12.05.2017| Von: Christina Oehler |

Im zweiten Abschnitt unserer vierteiligen Serie zum Thema „Wie handelt man Aktien nach einem starken Kurseinbruch“ widmen wir uns heute einem weiteren Trader, der seinen Lebensunterhalt mit dem Börsenhandel finanziert. Michael Flender, der bei uns als „GoldeselTrading“ agiert, verwaltet unter demselben Namen ein ebenso beliebtes wie erfolgreiches wikifolio. Bezogen auf das investierte Kapital liegt das wikifolio-Zertifikat mit einem Volumen von derzeit rund 8 Mio. Euro auf Rang vier aller investierbaren Portfolios. Bei dem erst Anfang Februar dieses Jahres emittierten Zertifikat auf sein neues wikifolio „Goldesel-Investing“ konnten auch schon Anlegergelder in Höhe von mehr als 1 Mio. Euro eingesammelt werden. Der Börsenprofi, der in seiner bislang zehnjährigen Trader-Karriere schon mehrere tausend Trades abgeschlossen hat, sitzt an Börsentagen in der Regel rund 8 bis 10 Stunden am heimischen PC und durchsucht die Aktienmärkte nach attraktiven Kandidaten.

Kursrutsch endet oft nach drei Tagen

Obwohl Flender in den meisten Fällen konform zum übergeordneten Trend handelt, spekuliert er bei Übertreibungen kurzfristig auch gerne mal gegen den Trend. Bei einem solchen „Griff in das fallende Messer“ macht das richtige Timing beim Einstieg einen Großteil des Erfolges aus. Nach Ansicht des Profis spielt die Erfahrung in solchen Fällen eine entscheidende Rolle. Nach allem, was er in den vergangenen Jahren gesehen und gehandelt hat, gibt er Neulingen folgende hilfreiche Indikationen mit auf den Weg: „Oft ist es so, dass es bei sehr schlechten Nachrichten drei „Ausverkaufstage“ gibt, man also am dritten Tag für eine Rebound-Spekulation einsteigen kann. Mit etwas Glück gibt es am dritten Tag noch eine Umkehrkerze. Das Volumen ist normalerweise dann an allen drei Tagen stark erhöht. Oft ist es auch so, dass sich die Kerzen komplett außerhalb der Bollinger Bänder bilden, das ist ebenfalls oft ein Zeichen für eine massive Übertreibung“.

Plan B wenn es mal anders läuft

Gleichzeitig weist er aber darauf hin, dass ein solcher Ablauf „natürlich nicht in Stein gemeißelt ist“ und man an der Börse „immer mit allem rechnen muss“. Diese Erfahrung hat der Trader bei den Kursverwerfungen von Aurelius und Dialog Semiconductor zuletzt auch selbst wieder gemacht: „In beiden Fällen hätte diese Strategie nicht geklappt“. Alternativ nutzt er deshalb noch eine weitere Kennzahl, um in solchen Situationen einen guten Einstieg zu finden. Konkret beginnt er dann ab einem Minus von 30 Prozent mit gestaffelten Käufen. „Das hat bei den Shortattacken auf Wirecard und Ströer gut geklappt, und auch bei Aurelius und Dialog Semiconductor wäre dieses Niveau im Nachhinein ein guter Kaufpunkt gewesen, zumindest für einen kurzfristigen Rebound“.

Sehr erfolgreiches Money Management

Dass er diese Strategien in seinen beiden wikifolios diesmal nicht erfolgreich umsetzen konnte, lag zum Beispiel daran, dass er bei Dialog Semiconductor schon vor dem Kursrutsch investiert war. Und dann ist für ihn der Aspekt der Risikobegrenzung wichtiger als potenzielle Gewinne: „Um eine zu hohe Gewichtung zu vermeiden (Stichwort Money Management, maximale Gewichtung von 10%) habe ich hier nicht in den Kurssturz reingekauft“. Nur durch solche Schutzmechanismen ist es möglich, den Maximum Drawdown in seinen wikifolios auf einem überschaubaren Niveau zu halten. Bei Performance-Werten von 150 bzw. 18 Prozent (jeweils seit Eröffnung) liegt der Maximalverlust bislang lediglich bei 14 bzw. 2 (!) Prozent. Von solchen Zahlen können viele Trader nur träumen.

Hier gehts zu den wikifolios von Michael Flender: