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Musk hat sein Bestes gegeben

Seit SpaceX bei seinem Börsengang im Juni kurzzeitig einen Wert von 2,3 Billionen US-Dollar erreichte, befindet sich die Aktie im Abwärtstrend – und hat gut 600 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung wieder eingebüßt. Nun hat der Raumfahrt- und KI-Konzern erstmals seit dem IPO Quartalszahlen vorgelegt und CEO Elon Musk die Gelegenheit, die Stimmung zu drehen. Man kann wahrlich nicht behaupten, er hätte es nicht versucht. Ein Kommentar von Astrid Schuch.

spacex
Quelle: wikifolio, artlist

Der Umsatz wuchs stärker als erwartet, der Verlust schrumpfte auf die Hälfte des entsprechenden Vorjahresquartals zusammen – ebenfalls mehr als erwartet. Konkret generierte SpaceX einen Umsatz von 7,81 Milliarden Dollar (+92 % YoY) und wies einen Verlust von 541 Millionen Dollar (nach 1 Milliarde Dollar im Vorjahr) aus. Das war aber offensichtlich nicht genug, um die Herzen der Börsianer für sich zu gewinnen. Die Aktie verlor nachbörslich 7,51 %. Am Dienstag hatte sie im regulären Handel in freudiger Erwartung und einer allgemein positiven Marktstimmung noch 9,43 % zugelegt.

Ziel 1: 1 Billion Dollar Umsatz 2030

Auch CEO Elon Musk höchstselbst konnte die Börsianer nicht überzeugen, obwohl er – wie immer – ein überaus rosiges Bild von der Zukunft malte. Das 1-Billion-Dollar-Umsatzziel soll nun bereits 2030 und nicht erst 2031 erreicht werden, wie man im Juni beim Börsengang proklamiert hatte. Laut Musk besteht außerdem eine Chance, die größer als 0 ist, das Ziel schon 2029 zu erreichen.

Das Ziel war schon im Juni „ambitioniert“. Um die 1 Billion Dollar bis 2030 zu knacken, müsste SpaceX den Umsatz jährlich (!) im Schnitt um fast 700 % steigern (und nicht „nur“ um 92 % wie im Q2). Musk zufolge soll das explosive Wachstum außerdem vor allem aus dem Geschäft mit Künstlicher Intelligenz kommen. Die KI-Sparte machte aber lediglich einen Quartalsumsatz von 2,56 Milliarden Dollar (und nicht 7,81 Milliarden, auf denen die Berechnung des nötigen Umsatzwachstums basiert).

Um die Zahlen in eine andere Relation zu setzen: Der Onlinegigant Amazon, der aktuell bei einer Marktkapitalisierung von 3 Billionen Dollar handelt (SpaceX: 1,6 Billionen Dollar), erwirtschaftete 2025 einen Jahresumsatz von 717 Milliarden Dollar (SpaceX: ca. 19 Milliarden) und einen Nettogewinn von 77 Milliarden Dollar (SpaceX: Verlust von knapp 5 Milliarden Dollar).

Ziel 2: Internet von Starlink für alle in < 10 Jahren

Musk ist außerdem überzeugt davon, dass die Menschen den Satelliten-Dienst Starlink unterschätzen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Starlink irgendwann den Großteil des weltweiten Internets bereitstellen werde – zumindest in jenen Ländern, wo man operieren dürfe, was die überwiegende Mehrheit der Länder sei. Fast das ganze Internet fast überall auf der Welt von Starlink – aber wann genau? Möglich in weniger als 10 Jahren, so Musk. Bedenkt man all die Konjunktive in den Aussagen und Formulierungen wie „nicht ausgeschlossen“ und „irgendwann“, hält selbst Musk das Ziel vermutlich für zu ambitioniert.

