17.06.2016| Von: Andreas Kern |

Einige Analysten vermuten aufgrund des zu erwartenden Kopf-an-Kopf-Rennens, dass letztendlich die Stimmung im Land den Ausschlag geben wird. So könnte zum Beispiel das Abschneiden der englischen Fußball-Nationalmannschaft nach der Vorrunde der laufenden Europameisterschaft in Frankreich das Ergebnis des Referendums maßgeblich beeinflussen. Nach dem Last-Minute-Sieg gegen Wales am Donnerstag sind die Engländer nun Tabellenführer in ihrer Gruppe und stehen mit vier Punkten aus zwei Spielen so gut wie sicher im Achtelfinale. Das könnte den EU-Befürwortern ebenso in die Karten spielen wie – so makaber das auch klingen mag - der tragische Tod der britischen Abgeordneten, die sich für einen Verbleib in der EU ausgesprochen hatte. Gut möglich, dass im Volk zumindest bei den bislang noch unentschlossenen Wählern aus Empörung über diese Straftat nun eine Anti-Brexit-Stimmung erzeugt wird. Oder es setzt sich ganz einfach die Erkenntnis durch, dass ein Austritt aus der EU aufgrund des hohen Anteils der britischen Exporte in die Eurozone voraussichtlich enorme wirtschaftliche Nachteile mit sich bringt.

Das alles sind im Vorfeld des Referendums natürlich nur Spekulationen. Genau die haben in den vergangenen Tagen aber auch die Börsenkurse maßgeblich beeinflusst. Während die Aktienmärkte deutlich unter Druck standen, profitierten Anleihen und der Goldpreis von einer steigenden Nachfrage der Investoren. Obwohl zahlreiche Analysten und Vermögensverwalter vor panikartigen Handlungen warnen, schichten die Marktteilnehmer ihre Vermögenswerte vorsichtshalber in die vermeintlich „sicheren Häfen“ um und wechseln damit in den „Risk off“-Modus.

Bei den Tradern auf wikifolio.com ist von Hektik im Vorfeld der Abstimmung in Großbritannien derweil wenig zu spüren. Ein professionelles Risikomanagement gehört für die meisten Akteure ohnehin zum Alltagsgeschäft eines Börsenhändlers. So werden durchschnittlich 20 Prozent des von Anlegern investierten Kapitals als Cashbestand gehalten, um zeitnah auf das aktuelle Geschehen an den Börsen reagieren zu können. Zudem sichern einige Trader ihre Aktienbestände mit Hilfe von Hebelprodukten immer mal wieder gegen kurzfristig fallende Kurse ab.

Die momentane Unsicherheit wird von den Tradern der besonders stark nachgefragten wikifolios aber mehrheitlich als Einstiegschance betrachtet. Dirk Middendorf („carpediem7“), der in seinem wikifolio „Carpe diem Aktientrading“ aktuell über 60 Prozent Liquidität verfügt, ist zum Beispiel der Ansicht, dass im Falle eines Brexits kurzfristig mit weiteren Verlusten zu rechnen ist, „die aber dann zum Kauf genutzt werden sollten“. Er begründet das mit den wirtschaftlich wahrscheinlich doch überschaubaren Folgen für die Eurozone: „Es würden 3 Jahre lange Austrittsverhandlungen folgen mit dem Ziel den freien Handel möglichst wenig zu beeinflussen. Viel Lärm um....“. Ähnlich sieht das Holger Degener („Schneeleopard“), der sich für sein wikifolio „Dividende und Eigenkapital Deutschland“ deshalb lieber intensiv um die Analyse der Einzelwerte kümmert und dabei auch schon erste aussichtsreiche Kandidaten gefunden hat: „Heute habe ich auf dem ermäßigten Niveau dann doch zugegriffen, da einige Aktien fundamental nun günstig erscheinen, insbesondere, wenn man ca. 1 Jahr weiterdenkt. Den optimalen Einstiegszeitpunkt zu finden ist immer schwierig. Ein möglicher Brexit-Effekt ist schwer einzuschätzen. Ich denke anstelle der Mitgliedschaft in der EU muss dann mit England halt eine neue Handelsvereinbarung geschlossen werden. Von daher orientiere ich mich mehr an den einzelnen Unternehmenszahlen“.

Carpe Diem Aktientrading

Dividende und Eigenkapital

 

 

In Börsenphasen, die mangels historischer Erfahrungswerte keine seriösen Prognosen ermöglichen, ist vor allem eine gut durchdachte und klar definierte Strategie wichtig. Dadurch werden in Stressphasen zu emotional geprägte Handlungen vermieden. Joachim Köngeter („joibaer“) hat seinen solchen Plan für das wikifolio „Tradingchancen deutsche Aktien“ bereits veröffentlicht: „Ich achte nun darauf, welche Werte in einen Panikmodus verfallen bzw. welche ohne Nachrichten zwischen 6 und 10% verlieren (sei es aufgrund von ausgelösten Stop-Loss-Orders oder einfach weil einige Anleger aus Angst zu jedem Preis verkaufen wollen und auf mangelnde Nachfrage treffen). Hier kann man Aktien oftmals extrem günstig bekommen, insbesondere weniger gehandelte Nebenwerte“. Und auch Michael Flender („Goldesel-Trading“) weiß schon jetzt ganz genau, wie er im Fall der Fälle für sein wikifolio „Goldesel Trading“ aktiv werden wird: „Nächste Woche dann die Brexit-Entscheidung. Bei einem ersten Rebound werde ich evtl. etwas Cash aufbauen, um bei einer weiteren Panik bei einem Votum für das Verlassen der EU nochmal zuschlagen zu können“.

 

wikifolio Trading Chancen deutsche Aktienwikifolio Goldesel Trading

 

Mit Blick auf die Kommentare und auch die Performance-Daten dieser und anderer Trader während der nicht wirklich einfachen vergangenen Wochen und Monate darf man davon ausgehen, dass die Akteure auf die anstehenden Ereignisse bestens vorbereitet sind.