30.04.2014| Von: Andreas Kern |

„Sell in may an go away“ lautet eine der wohl bekanntesten Börsenregeln, die darauf abzielt, dass sich Anleger in den historisch betrachtet relativ schwachen Sommermonaten von der Börse zurückziehen und erst im Herbst wieder einsteigen sollen. Doch es geht auch anders.

Clevere Anleger nutzen zur Absicherung der Depotbestände mittlerweile gerne spezielle Produkte, die bei fallenden Kursen an Wert zulegen und damit etwaige Verluste auf der Aktienseite ausgleichen können. Auch bei wikifolio.com haben sich zahlreiche Trader für diese Vorgehensweise entschieden.

10 Werte mit dem meisten Volumen (23.04-30.04.2014)


DAX Reverse Zertifikat

Basis: alle wikifoliosJörg Twele („witwe“) zum Beispiel hat in den vergangenen Tagen ganz gezielt einige strukturierte Produkte gekauft, um sein ansonsten rein aus Aktien bestehendes wikifolio „Geduldsprobe“ besser zu diversifizieren. Neben einem zweifach gehebelten ETF auf den Short DAX und einen Gold-ETF (ebenfalls mit einer 200-Prozent-Partizipationsrate) setzt der Trader auch auf zwei Reverse Capped Bonus-Zertifikate, die sich jeweils auf den DAX beziehen.

Die jüngste Aufstockung wurde hier wie folgt kommentiert: „Ich gehe von einer Trading-Range des DAX zwischen ca. 9000 und 9600 aus, sehe weit und breit keinen Grund, warum aktuell die Kurse höher steigen könnten als zu Jahresanfang. Ich möchte in einem derartigen Seitwärtsmarkt etwas Rendite fürs Zertifikat, das zudem negativ mit den Einzelpositionen korreliert ist, und halte den Anteil dieser Position nach Kursrückgang durch Nachkauf konstant bei 3%“.

Bei Reverse Capped Bonus-Zertifikaten erhalten Anleger bei Fälligkeit einen festgeschriebenen Bonusbetrag, wenn der Basiswert während der gesamten Laufzeit nie auf oder über die jeweilige Barriere gestiegen ist. Die beiden von dem Trader erworbenen Produkte haben dabei unterschiedliche Ausstattungsmerkmale. Das Zertifikat mit Fälligkeit im Juni 2015 hat einen Barriere bei 10.700 DAX-Punkten und somit noch einen Risikopuffer (mehr darf der DAX nicht steigen) von gut elf Prozent. Im Erfolgsfall zahlt HSBC Trinkaus als Emittentin einen Bonusbetrag von 128,50 Euro, was gegenüber dem aktuellen Kurs ein Plus von mehr als 60 Prozent bedeuten würde. Problematisch könnte allerdings das enorme Aufgeld von fast 50 Prozent werden, das bei einem Bruch der Barriere komplett verloren geht. Dann drohen empfindliche Verluste. Steigt der DAX bis zum Laufzeitende zum Beispiel um 15 Prozent auf rund 11.000 Punkte, dann ist das Zertifikat nur noch knapp 14 Euro wert, was einen Verlust von über 80 Prozent bedeuten würde.

Bei dem zweiten Reverse Bonus ist das Chance/Risiko-Profil noch extremer. Hier endet die Laufzeit bereits im September 2014 und der Risikopuffer bis zur Barriere von 9.800 Punkten beträgt nur noch rund zwei Prozent. Sollte der DAX diese Marke knacken, verfällt der Anspruch auf den Bonusbetrag von 130 Euro und das Zertifikat wird sich im ersten Schritt aller Voraussicht nach etwa halbieren (auch höhere Verluste sind möglich). Letztendlich droht hier in diesem Szenario dann sogar der Totalverlust. Der tritt ein, wenn der DAX bei Fälligkeit des Zertifikats im Herbst auf oder über 10.000 Punkten steht. Geht die „Wette“ auf einen schnell wieder nach unten drehenden DAX allerdings auf und der deutsche Aktienindex bleibt dauerhaft unterhalb der 9.800er-Marke, winkt bei dem Zertifikat ein satter Ertrag von 215 Prozent. Was unbedingt zu beachten ist: Auch wenn es sich hier nicht offiziell um „Hebelzertifikate“ handelt (die der Trader laut Strategie nicht einsetzen will), haben beide Produkte aufgrund ihrer speziellen Konstruktion (hohes Aufgeld) sehr wohl eine beachtliche Hebelwirkung.

Das grundsätzlich eher langfristig ausgerichtete wikifolio hat sich insgesamt bislang recht gut geschlagen. Seit dem Start im August 2012 gelang dem Trader eine Performance von gut 29 Prozent. Das dazugehörige Zertifikat (ISIN: DE000LS9BZK9) ist seit drei Wochen auch investierbar.