Special Situations long/short von Christian Scheid und Szew Grundinvestment von Simon Weishar im historischen Vergleich: Ihre 50/50-Kombination lieferte mehr Wertentwicklung je Risiko als jede der beiden Strategien allein.
Grafik 1: Schwankung und Wertentwicklung pro Jahr, 02.01.2015–02.10.2026. Linie: alle Mischungen beider wikifolios. 50/50: Simulation, jährlich neu gewichtet.
- Lange Historie: Special Situations long/short seit 09.11.2013, Szew Grundinvestment seit 30.12.2014
- Wenig bzw. kein Hebel: Szew Grundinvestment verzichtet ganz auf Hebelprodukte, bei Special Situations ist jede Hebelposition laut Handelsidee auf höchstens 10 % des Kapitals begrenzt
- Unterschiedliche Ansätze: Die Korrelation der Tageswerte liegt bei nur 0,22
- Zusammen besser: 50/50 kombiniert steigt die Sharpe-Ratio auf 1,22 (einzeln 0,91 / 1,01, DAX 0,48)
Special Situations long/short: +21,9 % im Corona-Crash
Einzelne starke Jahre können Zufall sein. Eine lange Historie erlaubt einen belastbareren Vergleich, ist allerdings nach wie vor keine Garantie für zukünftige Performance. Dennoch - in jedem untersuchten 5-Jahres-Zeitraum lag die simulierte Kombination im Plus, im schwächsten mit +8,4 % pro Jahr (DAX: −6,7 %). In 12 Kalenderjahren gab es nur ein Verlustjahr, beim DAX 2. Das ist keine Prognose. Christian Scheid sucht bei deutschen Nebenwerten nach Übernahmen, Squeeze-outs, Sonderdividenden und Neubewertungen. Historisch hat diese Strategie bestens geklappt: Im Corona-Crash (19.02.–18.03.2020) legte Special Situations long/short +21,9 % zu, während der DAX −38,8 % verlor. Auch 2022 blieb es mit +2,0 % im Plus (DAX: −26,4 %).
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Szew Grundinvestment: +24,7 % pro Jahr seit 30.12.2014
Simon Weishar kombiniert Dividendentitel, unterbewertete Turnaround-Kandidaten und ausgewählte Wachstumswerte aus Deutschland und der EU. Die Auswahl orientiert sich am inneren Wert einer Aktie; Hebelprodukte nutzt er nicht.
Das Ergebnis: +24,7 % pro Jahr seit 30.12.2014, rund 2,9-mal so viel wie der DAX (+8,4 %). Nach dem Corona-Tief war der alte Höchststand nach 69 Tagen wieder erreicht, beim DAX nach 285 Tagen.
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Korrelation 0,22: Warum sich die beiden Ansätze ergänzen
Nicht nur die Einzelschwankungen zählen, sondern auch die gemeinsamen Bewegungen. Bei vollständigem Gleichlauf läge die Schwankung der 50/50-Mischung bei rund 22,5 % pro Jahr. Tatsächlich waren es 17,4 %, 5,1 Prozentpunkte weniger. Die Korrelation der Tagesrenditen beträgt 0,22, auf Monatsbasis 0,35: Unternehmensereignisse und Value-Investments brachten unterschiedliche Renditetreiber zusammen. Die Grafik vergleicht die rollierende Jahresschwankung der Mischung mit dem Durchschnitt der Einzelstrategien. Die Kombination lag durchgehend darunter. Im Mittel schwankte sie 21 % weniger als dieser Durchschnitt. Die rote Fläche zeigt diesen historischen Diversifikationseffekt.
Grafik 2: Rollierende 1-Jahres-Volatilität (252 Handelstage): 50/50-Kombination im Vergleich zum Durchschnitt der beiden einzelnen wikifolios, Dezember 2015 bis September 2026. Quelle: wikifolio, eigene Berechnung.
