13.09.2016| Von: Anja Branz |

Im aktuellen TradersTalk spricht Matthias Behm über seine Wertschätzung für Dividenden als Passiveinkommen und Sparplänen in Form von Fonds. Viel Spaß beim Lesen!

Verraten Sie uns Ihren Namen.
Matthias Behm

Unter welchem Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
Euroinvestor

Was sind Sie von Beruf?
Diplom-Finanzwirt, Beamter

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit Aktien, anfangs überwiegend mit Fonds in Form von Sparplänen. Vor ca. 8 Jahren habe ich begonnen, mich intensiver mit dem Aktienmarkt zu beschäftigen, da ich damit auch meine eigene Altersvorsorge sichern möchte. Meine Erfahrungen mit dem „Traden“, d.h. dem Kauf von Aktien oder Derivaten, um sie innerhalb relativ kurzer Zeit wieder zu verkaufen, waren eher ernüchternd. Dies ist sicherlich auch dadurch bedingt, dass ich berufstätig bin.

Insofern sehe ich mich weniger als „Trader“, eher als „Investor“. Ich schätze Dividenden als Passiveinkommen.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Ich verschaffe mir morgens per Internet und Nachrichten im Fernsehen einen Überblick über die Märkte und aktuelle politische bzw. wirtschaftliche Entwicklungen. Da ich nicht kurzfristig trade, sind schnelllebige Trends für mich normalerweise nicht  wichtig. Ich lese  in meiner Freizeit gerne Fachmagazine und Geschäftsberichte.  Morgens im Bad höre ich gerne Podcasts u.a. zum Value Investing.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Ich habe zwei investierbare Wikifolios, von denen eines im Real-Money-Status ist. Ein weiteres wikifolio beschäftigt sich mit ETFs. Ich habe gemerkt, dass ich derzeit auch aus zeitlichen Gründen nicht mehr als maximal 3 wikifolios führen möchte. Ich fürchte, die Performance würde darunter leiden.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?
Es reizt der Vergleich mit anderen Investoren. Es ist spannend, den Vergleich mit den Profis, z.B. von Fachzeitschriften und Vermögensverwaltern zu suchen und ab und zu vielleicht besser zu sein als die Profis. Möglicherweise kann ich damit auch etwas für die Aktienkultur in Deutschland tun. Die Beteiligung der breiten Bevölkerung am Aktienmarkt lässt in Deutschland leider zu wünschen übrig.

Und ich würde mich auch freuen, wenn ich etwas Geld verdienen kann.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Ich sehe mich als Investor, der sich an guten Unternehmen mit gesunden und langfristig bewährten Geschäftsmodellen beteiligt. Diese Beteiligung kann über eine lange Zeit andauern, im Idealfall für immer. Wichtig ist mir hierbei auch eine regelmäßige Dividendenzahlung. Deshalb mag ich Dividendenaristokraten und Unternehmen mit sicheren Geschäftsmodellen, z.B. aus dem Konsumbereich. Diese Firmen verkaufen jeden Tag ihre Produkte und versprechen damit einen regelmäßigen Cashflow. Ich versuche, mich an diesen Firmen zu beteiligen, wenn sie relativ günstig bewertet sind. Hierbei spielen fundamentale Daten ein große Rolle.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Ja, das bin ich. Für die von mir vertretene Strategie ist die Entwicklung gut. Das heißt aber nicht, dass ich mich zurücklehne. Ich werde weiter versuchen, gute Unternehmen zu finden. Schließlich müssen die Dividenden reinvestiert werden, um den Zinseszinseffekt zu nutzen.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Anfang 2016 konnte ich die Facebookaktie für mein privates Depot zum Preis von unter 90 Euro erwerben. Ich bin noch investiert, insofern ist der Trade nicht abgeschlossen. Ich plane, die Aktie bis auf weiteres zu halten, weil ich an das langfristige Wachstum des Unternehmens glaube.

Welche Entwicklungen erwarten Sie sich vom Börsenjahr 2016?
Die Fachzeitschriften fragen jedes Jahr zu Jahresbeginn professionelle Vermögensverwalter nach ihrer Einschätzung, bzw. ihren Tipps zum Dax am Jahresende. Das ist immer sehr lustig, weil die Bandbreite der Tipps groß ist und viele Ausreißer dabei sind. Am Jahresende stellt man dann fest, wie falsch viele doch lagen. Ich glaube, selbst ein Warren Buffett hat es abgelehnt, Vorhersagen zum Aktienmarkt zu machen.