Ziel 3: Bemannte Raumfahrt zum Mond 2028

Die runde Dekade scheint den SpaceX-CEO geradezu magisch anzuziehen: Schon im Februar sagte er, es werde weniger als 10 Jahre dauern, autarke Siedlungen auf dem Mond mithilfe des Raumschiffprojekts Starship zu errichten. Dasselbe für den Mars könne noch 20 Jahre oder mehr dauern. SpaceX-COO Gwynne Shotwell versprach nun im Zuge der Vorlage der Quartalszahlen erste „boots on the moon“ mit Starship schon 2028. Laut Analyst Gene Munster von Deepwater Asset Management ist diese Aussicht im Aktienkurs noch nicht vollends eingepreist. Warum wohl...? Er schätzt die Wahrscheinlichkeit für „boots on the moon“ schon in 2 Jahren jedenfalls auf 70 % und auf 95 % im Jahre 2029. Noch befindet sich Starship in der Testphase und fliegt unbemannt, womit es immerhin den Robotaxis von Tesla etwas voraushat. Pardon, die fahren ja mittlerweile in ausgewählten Städten testweise auch schon fahrerlos.

Das Capex-Problem

Die hochtrabenden Versprechen Musks sind es aber natürlich nicht, die Investoren abschrecken. SpaceX hat – wie fast alle anderen KI-Unternehmen auch – ein „Capex-Problem“. So fiel der Aktienkurs nachbörslich laut Analysten vermutlich vor allem, weil die Investitionsausgaben im KI-Segment viel höher waren als erwartet. Insgesamt nahm SpaceX im Q2 18,4 Milliarden Dollar in die Hand. Davon flossen 15,8 Milliarden Dollar alleine in den Ausbau von KI-Rechenzentren – alldas bei einem KI-Spartenumsatz von 2,56 Milliarden Dollar.

SpaceX hatte schon kurz nach dem IPO im Juni, der dem Unternehmen gut 85 Milliarden Dollar in die Kassen spülte, Anleihen begeben und derart weitere 25 Milliarden Dollar aufgenommen, um Investitionen und auslaufende Kredite zu (re-)finanzieren. Aktuell sitzt SpaceX auf knapp 100 Milliarden Dollar Cash.

Die bilanziellen Risiken sind nicht von der Hand zu weisen. Zumal die Investitionsausgaben nicht einmal ansatzweise durch das operative Geschäft finanziert werden können. Der operative Cashflow belief sich im 1HJ 2026 auf 3,5 Milliarden Dollar; die Investitionen auf 34,5 Milliarden – also das 10fache. Die Verschuldung wird somit notgedrungen weiter steigen. Entsprechend handeln die Kreditausfallsversicherungen des Unternehmens mittlerweile auf Ramschniveau. Wer sich gegen den Ausfall von SpaceX-Anleihen im Wert von 10 Millionen US-Dollar versichern lassen möchte, zahlte dafür zuletzt eine Prämie von rund 177.000 US-Dollar pro Jahr.

Erste Lockup-Periode endet

Auf den Aktienkurs drückt aktuell sicher auch das anstehende Ende der ersten Lock-up-Periode. Am Donnerstag, wenn die Sperrfrist endet, könnten Altaktionäre bis zu 911,5 Millionen SpaceX-Aktien verkaufen. Das ist mehr als beim IPO im Juni begeben wurden (der Free Float lag bei 639 Millionen Aktien). Am Mittwoch sackten die SpaceX-Papiere im europäischen Handel zunächst jedenfalls weiter ab. Auf Tradegate brachen sie am frühen Nachmittag um gut 12 % ein. 

Auf wikifolio scheiden sich – wie schon bei Tesla – auch bei SpaceX die Geister, sowohl was die kurzfristigen Chancen und Risiken aus Trading-Perspektive als auch die langfristigen aus Investorensicht anbelangt. Hier einige Statements im Überblick:

Das sagen die wikifolio Trader

Mittel- bis langfristig dürfte die Aktie ihre Tiefs noch nicht gesehen haben.

