23.10.2014| Von: Filip Nestorovic |

In unserer aktuellen Ausgabe begrüßen wir Andreas Sauer bei uns im Traders Talk.

Der gelernte Groß-und Außenhandelskaufmann setzt als "roadrunner" seine Handelsstrategien auf wikifolio.com

Nachfolgend erzählt uns Andreas Sauer, unter anderem, wie er zum Traden gekommen ist und welche "Börsenlektüre" er empfehlen kann.

Viel Spaß beim Lesen!Verraten Sie uns Ihren Namen.

Andreas Sauer

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Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?

Roadrunner

Was sind Sie von Beruf?

Sachbearbeiter im kaufmännischen Bereich (gelernter Groß- und Außenhandelskfm.)

Wie sind Sie zum Trading gekommen?

In den 90er Jahren habe ich oft N-TV eingeschaltet. Am unteren Bildschirmrand lief ständig der Börsenticker. Die Kurse stiegen und die Wirtschaft boomte. Ich wollte an diesem Aufschwung teilhaben und bin selbst eingestiegen.Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?

Ich sitze nicht ständig vor 2 Flachbildschirmen und analysiere irgendwelche Charts, wie das vielleicht viele andere Trader machen. Ich recherchiere von Zeit zu Zeit und in Ruhe. Habe ich ein gutes Unternehmen zu einem attraktiven Kurs entdeckt, handele ich.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?

Ich habe 4 wikifolios publiziert, davon sind 3 investierbar.

Aktuell werde ich nicht als „Real-Money“ Trader geführt.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?

Man kann ähnlich wie ein Fondsmanager agieren, ohne eine Banklehre oder weiterführende Ausbildung absolviert haben zu müssen.

Dies ist eine sehr demokratische Entwicklung. Denn gerade unter den Privatanlegern verbergen sich so viele Talente, die ihre Trümpfe ohne wikifolio bzw. ohne die Möglichkeit des Social Trading allgemein gar nicht ausspielen könnten. Von diesen Talenten kann nun die Allgemeinheit profitieren, indem sie in deren Ideen investiert. Für mich ist wikifolio interessant, weil Investoren in mein wikifolio investieren und so von meiner Anlagestrategie profitieren können.

Aber auch als „Zuschauer“ entdecke ich bei wikifolio immer wieder herausragende Investmenttalente, von denen auch ich noch viel lernen kann.Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?

Ich suche Unternehmen mit geringer Verschuldung und hohen Nettomargen. Auch ein hoher freier Cashflow / Aktie kann ein Kaufkriterium sein.

Das Unternehmen sollte diverse Alleinstellungsmerkmale haben – in Form von herausragenden Produkten oder Dienstleistungen, einem exklusivem Vertriebsweg oder einen großen technologischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?

Nein – mein Ziel war eine deutlich höhere Performance, gerade in den zurückliegenden Monaten. Aber immerhin habe ich seit Auflegung meines wikifolios immer noch eine positive Performance erzielt.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?

RIB Software. Eine Aktie ganz nach meinem Geschmack: hohes Gewinnwachstum, sehr gute Eigenkapitalbasis bei gleichzeitig (zum Kaufzeitpunkt) niedriger Bewertung.

Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2014?

Ein politisch von Krisen erschüttertes Jahr, bei dem die Börsen vergleichsweise noch gut weggekommen sind. Ich erwarte bis Jahresende weder eine Endrallye noch einen Crash.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?

Günstig bewertet scheinen China und Russland. Jedoch heißt das nicht, dass ich dort auch investiere, denn diese Märkte sind für Außenstehende oft schwer durchschaubar und – besonders in Russland sind die politischen Risiken noch gar nicht absehbar. Aber wer ein höheres Risiko bereit ist in Kauf zu nehmen, für den ist ein Investment in diese Länder sicher nicht die schlechteste Wahl.

Es finden sich aber auch in den klassischen Industrieländern immer wieder interessante Unternehmen zu einem fairen Wert. Ich persönlich suche mir lieber ein Investment in Europa oder Nordamerika.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

John Deere, Weltmarktführer bei Maschinen für die Land- und Forstwirtschaft . Die Aktie ist zur Zeit günstig bewertet. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren massiv Aktien zurückgekauft. Gleichzeitig ist der Gewinn weiter angestiegen. Auch die Nettomarge hat sich auf fast 10% verbessert.

Desweiteren sehe ich für Ölaktien mittel- und vor allem langfristig Potential. Ich glaube nicht, dass der Ölpreis so niedrig bleibt wie er derzeit ist. Die Neuzulassungen von PKWs und Motorrädern in Indien und China werden weiter zunehmen – und auch Afrika mit seinen 1 Mrd. Menschen wird einen weit größeren Ölverbrauch haben als heute. Ich glaube einfach nicht, dass genügend neue Ölquellen gefunden und vor allem ausgebeutet werden können, als dass diese Entwicklung nicht zu steigenden Ölpreisen führen wird. Sollten Ölaktien noch billiger werden, werde ich mir welche ins Depot legen.

Als Basisinvestment sehe ich hier Exxon Mobil.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?

Es ist nicht unbedingt empfehlenswert, eine Aktie zu einem KGV von 100 zu kaufen, noch dazu wenn sie von allen Analysten empfohlen wird - so geschehen um die Jahrtausendwende, als ich beim Tech-Unternehmen EMC eingestiegen war.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Betrachte Aktien als Unternehmensanteile, nicht als Lotterielose.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?

So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen: Quartalsergebnisse, Bilanzen & Co - und was der größte Investor aller Zeiten daraus macht – von Mary Buffett und David Clark.

Die Zauberformel des Vermögensaufbaus – von Pat Dorsey