Deshalb mit aller Vorsicht: Ich könnte mir vorstellen, dass unter dem Eindruck der Niedrigzinspolitik weiteres Kapital seinen Weg an den Aktienmarkt findet und dadurch die Kurse ansteigen. Problematisch bleiben u.a. die ungelösten Probleme  im Euroraum (z.B. Griechenland). Die Märkte in den USA und in Europa werden weiter an der Zinspolitik hängen. Ich persönlich rechne nicht mit großen Zinserhöhungen, da die Staaten vielfach zu stark verschuldet sind und ein höheres Zinsniveau kaum ertragen können. Trotzdem können bereits kleine Zinsschritte wie in den USA Irritationen auslösen. Spannend bleibt auch der Ausgang der US-Wahl.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Der deutsche und der US-amerikanische Aktienmarkt. Asien wird weiter spannend bleiben, da die dortigen Gesellschaften im Hinblick auf die Bevölkerung und die Kaufkraft enorm wachsen werden.  Ich halte mich bei Rohstoffen zurück, ich verstehe davon wenig.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
In Deutschland gefällt mir Fresenius.Die Wachstumsperspektiven in einer alternden Gesellschaft sind einfach gut. Aus dem Tecdax finde ich Freenet aufgrund der Dividendenrendite interessant. Auch eine Helma Eigenheimbau könnte vor dem Hintergrund des niedrigen Zinsniveaus interessant sein. In den USA gefallen mir Pepsico und Johnson und Johnson.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Ich musste lernen, dass man sein Geld an der Börse trotz aller Vorsicht  mit den falschen Aktien quasi komplett verlieren kann. Ich hatte mich informiert  und dann ein - zugegeben spekulatives - Investment in die Aktie der Firma Wilex getätigt. Leider ging es mit der Aktie nur bergab. Die Erfahrung hat mich über 700 Euro gekostet. Hier wäre ein rechtzeitiger Ausstieg richtig gewesen.

Die restlichen 25 Aktien aus diesem Investment habe ich zur Mahnung immer noch in meinem Depot. Seitdem investiere ich in große Pharmafirmen wie Pfizer, Roche und Novartis. Ansonsten halte ich BBBiotech für ein gutes Investment in diesem Bereich. Da ist die fachliche Kompetenz, die man als Laie kaum hat. Zusätzlich gab es in der Vergangenheit auch eine Dividende.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Es gibt heutzutage viele Möglichkeiten, sich zu informieren. Zunächst einmal sollte man sich mit guter Fachliteratur beschäftigen. Auch bei Youtube gibt es zahlreiche Videos, die mehr oder weniger gut sind. Dann gibt es viele Finanzseiten und Foren im Internet. Vielleicht hilft auch ein Aktienclub oder ein Freund. Der persönliche Kontakt zu einer Person,die sich mit Aktien bereits auskennt, kann gerade am Anfang sehr hilfreich sein, wenn es zu Verlusten kommt (und das wird es irgendwann).

Wegen der Gebühren sollte man das Depot bei einer Direktbank einrichten. Als erste Investments bieten sich dann vielleicht Werte aus dem Dax oder dem Dow Jones an. Hände weg von heißen Tipps und unbekannten Aktien mit geringem Handelsvolumen, die über dubiose Kanäle empfohlen werden! Beachte die fundamentalen Daten. Auch ein Sparplan auf einen ETF z. B.: auf den MSCI World kann anfangs eine gute Wahl sein.

Ich bin mit einem  Teil meines Geldes in der Honorarberatung bei einer Direktbank. In regelmäßigen Telefonaten erklärt mir der Berater seine Strategie, die relativ konservativ ist und doch eine ansehnliche Rendite erwirtschaftet hat. Obwohl ich den größeren Teil meines Geldes selbst verwalte, schätze ich die Empfehlungen und die Telefonate mit dem Berater sehr. Ich lerne dort regelmäßig noch dazu.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Ein Klassiker: Intelligentes Investieren von Benjamin Graham.