26.11.2014| Von: Robert Wanner |

Dieses Mal bei uns im TradersTalk: Dirk Hagemann.

Der gelernte Informatiker/Programmierer setzt als "plustick" mehrere Handelsstrategien auf wikifolio.com um.

Wie er zum Trading gekommen ist und welche Erfahrungen er dabei gesammelt hat, erfahren wir nachfolgend.

Viel Spaß beim Lesen!

Verraten Sie uns Ihren Namen.

Mein Name ist Dirk Hagemann.

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Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?

Meinen Usernamen habe ich schon zweimal geändert, aber ich glaube bei „plustick“ bleibe ich jetzt.

Was sind Sie von Beruf?

Ich habe Informatik studiert und als Programmierer bei einem Automobilkonzern knapp zehn Jahre gearbeitet. Nach einer mehrjährigen Pause, in der ich mich dem Daytrading und ausgiebigen Reisen gewidmet habe, bin ich zunächst fünf Jahre als Aufsichtsratsmitglied, später dann fünf Jahre als Vorstand eines IT-Dienstleistungsunternehmens und eines Finanzdienstleistungsunternehmens tätig gewesen. Seit dem Ende dieser Tätigkeit im letzten Jahr hole ich nach, was ich in den vergangenen Jahren versäumt habe, widme mich meinen wikifolios und anderen Dingen.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?

Ich kann mich heute nicht mehr daran erinnern, was damals vor knapp 20 Jahren genau der Auslöser gewesen ist. Vielleicht waren es die niedrigen Sparzinsen, wenngleich das aus heutiger Nullzins-Sicht vollkommen lächerlich erscheint. Ich habe jedenfalls angefangen, die Börsenkurse zu studieren und mir überlegt, wie ich herausfinden kann, welche Aktien in Zukunft steigen werden. Ich bin in einem IRC-Chat gelandet, in dem sich Daytrader getroffen und unterhalten haben. 1997 habe ich dann meine erste Aktie gekauft: Netscape Communications – ein Unternehmen, was die jüngere Generation wohl nicht mehr kennen wird und ein Denkmal für den wahnwitzigen Boom der Internetaktien ist. Es war eine verrückte Zeit damals.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?

Ich stehe um 7 Uhr auf und sitze wenig später an meinem Schreibtisch. Auf dem Rechner öffne ich meine 15 Webseiten, von finviz.com bis boersengefluester.de, die mir als wichtige Informationsquellen dienen. Ein paar Stunden beschäftige ich mich mit dem Verwerten dieser Informationen und mache vielleicht den einen oder anderen Trade. Wenn es ein hektischer Börsentag ist, bleibe ich den ganzen Tag am Ball, ansonsten beschäftige ich mich auch mit anderen Dingen, die nichts mit der Börse zu tun haben: Einkaufen, sich sportlich betätigen, auf amazon Prime „Mad Men“ schauen. So ein Tag geht schnell rum! Abends beobachte ich „nebenbei“ den US-Markt und mache mir für den nächsten Tag ein paar Notizen.Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?

Ich habe zwei wikifolios am Start. Das eine ist für den langfristig orientierten, relativ konservativen Anleger gedacht. Das andere hat eher spekulativen Charakter, wobei ich es hier vermeide, riesige Tagesschwankungen zu produzieren. Die Positionsgröße ist klein, das schont meine Nerven und die der Anleger. Das spekulativ orientierte wikifolio hat den „Real-Money Status“.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?

Ende 2012 bin ich auf wikifolio.com gestoßen, fand die Idee interessant und habe ohne großartig darüber nachzudenken ein Depot angelegt. Ich war damals aber beruflich stark belastet und habe das wikifolio für ein halbes Jahr mehr oder weniger vergessen. Nach dem Ende meiner hauptberuflichen Tätigkeit konnte ich mich der Sache dann mit der notwendigen Aufmerksamkeit widmen, ohne genau vorauszudenken, wohin mich dieses „Experiment“ führen wird. Als ich mich auf der Plattform sicher genug gefühlt habe, habe ich die Emission des ersten Zertifikats angestoßen. Es ist und bleibt spannend und herausfordernd, sich mit den Strategien der anderen wikifolio-Inhaber messen zu können und vor allem auch nachvollziehen zu können, wie sie ihre Performance erreicht haben.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?

Da ich ja zwei sehr unterschiedliche wikifolios habe, kann ich den Handelsstil nur allgemein darstellen: Ruhig und beherrscht. Gewinne begrenzen, Verluste laufen lassen – oder war es umgekehrt? Jedenfalls nie „dem Markt“ die Schuld geben, wenn irgendwas schief läuft. Entgangenen Gewinnen nicht nachtrauern, denn morgen ist ein neuer Tag von dessen Chancen ich heute noch gar nichts weiß.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?

Bezogen auf mein konservativ agierendes wikifolio stehe ich seit Emission deutlich besser als der 110 Unternehmen umfassende HDAX da. Der Betrachtungszeitraum ist mit neun Monaten natürlich sehr kurz. Für den Anfang bin ich zufrieden, wenn ich diese Outperformance auch in fünf Jahren noch halten kann, wäre ich glücklich.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage? Ein Optionsschein auf Gilead Sciences mit einem Plus von 300% in wenigen Monaten. Der war aber leider nicht im Anlageuniversum von wikifolio enthalten.Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2014?Nach der Rallye der vergangenen Jahre war ich skeptisch für 2014 und damit habe ich wohl Recht behalten, wenn auch aus anderen Gründen, als ich mir vorgestellt habe. Ich glaube in diesem Jahr haben hauptsächlich Herr Putin und Herr Draghi die Kurse bewegt. Das wird langsam langweilig, für 2015 erhoffe ich mir Abwechslung. Vielleicht werden dann die stark rückläufigen Energiepreise das beherrschende Thema.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?

Sinn macht jeder Markt, denn Chancen gibt es überall. Den größten Spaß bereitet mir der US-Markt. Verglichen mit dem deutschen Markt ist dort die Quantität und Qualität der frei verfügbaren Informationen selbst für völlig abseits des Mainstreams liegende Aktien einfach sehr viel höher.Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

Eine Aktie, die man unters Kopfkissen legen kann: Gilead Sciences.

Eine Aktie, für die man ein wenig verrückt sein muss: Geron.

Eine Aktie, mit der man angeben kann: Advantag AG.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?

Ein seriös auftretender Börsenbrief-Herausgeber, der leider ungenannt bleiben muss und heute immer noch aktiv ist, hat mich (und viele anderen Anleger) vor vielen Jahren mal fürchterlich eingeseift. Damals habe ich gelernt, Empfehlungen stärker zu hinterfragen.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Wer an der Börse einsteigen will, egal ob als Trader oder langfristig orientierter Anleger muss sich viel Zeit nehmen. Schnell mal ein Buch lesen, damit ist es nicht getan. Man sollte lange beobachten, wie sich andere im Markt verhalten (bei wikifolio.com kann man das ja sehr gut) und dann aber selber ein Gefühl für den eigenen Handelsstil entwickeln.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?

Trader lesen zu viele Bücher übers Trading.

Deswegen: „1979“ von Christian Kracht.