Was die Kombination besser macht
Der Vergleich vom 30.12.2014 bis 23.09.2026 zeigt: Die simulierte Mischung verbindet weniger Schwankung mit +22,8 % Wertentwicklung pro Jahr.
| 50/50 kombiniert | Special Situations | Szew Grundinvestment | DAX | |
|---|---|---|---|---|
| Wertentwicklung pro Jahr | +22,8 % | +19,5 % | +24,7 % | +8,4 % |
| Aus 10.000 Euro wurden | 111.806 Euro | 80.679 Euro | 133.062 Euro | 25.865 Euro |
| Schwankung pro Jahr | 17,4 % | 21,0 % | 24,0 % | 19,0 % |
| Sharpe-Ratio | 1,22 | 0,91 | 1,01 | 0,48 |
| Größter Rückgang | −34,4 % | −43,8 % | −42,0 % | −38,8 % |
| Schlechtester Monat | −12,6 % | −13,9 % | −20,3 % | −16,4 % |
| Anteil positiver Monate | 65 % | 60 % | 60 % | 58 % |
Die Sharpe-Ratio liegt rund 22 % über der besseren Einzelstrategie. Auch der größte Rückgang fällt kleiner aus als bei beiden einzeln und beim DAX. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Kennzahlen.
In 4 von 5 DAX-Krisen historisch besser abgeschnitten
Besonders wertvoll ist Diversifikation, wenn die Märkte fallen. In den 59 Monaten, in denen der DAX seit Ende 2014 nachgab, verlor die Kombination im Schnitt nur −0,7 % (DAX: −3,6 %). Verlustfrei war die Mischung deshalb allerdings nicht.
Auch in den großen Rückgängen des DAX von mindestens 15 % schnitt die Kombination in vier von fünf Phasen besser ab: 2015/16, im Corona-Crash, 2022 und im Frühjahr 2025. Nur 2018, als deutsche Nebenwerte besonders unter Druck standen, fiel sie stärker.
50/50, einmal im Jahr neu gewichtet: So funktioniert die Simulation
Die Gewichte verschieben sich mit der Wertentwicklung. Die Simulation stellt deshalb am letzten Handelstag jedes Jahres wieder 50/50 her. Zusätzliche Transaktionskosten und Steuern sind nicht berücksichtigt; die Mischung ist kein eigenes Produkt.
Wichtig: Der Effekt hängt nicht an einer exakten Aufteilung. Jede Mischung mit 30 bis 70 % Special Situations kam auf eine Sharpe-Ratio zwischen 1,16 und 1,22 und damit klar über beiden Einzelstrategien. 50/50 lag dabei am oberen Ende.
Warum bei zwei wikifolios aufhören?
Der nächste Schritt liegt nahe: weitere wikifolios mit anderen Handelsideen ergänzen. Das kann die Abhängigkeit von einzelnen Strategien verringern. Entscheidend ist nicht die Anzahl allein: Ähnliche Positionen oder Branchen können auch bei vielen wikifolios zu gemeinsamen Verlusten führen. Für Special Situations long/short, Szew Grundinvestment, UMBRELLA, Nordstern und Investmentideen vergleichen wir die Monatsrenditen von Juli 2015 bis September 2026: 135 vollständige Monate, derselbe Zeitraum für jedes Paar. Nordstern wurde im Juni 2015 erstellt und begrenzt die gemeinsame Historie. Die zehn paarweisen Korrelationen liegen zwischen 0,17 und 0,42.
So lässt sich die Matrix einordnen
+1 bedeutet vollständigen linearen Gleichlauf, niedrige Werte bzw. null wenig linearen Zusammenhang; negative Werte würde auf gegenläufige Bewegungen hindeuten.
Special Situations long/short und Szew Grundinvestment liegen in diesem Zeitraum bei 0,36. Die Matrix liefert keine optimale Gewichtung und keine Rendite oder Schwankung einer Fünfer-Kombination. Korrelationen können in Krisen steigen; auch wenig korrelierte Strategien können gleichzeitig verlieren.
