblick 2015

Sowohl die Bullen als auch die Bären bei wikifolio.com untermauern ihre Ansichten mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten. Das gerade angelaufene Börsenjahr dürfte daher extrem spannend werden. Wie unterschiedlich die Perspektiven der Märkte von den wikifolio-Tradern noch im Dezember eingeschätzt wurden, zeigt sich allein schon bei den genannten Kurszielen für den DAX per Ende 2015. Die liegen im Extrem bei 8.000 bzw. 12.000 Punkten und damit überraschend weit auseinander.

Als einer der Börsenbären outet sich mittelfristig der nach einem fundamentalen Ansatz agierende Enrico La Quatra „NorthernCapital“, der kurzfristig aber erst noch deutlich steigende Kurse erwartet: „Wir sind nun im letzten Abschnitt des Wirtschaftszyklus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass 2015 der Beginn einer Krise sein wird. Im Vorfeld entwickelt sich der Aktienmarkt aber immer in eine Art Blase. Diese sehe ich von Anfang bis Mitte 2015 entwickeln. Die Erhöhung der Leitzinsen in den USA birgt große Gefahren. Wenn die Ausverkäufe beginnen, werden alle Anlageklassen schlecht performen. Ich rate daher von Anleihen und Aktien ab“. Stattdessen empfiehlt der Trader, der bei seinem wikifolio „Trends - spekulativ, Investment“ seit dem Start im April 2013 eine Performance von rund 54 Prozent generierte, „einen relativ großen Cash-Anteil von um die 30% zu halten, um sich nach der Krise zu Discount-Preisen einkaufen zu können. Die restlichen Prozente sollte man in wachsenden, niedrig verschuldeten Unternehmen halten“.

Auch der bei wikifolio.com ebenfalls erfolgreich agierende Christian Scheid „Scheid“ sieht die Zinsentwicklung in Übersee als einen der wichtigsten Einflussfaktoren für die Börsen in 2015. Seine Schlussfolgerungen für die Entwicklung der Aktienkurse sehen jedoch gänzlich anders aus: „Ich bin mir nicht sicher, ob ein Szenario einer frühen Zinswende bereits eingepreist ist. Insofern ist eine sogar nochmals deutliche Korrektur - ausgehend von den USA - vorstellbar. Genau das wiederum könnte die Notenbank veranlassen, die Zinswende dann doch aufzuschieben. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass es 2015 keine einzige Zinserhöhung in den USA gibt. In dem Fall würde das Pendel an den Märkten komplett umschlagen und wir würden wahrscheinlich eine starke Rally erleben“.

Sein DAX-Kursziel von 12.000 Punkten zum Jahresende wird auch von Doris Beer „TraderLady“ geteilt. Die mit insgesamt acht investierbaren wikifolios – zumeist profitabel - vertretene Geschäftsführerin der Harald Beer KMF GmbH begründet ihren Optimismus mit der „Traumkonstellation“ aus einer Politik des billigen Geldes durch die EZB, der anziehenden Konjunktur in den USA, der anhaltenden Abwertung des Euro und den niedrigen Rohstoffpreisen. Vor allem der heimische Markt bietet ihrer Meinung nach 2015 gute Chancen: „Deutschland dürfte auch wegen der moderaten Aktienbewertungen zu den Favoriten zählen. Im internationalen Vergleich hat der DAX durchaus noch Nachholpotential. Die jüngsten Rekorde wurden nur im DAX-Performanceindex erzielt, also unter Mitberücksichtigung von Dividenden. Der DAX-Kursindex dagegen liegt immer noch unter dem Allzeithoch aus dem Jahr 2000 und auch unter dem zyklischen Hoch aus dem Jahr 2007“. Unter den Einzelwerten stehen exportorientierte Aktien ganz oben auf ihrer Favoritenliste.