Gold im Gepäck – von der guten Toga zum Maßanzug

Es gibt Licht am Ende des Tunnels. Auch wenn es nicht sonderlich hell brennt und der Tunnel vielleicht noch lang ist, Börsianer nehmen, was sie kriegen können.

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Quelle: freepik.com

In diesem Fall ist es die Wirtschaft, der dank der schrittweisen Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen vielerorts wieder Leben eingehaucht wird. So steigt etwa das Verbrauchervertrauen in den USA leicht bzw. fällt nicht mehr ins Bodenlose. Ähnliches lässt sich auch in Deutschland beobachten. Der Konsument dürfte also schon bald wieder etwas mehr Geld ausgeben. Dazu passend: Der Sommer ist womöglich doch nicht abgesagt. Die deutsche Regierung will die Reisewarnung für Touristen ab dem 15. Juni aufheben – zumindest für Europa.

Summa summarum bedeutet das, die Aktienmärkte steigen. Der konjunkturabhängige Dow Jones Index nagt bereits wieder an der 25.000-Punkte-Marke. Der Dax hat seit dem Corona-Tief fast 40 Prozent zulegen können. Damit fehlen noch weitere 20 Prozent auf das Vor-Pandemie-Hoch bei knapp 13.800 Punkten. So lange ist der Tunnel also gar nicht mehr.

Gold-Exposure auf hohem Niveau

Laut dem Fear and Greed Index von CNN Money beherrscht aktuell außerdem weder Angst noch Gier den Markt, was eine erfrischende Abwechslung zu den Extremen vor Corona ist. Dazu passend: Die Krisenwährung Gold stabilisiert sich auf hohem Niveau. 1.705 US-Dollar kostet eine Feinunze nach wie vor – ein Zugewinn von gut einem Drittel auf Jahressicht. Auch auf wikifolio.com erfreut sich das Edelmetall weiter hoher Beliebtheit. So war die Gold-Aushaftung auf Monatssicht zwar rückläufig, es stecken aber immer noch 1,9 Prozent des in wikifolio-Zertifikaten investierten Kapitals in Xetra-Gold , dem beliebtesten Exchange Traded Commodity (ETC) auf physisches Gold. Weitere 1,2 Prozent sind im Minenbetreiber Barrick Gold investiert. Zum Vergleich: Im iPhone-Hersteller Apple sind lediglich 0,8 Prozent des investierten Kapitals gebunden.

Auch Christoph Neemann ( MinusSinus ) setzt in seinem wikifolio hin und wieder auf Gold. Aktuell ist die Aktie des Bergbaukonzerns Newmont relativ prominent in Minus Sinus Value Select vertreten. Einen kleinen Teil des Depots in Gold zu investieren, hält der Trader generell für sinnvoll: „Gold als Depotbeimischung ist immer ein gutes Element, um bei ‚Schwarzer Schwan‘-Ereignissen eine Komponente im Portfolio zu haben, die sich wertstabil oder -steigernd verhält. Da Gold per se keine Rendite erwirtschaftet, hat es für mich als Value Investor eine Sonderrolle zur Diversifikation und Risikobegrenzung. Deshalb halte ich persönlich den Depotanteil unter fünf Prozent. Das Gold hat in Krisen dann vor allem auch den Wert, die eigenen Emotionen besser kontrollieren zu können, weil man eben auch stabile Positionen im Depot hat.“

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Kennzahlen

  • +181,9 %
    seit 14.09.2016
  • +8,9 %
    1 Jahr
  • 0,79×
    Risiko-Faktor
  • EUR 2.730.583,99
    investiertes Kapital
Ø-Performance pro Jahr: 31,5 Prozent

Ob man sich als Anleger nun für das Halten von physischem Gold in Form von Münzen oder Barren entscheidet, oder doch lieber auf ETCs oder die Aktien von Bergbaukonzernen zurückgreift, bleibt jedem selbst überlassen. „Alle Anlageklassen haben ihre Vor- und Nachteile“, erklärt Neemann.

Einen Überblick über die unterschiedlichen Möglichkeiten, in Gold zu investieren, gibt es hier: Krisensicher und inflationsgeschützt - Gold als Depot-Beimischung