Christian Scheid
Scheid

Christian Scheid ( Special Situations long/short ) kommentiert das SpaceX-Quartal und die weiteren Aussichten wie folgt: „Auf den ersten Blick liest sich das Zahlenwerk von SpaceX sehr positiv. Die Markterwartungen hinsichtlich Umsatz und Ergebnis wurden geschlagen. Und es mangelt nicht an vollmundigen Versprechungen: Neben dem in Aussicht gestellten Jahresumsatz von 1 Billion Dollar bis 2030 bekräftigte Musk auch die Pläne, Rechenzentren in die Umlaufbahn zu bringen und über Starlink großen Telekommunikations-Anbietern Konkurrenz zu machen. Klingt alles wunderbar. Nur sollten Anleger wissen, dass er bei Tesla ähnlich fantasievolle Pläne hatte, die sich bisher jedoch nur zum Teil und zudem mit großer Verspätung erfüllt haben. Angesichts dessen ist die Bewertung von SpaceX mit 1,6 Billionen Dollar noch immer stattlich. Das scheinen auch Shortseller so zu sehen, die in den vergangenen Wochen den Wert massiv leerverkauft haben. Dabei spielt auch eine Rolle, dass am 6. August mehr als 900 Millionen Aktien von Alteignern frei werden – eine erste Lock-up-Periode im Zusammenhang mit dem IPO läuft aus. Es wird spannend, ob der zu erwartende Kaufdruck durch die Eindeckungen von Leerverkäufen aufgefangen werden kann und es dadurch vielleicht sogar zu einem Rebound der Aktie kommt. Eventuell wage ich in dem Zusammenhang sogar einen Long-Trade. Mittel- bis langfristig dürfte die Aktie ihre Tiefs aber noch nicht gesehen haben.“ Gesagt, getan: Am Mittwoch nach den Quartalszahlen und einen Tag vor Ende der Sperrfrist eröffnete Scheid eine kleine Rebound-Spekulation auf SpaceX. 

Die Aktie liegt inzwischen 50 % unter ihrem bisherigen Höchststand und ist damit deutlich attraktiver bewertet, als noch zum Zeitpunkt des Börsenganges. Bisher habe ich nur eine kleine Postion an SpaceX-Aktien in mein wikifolio aufgenommen. Diese werde ich in den nächsten Monaten sukzessive ausbauen.

Mark Winter
SpaceM

Mark Winter ( Raumfahrt im 21. Jahrhundert ) ist etwas optimistischer: „SpaceX hat die Analystenerwartungen im abgelaufenen Quartal deutlich übertroffen. Haupttreiber war die Satelliten-Tochter Starlink mit rund 4,3 Milliarden Dollar Umsatz und 12 Millionen Kunden, während hohe Investitionen in Starship, KI und Rechenzentren im All weiterhin auf das Ergebnis drücken. Die Aktie liegt inzwischen 50 % unter ihrem bisherigen Höchststand und ist damit deutlich attraktiver bewertet, als noch zum Zeitpunkt des Börsenganges. Bisher habe ich nur eine kleine Postion an SpaceX-Aktien in mein wikifolio aufgenommen. Diese werde ich in den nächsten Monaten sukzessive ausbauen. SpaceX ist und bleibt für mich bis auf Weiteres das spannendste Unternehmen im Bereich der Raumfahrt und ich werde die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen.“

Falko Höhnsdorf ( Fond-Werte Trend Trading ) kommentierte das SpaceX-Quartal so: „Die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn ist oft recht dünn und Elon Musk ein schöner Beweis für diese These. Bei all der Bewunderung für seine visionären Ideen und seiner Lebensleistung muss man doch so realistisch bleiben, dass Billionen-Umsätze in 4 Jahren bei SpaceX absolut ausgeschlossen sind. Ich verstehe auch nicht, was der Vorteil von Rechenzentren im All sein soll. Wärmeabführung im Vakuum ist ja in der Raumfahrt eine der großen Herausforderungen. Und Solarenergie kann man auf der Erde genauso gut gewinnen, aber mit viel besseren Kühlungsmöglichkeiten.“

Katja Großjohann ( MullhollandDrive ) dürfte kein Musk-Fan sein: „Auch wenn die Weissagungen von Elon Musk historisch eine leicht bessere Trefferquote aufweisen als die des aktuellen US-Präsidenten, bleibe ich in Bezug auf SpaceX skeptisch.“

Michael Kainz ( TREND MAK Harbor ) fasst sich kurz: „Nicht mehr das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht!“

Es geht noch kürzer – von Paul Pleus ( PPinvest Low Vola ): „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann...“

Mehr Einschätzungen zur SpaceX-Aktie gibt’s am Ende dieses dpa-Beitrags zu den SpaceX-Quartalszahlen in den Reaktionen und Kommentaren! Hier erfährst du auch, welche Trader auf Jahressicht eher bullish und welche eher bearish sind. Untenstehend findest du außerdem alle "Alpha Strong"-wikifolios, die aktuell SpaceX enthalten. Zuletzt waren es 10.

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