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28.07.2017| Von: Nikolaos Nicoltsios |

Im Vorfeld der historisch betrachtet etwas problematischen Monate August und September haben sich viele Anlageprofis für eine vorsichtigere Gangart an den Börsen entschieden. Die Vermögensverwalter der Mademann & Kollegen GmbH und der Privalor AG haben ihre Aktienbestände verkauft bzw. reduziert. Deutlich entspannter als seine Kollegen blickt Gottfried Urban, Mitgründer und Vorstand der Bayerische Vermögen AG, auf die kommenden Börsenmonate.

Niedrige Vola ist nicht zwingend negativ

Die Gelassenheit des Portfoliospezialisten beruht vor allem auf seiner über 30-jährigen Investmenterfahrung. Der ermöglicht es ihm, die aktuellen Entwicklungen in Relation zu früheren Marktphasen zu betrachten: „Niedrige Volas sind immer wieder mal vorgekommen. Seit 1980 ist der MSCI Europa auf Kalenderjahrebene viermal um 5% oder weniger vom Hoch zum Tief gefallen und in acht Jahren um 10% und weniger vom Jahreshoch gefallen. Von den vergangenen 37 Jahren sind also 12 Jahre relativ ruhig verlaufen“. In den vergangenen Jahren allerdings waren die Kursschwankungen zumeist deutlich höher, weshalb viele Marktteilnehmer die jüngste Phase der relativen Unaufgeregtheit an den Märkten nur schwer einschätzen können. „Wir müssen uns erst wieder an diese niedrige Vola gewöhnen, die Geldschwemme der Notenbanken überstrahlt viele Risiken“, erklärt Urban, der zudem auf ein konkretes Beispiel aus der Vergangenheit hinweist: „1996 hatten wir letztmalig ebenfalls eine sehr geringe Vola, der DAX ist dann in den folgenden Jahren durch die Euphorie der Tech-Aktien bis auf 8000 Punkte gelaufen. Alles ist also möglich, auch das Gegenteil“.

Das Problem des richtigen Wiedereinstiegs

Die über verschiedene Varianten zu gestaltende Absicherung des Depots hält der Anlageprofi unter anderem wegen des Timing-Problems für „anspruchsvoll“: „Die Absicherung bedeutet ja den Wiedereinstieg in den Markt zu timen. Das ist meist sehr schwierig, gerade in Seitwärtsmärkten kostet oftmals die Absicherung richtig Geld, wenn es mehrere Fehlsignale am Markt gibt. Deshalb dürfte es für den Privatanleger keine ratsame Strategie sein. Untersuchungen zeigen, dass es wenigen gelingt. Auf Sicht von 10 Jahren oder länger ist ein Vollinvestment in erstklassige Aktienqualitätskörbe, die ständig nach Profitabilitätskennzahlen geprüft werden, die bessere Alternative. Aber ich schließe es nicht aus, dass es Systeme und vielleicht auch Talente gibt, die es schaffen, so den Markt zu schlagen“.

Abzusichernder Notfall aktuell nicht erkennbar

Bei den Vermögensverwaltern, deren wikifolios „VSAK - Value Europa” und „SMAK – Small/Mid Caps DACH” jeweils nahe ihres Allzeithochs notieren und fast voll investiert sind, erfolgt eine Absicherung in der Regel nur in ausgesprochenen Ausnahmefällen, die laut Urban aktuell aber nicht gegeben sind: „Wir sind davon überzeugt, dass die Märkte in diesem Jahrzehnt dank der Notenbanken weiter zwei Schritte nach vorne und einen Schritt zurück machen. Der Schritt zurück war nach dem starken Anstieg überfällig, ändert aber nichts an den grundsätzlich noch vorhandenen Kurspotenzialen, gerade für Aktien aus Europa und den Schwellenländern“.

So sehen Anzeichen einer Überhitzung aus

Auf was Anleger in Zukunft mit Blick auf eine mögliche Trendwende an den Aktienmärkten achten sollten, umschreibt der erfahrene Börsianer wie folgt: „Eine Absicherung macht in der größten Euphorie für die Märkte Sinn. Wenn an der Börse die Optimisten auf breiter Ebene zunehmen und in der Eurozone fast Vollbeschäftigung herrscht, die Anleger bereit sind umfangreich Aktien auf Kredit zu kaufen, viele Unternehmen den Gang an die Börse wagen und neue Finanzinstrumente mit spektakulären Performancezahlen im Schaufenster der Finanzindustrie auftauchen, sollte man skeptisch werden“.

Werfen Sie einen Blick auf alle wikifolios der Bayerischen Vermögen AG

 

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