Wertstabilität wie sonst nirgendwo

„Bei Goldminenaktien sehe ich als Value Investor den Vorteil, dass ich nicht einen Vermögenswert ohne Rendite besitze, sondern Anteile an einem Unternehmen mit einer hoffentlich positiven Eigenkapitalrendite. Auf der anderen Seite haben Goldminenaktien den Ruf, notorisch schlecht gemanagt zu sein, da in Zeiten hoher Goldpreise die Disziplin nachlässt, und bei niedrigen Goldpreisen der Sparzwang regiert.“ Darüber hinaus, so der Trader, sind die Aktien der Goldminenbetreiber deutlich volatiler als der Goldpreis, da ihr Geschäft einem natürlichen Hebel unterliegt, der sich aus der Bruttomarge zwischen Goldpreis und den Schürfkosten pro Tonne ergibt. Neemann summiert: „Es handelt sich um ein sehr zyklisches Geschäft mit hohem Kapitalbedarf. Trotzdem ist es ein guter Weg, um eine Goldversicherung abzuschließen.“

Dass Anleger auch derzeit diese Versicherung suchen, führt Neemann auf die Coronavirus-Pandemie zurück. „Durch die fiskalpolitischen Maßnahmen der Regierungen als Antwort auf die Covid-Krise sehen anscheinend viele Marktteilnehmer einen erhöhten Inflationsdruck. Aber auch die Leute, die besorgt sind, dass die Stabilität der nationalen und regionalen Finanzsysteme langfristig gefährdet ist, sehen Gold als eine Investition, die eine Währungskrise überdauern kann.“ Gold spielt also einmal mehr seine Stärke als ein über Jahrtausende bewährter Wertspeicher aus, weiß Neemann: „Vor 2000 Jahren bekam man im römischen Reich für eine Unze Gold eine gute Toga, heute bekommt man einen guten Maßanzug. Diese Art von Wertstabilität ist in keiner anderen Anlageklasse zu finden.“

Goldene Aussichten

Eine Goldpreisprognose will Neemann nicht abgeben: „Wenn ich aber auf die beiden Faktoren Inflationsgefahr und Krise der Finanzsysteme schaue, wird keiner der beiden so schnell von den Risikoradaren verschwinden. Deshalb ist meine Erwartung, dass Gold sich nicht schlechter schlagen wird als Aktien oder Bonds.“

Das wikifolio Real Value von Trader-Kollege Dirk Fechner ( Wertinvest ) besteht aktuell mehr oder weniger ausschließlich aus Barrick Gold. Ein optimistischer Grundton ist in seiner Einschätzung der Goldpreisentwicklung daher auch nicht zu überlesen: „Ich denke, dass insbesondere die massive Geldschöpfung durch die Zentralbanken der Welt die perfekte Voraussetzung für eine beschleunigte Entwertung von Währungen und den Anstieg von Gold in den letzten Wochen war und ist.“

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Kennzahlen

  • +431,6 %
    seit 20.06.2016
  • +58,7 %
    1 Jahr
  • 1,45×
    Risiko-Faktor
  • EUR 3.036.997,87
    investiertes Kapital
Ø-Performance pro Jahr: 53,3 Prozent

Thomas Dellmann ( TeDel ), der im wikifolio Rohstoffwerte dem Namen entsprechend nicht nur Gold-Engagements tätigt, sondern das gesamte Rohstoff-Spektrum abdeckt, ergänzt: „Der klassische Nachteil von Gold – nämlich dass es keine Zinsen abwirft – fällt vor dem Hintergrund der expansiven Notenbankpolitik und der Nullzinsen im Dollar- bzw. Euroraum komplett weg. Gold wurde daher auch für viele große Vermögensverwalter wieder attraktiv.“ Wie es mit dem Goldpreis weitergeht, hängt laut Dellmann kurzfristig vor allem davon ab, wie schnell sich die Kunjunktur in den USA und Europa wieder erholen kann. „Zuletzt haben ja sogar leicht verbesserte Wirtschaftsdaten zu Rücksetzern bei Gold geführt.“ Langfristig bleibt der Trader aber optimistisch: „Gold bleibt für mich ein Basisinvestment und ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass wir in den nächsten Jahren deutlich höhere Kurse sehen werden.“

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Kennzahlen

  • +335,6 %
    seit 14.01.2016
  • +39,7 %
    1 Jahr
  • 1,06×
    Risiko-Faktor
  • EUR 1.182.244,46
    investiertes Kapital
Ø-Performance pro Jahr: 38,7 Prozent

Die Performance steht und fällt …

Auch für Fechner und Dellmann ist es entsprechend ratsam, einen Teil des Vermögens in Gold zu halten – in physischer Form oder ETCs. „Wer mehr möchte, kann in Goldminenaktien investieren“, summiert Fechner, mahnt aber auch zur Vorsicht: „Man muss mit zeitweise enormen Schwankungen nach oben und auch nach unten im Laufe des Anstiegs des Goldpreises rechnen.“ Seiner größten Aushaftung im wikifolio, Barrick Gold, traut er nach eigenen Aussagen noch viel zu. Wobei auch hier natürlich die Höhe der Fahnenstange vom Goldpreis abhängt.

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