07.11.2012| Von: Florian Hiller |

Willkommen zum zweiten Teil der wikifolio.com Blogreihe „Traders-Talk“. Diese Woche steht RalfWerner Rede und Antwort.

RalfWerner ist mit seinem wikifolio im „Top wikifolios“-Ranking ganz oben mit dabei. Derzeitig befinden sich im wikifolio „Antizyklische Chancen“ rund €350 000. Das Vertrauen seiner Anleger hat Herr Werner mit einer Gesamtperformance von rund 32,2% belohnt.

Wie heißen Sie?

Mein Name ist Ralf Werner.

Wie geht es Ihnen?

Es geht mir gut.

Wie spät ist es?

Es ist jetzt 9 Uhr.

Wie ist das Wetter?

Das Wetter ist schon ziemlich herbstlich. Es ist kalt, aber die Sonne zeigte sich heute Morgen schon am Himmel. Der Schnee der letzten Tage taut bereits etwas.

Wo sind Sie gerade?

Ich sitze in meinem Arbeitszimmer am PC

Was sind Sie von Beruf?

Ich arbeite als leitender Controller. Von daher sollte ich eigentlich der fundamentalen Analyse näher stehen, aber bei kurzfristigen Zeithorizonten kommt niemand an der technischen Analyse vorbei.

Der Trader:

Wie sind Sie zum Trading gekommen?

Ich habe ganz klassisch mit dem Handel von Aktien angefangen. Dabei habe ich hauptsächlich nach fundamentalen Daten Anlageentscheidungen getroffen. Ich war also eher ein Anleger als ein Trader. Im Laufe der Zeit setzte ich mich dann mit Optionsscheinen und Knockout-Zertifikaten auseinander. Dadurch wurden die Werte auch immer kürzer gehalten. Die klassische Fundamentalanalyse versagte auf diesen Zeitebenen aber, da der Markt mitunter sehr lange braucht, bevor vermeintliche Fehlbewertungen erkannt und korrigiert werden. Die logische Konsequenz war, die technische Chartanalyse für Trades zu nutzen. Mittlerweile setze ich meine Handelsideen fast ausschließlich mit CFD´s um.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?

Der Tag beginnt immer mit einem kurzen Blick in die Zeitungen und nach Asien, um hier bereits erste marktrelevante Impulse aufzunehmen. Danach bereite ich mich auf den anstehenden Handelstag vor. Das bedeutet, dass die Termine des Tages gesucht werden, die Einfluss auf den Markt haben könnten. Außerdem versuche ich bis etwa 08:30 Uhr Handelsmarken im DAX zu finden, an denen Bewegung entstehen könnte. Danach erfolgt die breite Analyse der beobachteten Werte. Normalerweise nutze ich meine Tradingfavoriten, da es immer leichter ist, bereits bekannte Werte zu handeln. Gegen Mittag lässt dann häufig die Dynamik etwas nach und Impulse kommen erst wieder, wenn die US-Börsen eröffnen. Am Abend werden die Trades des Tages ausgewertet. Ich kann jedem Einsteiger nur empfehlen, seine Trades zu dokumentieren und konsequent auszuwerten. Trading sollte als ein Geschäft verstanden werden – nur wer den Überblick über seine Zahlen hat, wird erfolgreich bleiben. Bevor ich den Rechner ausschalte, schaue ich noch einmal, was die US Börsen bewegt hat und wo die Schlusskurse liegen.

Warum haben Sie sich für wikifolio.com entschieden?

Ich finde das Konzept von Wikifolio äußerst innovativ. Die klassischen Produkte am Markt sind vor allem intransparent. Bei Wikifolio kann der Anleger jede Aktivität des Traders nachverfolgen. Man sieht zu jeder Zeit, welche Positionen gehalten werden.

Außerdem bietet Wikifolio mir als privatem Trader die Möglichkeit, relativ unkompliziert ein eigenes Finanzprodukt auf den Markt zu bringen.

Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?

Ich bin Real-Money Trader und werde es auch weiterhin bleiben.

Ralf Werner

360 Tage Fazit:

Sind Sie mit der bisher in Ihrem wikifolio erzielten Performance zufrieden?

Aktuell bin ich natürlich nicht ganz so zufrieden, da der Drawdown seit Mitte Oktober doch ein paar Prozentpunkte gekostet hat. Mit der Gesamtrendite bin ich aber zufrieden. Immerhin konnten mit dem wikifolio „Antizyklische Chancen“ in nicht einmal 6 Monaten 27% Rendite erwirtschaftet werden. Ich bleibe optimistisch, dass noch im ersten Handelsjahr des wikifolios die Höchststände wieder erreicht und auch überschritten werden.

Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2012?

Hinter uns liegt ein ziemlich gutes Jahr. Wenn man bedenkt, dass der DAX am Jahresanfang noch unterhalb von 6.000 Punkten stand, so ist der aktuelle Stand doch bemerkenswert. Man konnte also ohne große Anstrengungen über 25% Rendite machen, indem man einfach in den Index investiert hat. Nur leider waren viele Privatanleger bei den „billigen“ Kursen unterinvestiert und konnten von den Kursgewinnen nicht in diesem Umfang profitieren. Angesichts der Rahmenbedingungen und der makroökonomischen Risiken ist es dennoch erstaunlich, dass so viele Börsen ein glänzendes Jahr hingelegt haben. Welcher war Ihr bester Trade innerhalb der letzten 360 Tage?

