25.07.2016| Von: Anja Branz |

Dieses Mal im wikifolio-TradersTalk: Robin Treber. Beruflich berät er Banken und andere Finanzinstitute in quantitativen und regulatorischen Problemstellungen, auf wikifolio.com wendet er einen selbstentwickelten Analyseautomatismus an. Hier spricht er mit uns über die Fähigkeit verlässliche Prognosen zu erstellen, Insider-Wissen und und statistische Zufälle. Viel Spaß beim Lesen!

 

Verraten Sie uns Ihren Namen.
Robin Treber

Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
BullandBear

Was sind Sie von Beruf?
Ich berate Banken und andere Finanzinstitute in quantitativen und regulatorischen Problemstellungen.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
Mein Studium war bereits sehr auf das Finanzwesen fokussiert und da liegt es in der Natur der Sache, dass man sich ebenfalls mit Finanzmärkten und in Folge mit Trading auseinandersetzt.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Da ich einen sehr anspruchsvollen und zeitaufwändigen Beruf ausübe, bin ich kein Trader im herkömmlichen Sinne. Meine Handelsstrategie ist darauf ausgelegt, durch wenige Trades und einer automatisierten Analyse (Algorithmus) eine überdurchschnittliche Performance vorzuweisen. Dadurch kann ich meinen Zeitaufwand erheblich reduzieren und ich besinne mich auf meine Fähigkeiten der quantitativen Analyse. Investoren profitieren dabei von geringen Transaktionskosten, welche sonst durch häufiges Trading verursacht würden.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Augenblicklich führe ich nur das Wikifolio „Smart Diversity“, in welches ich selber investiert bin und somit als „Real-Money“-Trader gelte.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?
Mit meinem Wikifolio biete ich eine Beteiligung am Aktienmarkt, welche durch eine überlegene Diversifikation eine bessere Performance als Aktienindices liefern soll. Für mich habe ich darin eine geeignete Strategie entdeckt, um langfristig von einer positiven Marktentwicklung zu profitieren. Dies ist auch das Interesse von vielen anderen Anlegern, welche jedoch nicht den dafür notwendigen fachlichen Hintergrund haben. Daher will ich auf diese Weise mein Know-How einer analytischen Diversifikation mit anderen teilen.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Mein Stil ist einfach. Ich glaube nicht daran, dass man nachhaltig durch „Hokuspokus“ die besten Einzeltitel wählen kann. Daher ist mein Ziel den globalen Aktienmarkt so abzubilden, dass die  Einzelrisiken im Portfolio weitgehend eliminieren werden. Folglich ist mein Stil nicht im aktiven Trading zu finden sondern in der Programmierung des Algorithmus. Das bedeutet, dass ich durch meinen großen Erstaufwand (der Programmierung) mir ein weniger zeitaufwendiges Handelsverhalten (Aktivierung des Algorithmus, gelegentliche Weiterentwicklung und Backtesting) gönnen kann.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Das Hauptziel, die Outperformance von DAX und MSCI World, wurde bislang erreicht und gibt daher Anlass an die Strategie zu glauben. Jedoch sehe ich immer Verbesserungspotenzial und war zeitweise mit der Performance von Wikifolio „Smart Diversity“ nicht gänzlich zufrieden. Aus diesem Grund gab es kürzlich kleinere Anpassungen im Algorithmus und eine Aufstockung der analysierten Aktien auf ca. 2.500 Titel.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Überraschenderweise muss man sagen, dass es der Brexit war. Während der DAX gewaltig nachgelassen hatte, gab es nur einen kurzen Rückgang bei „Smart Diversity“ und anschließend ein Allzeithoch. Allerdings ist dieser Sachverhalt weniger überraschend, wenn man sich vor Augen hält, dass durch die sophistizierte Diversifikation genau das erreicht werden soll.

Welche Entwicklungen erwarten Sie sich vom Börsenjahr 2016?
In einem Wort: Volatil. Es herrscht viel Ungewissheit im Markt und das wird anhalten.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Ich bewege mich mit „Smart Diversity“ nur im Aktienmarkt und das global. Was dabei Sinn macht ermittelt der Computer. Keine Ahnung ob er dabei Spaß empfindet – lachen höre ich ihn selten.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
Wie schon erwähnt favorisiere ich keine Einzeltitel.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?                                                      
Ich habe mich vor einiger Zeit darin versucht, den Markt zu prognostizieren und schnell zwischen Long und Short Positionen zu wechseln. Dabei musste ich dich Erfahrung machen, dass ich nicht die Fähigkeit habe verlässliche Prognosen zu erstellen. Wenn man nach Untersuchungen und wissenschaftlichen Artikeln geht, dann bin ich hier nicht die Ausnahme sondern die Regel. Enorme Outperformer haben üblicherweise einen Informationsvorteil (Insider-Trading) oder es sind statistische Zufälle.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Überschätze dich nicht selbst und unterschätze nicht die anderen (d.h. den Markt). Jeder kann durch eine Glückssträhne kurzfristige Gewinne machen. Aber man sollte sich immer die Frage stellen, ob es wirklich an der eigenen guten Analyse lag oder nicht doch ein Spiel am Roulette Tisch (stetige und kritische Selbstreflektion!). Wer zocken will soll ins Casino gehen– da stehen die Chancen besser für einen „Privatanleger“. Wer aber nachhaltig am Markt partizipieren und sinnvolle Investments tätigen will, soll sich seine Strategie gut überlegen und kann sich mit viel Rationalität an den Finanzmarkt wagen.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Ich bin der Meinung, dass ein quantitatives Verständnis von Finanzprodukten auch für „Otto-Normal“-Trader oder -Anleger von Nutzen ist. Jedes mathematische Modell unterliegt Annahmen und hat somit Schwächen. Allerdings, helfen Sie das Verständnis der Produkte zu schärfen und sind auch in den größten Banken und Fonds in Verwendung. Daher empfehle ich ein Standardwerk für Derivate, welches auch die allgemeine Logik der Bewertung von Finanzprodukten vermittelt: „Optionen, Futures und andere Derivate“ von John Hull. Für manche mag dies anfangs eine schwere Kost sein, bin aber der Meinung, dass es sehr gut und verständlich geschrieben ist.