31.10.2018| Von: Nikolaos Nicoltsios |

Wie in der vergangenen Woche in "Auf Schiene! Der Korrektur zum Trotz" bereits ausgeführt, ist es mehreren schon zuvor über einen längeren Zeitraum konstant erfolgreichen Tradern gelungen, auch während der jüngsten Kurseinbrüche an den Aktienmärkten eine positive Performance zu generieren. Bei der Suche nach den entsprechenden wikifolios haben wir darüber hinaus darauf geachtet, dass hier keine überdurchschnittlich großen Risiken eingegangen wurden. Ganz konkret sollten folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • eine positive Performance in allen zur Verfügung stehenden Kategorien
  • ein Anstieg von mindestens 10 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten
  • ein deutliches Plus von mindestens 20 Prozent seit Beginn und Erstemission
  • ein maximaler Verlust von nicht mehr als 20 Prozent

Die beiden wikifolios mit einem Real-Money-Status haben wir hier bereits im Detail vorgestellt. Heute widmen wir uns zwei anderen Kandidaten, deren Handelsideen kaum unterschiedlicher sein könnten. Daran zeigt sich, dass es an der Börse nicht den einen Königsweg gibt. Viele Strategien können zum Erfolg führen. Eines haben alle vier wikifolios aber dennoch gemeinsam. Das investierte Kapital in den dazugehörigen wikifolio-Zertifikaten ist – wenn vorhanden - noch sehr überschaubar. Es sind also diesmal nicht die üblichen Verdächtigen, die positiv herausragen.

„Marktneutral“ mit Power auf der Short-Seite

Ralf Schulz („NorbertRalf“) verfolgt in seinem wikifolio „Alpha Daytrader” eine nach eigenen Angaben „marktphasen-neutrale Geldanlage“. Der promovierte Naturwissenschaftler will das Depot zum einen in die „Alpha-stärksten Titel“ investieren und im Gegenzug eine gleich große Short-Position auf den DAX eröffnen. Durch diese Kombination soll das wikifolio „langsam aber beständig“ an Wert gewinnen. Als Ziel-Rendite strebt der Trader einen Wert von „über 10 Prozent p.a.“ an - wie angedeutet, unabhängig von der Marktphase.

In den ersten Jahren des im Sommer 2012 eröffneten Musterdepots war dies zunächst nicht gelungen. Noch Mitte des vergangenen Jahres war unter dem Strich lediglich eine Seitwärtsbewegung zu verzeichnen. Seitdem ist der Kurs aber um über 20 Prozent nach oben geschossen. Damit bewahrheitet sich die These von Schulz, dass die Strategie „besonders für Seit- und Abwärtsphasen geeignet“ ist. Voll aufgegangen ist auch der Plan, die Schwankungen möglichst gering zu halten. Der Maximalverlust liegt bislang nur bei gut 10 Prozent. Aktuell besteht das Depot aus fünf Einzelaktien (VTG, Adidas, WCM, Royal Gold und ICU Medical), die zusammen auf einen Anteil von 40 Prozent kommen, sowie einem zu 50 Prozent gewichteten ETF auf den zweifach gehebelten Short DAX. Durch den Hebeleffekt ist die Short-Seite also wesentlich ausgeprägter, was auch der Grund für die gute Performance der vergangenen Wochen (+3,5 Prozent auf Monatssicht) ist. Erläuternde Kommentare liefert der Trader seit nunmehr 2,5 Jahren allerdings nicht mehr.

Seit 2,5 Jahren nur ein Verlust-Trade

Jan Halang („Sedge“) hat in seinem wikifolio „NAFETS” noch überhaupt keinen Kommentar verfasst. Dass dieses Schweigen nicht automatisch negativ bewertet werden muss, zeigt ein Blick auf die bisherige Performance, die seit Mitte 2016 ein Plus von 48 Prozent ausweist. Seit Jahresbeginn ging es um 18 Prozent nach oben und die Ein-Monats-Performance ist mit 3,5 Prozent ebenfalls positiv. Das alles gelang bei einem Maximalverlust von 18 Prozent. Der seit 15 Jahren an der Börse aktive Trader will und kann in diesem wikifolio ausschließlich Exchange Traded Funds (ETF) und ähnliche Produkte handeln. Die Auswahl der Papiere wird „nach einem persönlichen Bewertungsmuster“ vorgenommen. Aktuell beinhaltet das Musterdepot einen zu 14 Prozent gewichteten ETC auf Kaffee (mit zweifachem Hebel) sowie eine mit demselben Hebel verknüpfte Short-Position auf den DAX, die auf einen Depotanteil von 4 Prozent kommt. Die Cashquote liegt demnach bei über 80 Prozent. Auffällig ist, dass der Trader nicht allzu häufig handelt, die Positionen bis auf eine Ausnahme bislang aber alle mit Gewinn veräußern konnte. Die letzte Transaktion fand Anfang Juli statt.