Es gab viele gute Trades und natürlich auch einige nicht ganz so erfolgreiche. Am Ende nützt es wenig, wenn man einen sehr guten Trade macht, aber danach drei sehr schlechte folgen. Es ist alles eine Frage der Vorbereitung. Man sollte bereits vor der Tradeeröffnung einen klaren Plan haben. Das bedeutet, dass Stops und Ziele klar definiert sein müssen. Daraus lässt sich dann ohne weiteres die Positionsgröße ermitteln. Es geht also nicht darum, den einen besten Trade zu machen, sondern darum, seinen Plan zu handeln. Wer das schafft, macht seine Trades duplizierbar, ist also in der Lage sie zu wiederholen. Der Schlüssel zu erfolgreichem Trading liegt also im Risiko- und Moneymanagement und in der Duplizierbarkeit der Trades.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?

Alle Märkte bieten Handelsmöglichkeiten. Heutzutage kann der Privatanleger fast alles handeln. Die Hürden für einen Markteintritt sind sehr gering. Es spielt auch kaum noch eine Rolle, ob man sich Long oder Short positionieren möchte – der Markt bietet mittlerweile unendlich viele Produkte an. Niemand kann alle Märkte beobachten und handeln. Man sollte sich spezialisieren und in einem kleinen Bereich Fachwissen erwerben. Somit macht es am meisten Sinn, die Märkte zu handeln, die man am besten kennt und mit denen man bereits Erfahrungen hat.

Welche Aktien favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

Ich finde, dass aktuell immer noch viele Werte zu günstigen Kursen zu haben sind. Einer dieser Kandidaten ist beispielsweise Google. Der Kursrutsch nach der verfrühten Veröffentlichung der Zahlen wird immer noch konsolidiert. Mittelfristig sollte ein Ausbruch in die übergeordnete Trendrichtung gelingen. Eine interessante Turnaroundspekulation ist HeidelDruck. Hier sollte man aber etwas mehr Geduld mitbringen und auch größere Schwankungen ertragen können.

Das allgemeine Marktumfeld sollte aber nicht außer Acht gelassen werden. Mittelfristig bin ich eher pessimistisch und denke, dass wir noch einen größeren Rücksetzer sehen werden. In der laufenden Berichtssaison liegt der Fokus eher auf den Unternehmensdaten. Dies wird sich mit dem Ende der Berichtssaison wieder ändern. Makroökonomisch gibt es nach wie vor große Probleme, die noch nicht gelöst sind.

Erfahrungen:

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?

Es ist immer schwer, sich einzugestehen, dass man Unrecht hatte und dass ein Trade nicht funktioniert hat. Viele Anfänger scheitern daran, dass sie ihre Verluste nicht begrenzen können, getrieben von der Hoffnung, dass der Markt drehen wird. Die Erfahrung, dass der Markt eben nicht dreht, kann sehr hart und auch sehr teuer sein. Schauen Sie sich beispielsweise im Rückblick die Charts der Commerzbank oder der HypoRealEstate an. Wer nicht konsequent ausgestiegen ist, hat viel Geld verloren.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Trading kann man lernen. Einsteiger sollten sich darüber bewusst sein, dass jeder Trader eine Lernkurve hinter sich hat. Es gibt am Markt gute Literatur und auch zahlreiche Anbieter von Tradingseminaren. Wer wirklich traden will, sollte also den einen oder anderen Euro in seine Ausbildung stecken. Sonst bezahlt man dieses Lehrgeld am Markt.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?

Es gibt eine Menge gute Literatur zum Thema Trading. Als Standartwerk kann ich das Buch von John Murphy („Technische Analyse der Finanzmärkte“) empfehlen. Wer etwas sucht, was sich gut und flüssig lesen lässt, der ist bei Michael Voigt gut aufgehoben. Hier kann ich „Das große Buch der Markttechnik“ und die Buchreihe „Der Händler“ empfehlen.

Zum Abschluss:

Wie spät ist es jetzt?

Es ist jetzt 20:30 Uhr.

Wo sind Sie gerade?

Ich bin zuhause und sitze in meinem Wohnzimmer am Tisch.

Welche Frage möchten Sie an wikifolio.com stellen?

Das Wikifolio Anlageuniversum soll ja bald ausgebaut werden. Können die neuen Instrumente dann auch in bereits bestehenden Wikifolios genutzt werden?

*Die genaue Vorgehensweise ist noch nicht abschließend festgelegt. wikifolios die sich jetzt bereits stark auf ein bestimmtes Anlageuniversum eingeschränkt haben werden die neuen Werte wohl nicht aufnehmen können, wikifolios mit dem gesamten Anlageuniversum müssen wir noch entsprechend prüfen.*