- Special Situations long/short von Christian Scheid: Deutsche Nebenwerte mit besonderen Auslösern: Übernahmen, Squeeze-outs und Neubewertungen. Ausgewählte Short-Positionen über Hebelprodukte erweitern den Ansatz.
- Szew Grundinvestment von Simon Weishar: Substanz mit Aufholpotenzial: Dividendentitel, unterbewertete Turnaround-Kandidaten und ausgewählte Wachstumswerte aus Deutschland und der EU.
- UMBRELLA von Richard Dobetsberger: Innovation weltweit: ein konzentrierter Ansatz mit angestrebten sechs bis zwölf Unternehmen, besonders aus Pharma und New Technology.
- Nordstern von Jörn Remus: Wachstumsaktien und Megatrends weltweit. Kurzfristig spielen Charttechnik und Kaufverhalten eine Rolle, langfristig Bewertung und Perspektiven. ETFs und Knock-out-Produkte sind als Beimischung vorgesehen.
- Investmentideen von Thomas Fürst: Aktienauswahl unter anderem anhand fundamentaler Kriterien und historisch starker Wertentwicklung. Die Handelsidee sieht etwa fünf bis zehn Aktien mit annähernd gleichen Anteilen vor.
Fazit: Erst das Zusammenspiel betrachten, dann die Mischung
Fazit:
Diversifikation ist nicht ohne Grund als „the only free lunch“ an der Börse bekannt: Wer Strategien mit unterschiedlichen Renditetreibern kombiniert, kann sein Rendite-Risiko-Verhältnis spürbar verbessern. Dabei zählt nicht die Zahl der Positionen, sondern wie unabhängig die Ansätze voneinander sind. Über die genannten Beispiele hinaus findest du übrigens auf der Rangliste viele spannende wikifolios.
Zweier-Simulation: Aktualisierte Rendite-Risiko-Grafik: 02.01.2015–02.10.2026; übrige Kennzahlen und rollierende Grafik: 30.12.2014–23.09.2026. Tägliche Modellportfolio-Schlussstände. 50/50, jährlich zum Jahresende neu gewichtet, ohne zusätzliche Transaktionskosten und Steuern; kein eigenes Produkt. Vergleich: DAX-Performanceindex; risikofreier Zins: EZB-Einlagesatz.
Fünfer-Matrix: Pearson-Korrelation einfacher Monatsrenditen, Juli 2015 bis September 2026 (135 Monate); Basis: Juni 2015; Datenstand: 05.10.2026. Gleicher Zeitraum für alle Paare, keine Auffüllung fehlender Werte, keine Fünfer-Simulation. Modellportfolio-Werte, keine Zertifikatsrenditen. Abweichende Zeiträume und Renditefrequenzen begrenzen die Vergleichbarkeit.
Historische Ergebnisse sind keine Prognose; Diversifikation garantiert keine Risikoreduktion.
Disclaimer: Jedes Investment in Wertpapiere und andere Anlageformen ist mit diversen Risiken behaftet. Es wird ausdrücklich auf die Risikofaktoren in den prospektrechtlichen Dokumenten der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft (Endgültige Bedingungen, Basisprospekt nebst Nachträgen bzw. den Vereinfachten Prospekten) auf wikifolio.com, ls-tc.de und ls-d.ch hingewiesen. Du solltest den Prospekt lesen, bevor du eine Anlageentscheidung triffst, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Prospekts von der zuständigen Behörde ist nicht als Befürwortung der angebotenen oder zum Handel an einem geregelten Markt zugelassenen Wertpapiere zu verstehen. Die Performance der wikifolios sowie der jeweiligen wikifolio-Zertifikate bezieht sich auf eine vergangene Wertentwicklung. Von dieser kann nicht auf die künftige Wertentwicklung geschlossen werden. Der Inhalt dieser Seite stellt keine Anlageberatung und auch keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.